Bratislava Altstadt

Ein Wochenende in Bratislava ohne Hektik

Manche Orte haben viel zu bieten, aber nur wenig zu sagen. Manche Orte scheinen auf Instagram lebendig, sind in Realität aber öde. Manche Orte sind kulinarischer Himmel, aber nichts für Geschichtsfreaks.

Als Frau mit ständigem Fernweh habe ich meinen Platz auf der Welt noch nicht gefunden. Ich liebe wohl das rastlose Umherziehen an sich. Der Wunsch, gerade irgendwoanders zu sein, ist immer in mir. An manchen Orten halte ich es länger aus, an anderen ist ein Wochenende ausreichend und der Funke springt nicht über.

So dachte ich mir, warum nicht mal in die Slowakei?

Bratislava

LOHNT SICH BRATISLAVA?

Nach einem Wochenende in der slowakischen Hauptstadt kann ich sagen: Wenn Prag und Budapest die Kronleuchter sind, dann ist Bratislava wohl eine kleine Nachttischlampe. Ist ganz nett, aber es geht auch ohne.

Nichtsdestotrotz waren meine zwei Tage in der Stadt im März sehr entspannt und vor allem genüsslich. Mit dem Kopf voller Eindrücke bin ich aber nicht heimgekehrt.

Einige in Prag lebende Slowaken aus meinem Umkreis teilen die Ansicht, dass hier nicht der Bär steppt. Andere sprechen über Bratislava als eine unterschätze Perle an der Donau.

Skulptur Gully Bratislava

IN RUHE DURCH DIE MALERISCHEN GASSEN

Bratislava ist eine der Städte, in denen mal sich wirklich keinen Stress machen kann. Im März war nicht besonders viel los. Generell mochte ich das.

In einigen Stunden kann man die Altstadt erkunden und auch mal die Perspektive ändern. Zum Beispiel hat man von dem Bratislavský hrad, der Burg, einen netten Ausblick über den Stadtkern und auf die andere Seite der Donau. Dahin lohnt sich ein Spaziergang. Dort legen nämlich Boote an, in denen man speisen und übernachten kann.

Der Stadtkern ist nicht groß. Knurrt der Magen und riecht es gut, sollte man einkehren. So viel Auswahl gibt es nämlich nicht.

Kaum wegzudenken auf Städtereisen ist für mich der Besuch eines Farmers Markets oder einer Markthalle. Ich treffe auf Einheimische, kann regionale Produkte kaufen und bin inmitten regen Feilschens, Treibens und Verkaufens.

Von lebendigen Marktschreien oder lauten Verkaufsgesprächen fehlt in Bratislava jede Spur. Ich versuche nicht zu urteilen, sondern schlendere genüsslich durch die Stände. Aufgrund der besonderen Lage Bratislavas kann man hier Honig aus Ungarn und Ziegenkäse aus Österreich finden oder auch Becherovka.

Markthalle Bratislava

Ich lasse mich weiter druch die malerischen verwinkelten Gassen treiben. Viel ist wie gesagt nicht los. An schöne Fassaden und stylischen Cafes bleibe ich immer wieder stehen.

Die Altstadt ist keineswegs mit Handelsketten übersät. Stattdessen fallen mir viele Geschäfte auf, die liebevoll handgemachte Mitbringsel verkaufen: Ledergeldbeutel, bemalte Tassen oder Gartenfiguren.

Gasse Bratislava

BOUTIQUE HOSTEL UND SELFIECCINO

Ohne schlechtes Gewissen, etwas verpassen zu mögen, drehte ich mich morgens in meinem Himmelbett noch einmal um.

In Bratislava gibt es seit einigen Jahren ein Boutique Hostel. Das ist eine Unterkunft mit Mehrbettzimmern im 5 Sterne Ambiente. Mit anderen Worten: Backpacker trifft auf Klasse.

Selbst im Dormitorium habe ich meine eigene schließbare Kapsel, die sogar sehr geräumig ist. Den integrierten Kleiderschrank hellen LEDs aus. Ich überlege heute noch, wann ich das letzte Mal auf einer so bequemen Matratze für umgerechnet 15 Euro die Nacht geschlafen habe. Klasse.

Den regnerischen Sonntag verbrachte ich wie viele Slowaken beim Frühstücksbrunch. Highlight des Tages war mein Selficchino. Ich hielt es für unmöglich, ein eigenes Fotos mit Kakaopulver auf dem Milchschaum des Cappuccinos wiederzufinden. Bis ich meine individuelle Tasse Kaffee tatsächlich vor mir hatte, war ich skeptisch und danach völlig begeistert.

selfieccino bratislava

Was sich in Budapest und Warschau leider nicht ergab, für das bot sich in Bratislava endlich die Zeit. Aus dem deftigen sloakischen Menü wählte ich endlich eine Knoblauchsuppe im Brotteig, die cesnaková polievka.

Außerhalb des Stadtkerns stieß ich auf einen unscheinbaren Treppeneingang in die Unterwelt. Früher war das tatsächlich der Zugang zu den öffentlichen Toiletten. Heute ist da eine Bar.

Etwas komisch, dort nun zu speisen und zu trinken. Es roch nach kaltem Rauch, es war dunkel und die Stühle wacklig, aber das Zlatý Bažant gab’s zum Einheimischenpreis.

GUTES WILLKOMMEN

In meinen Augen erholt man sich in Bratislava sehr gut. Stress, dass man unbedingt dies oder jenes sehen muss, macht man sich hier nicht. Durch die Nähe zu Ungarn und Österreich eignet sich Bratislava auch als Zwischenstopp oder Tagesausflug.

Mit Englisch kommt man hier gut zurecht. Es gibt sogar deutsche Zeitschriften und englischsprachige Bücher. Bezahlt wird bequem in Euro. Das Leben scheint mir hier zu meiner Überraschung teurer als in Prag.

Markthalle Bratislava

Verliebt habe ich mich nicht. Ein zweites Mal werde ich auch nicht wiederkommen, aber als Mädchen der Wanderlust konnte ich meinen Reisetrieb füttern.

Herzlich willkommen in Bratislava habe ich mich ohne Frage gefühlt.

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2 Gedanken zu „Ein Wochenende in Bratislava ohne Hektik

  1. Mir geht’s ähnlich – es muss nicht immer der große Hype sein, lieber sind mir meist die unbekannteren Städte und ich lasse mich da genauso treiben wie Du. Über manche dieser Kurztrips habe ich geschrieben, über manche noch nicht. Wenn man nicht viel erwartet, findet man doch einiges, das einen längeren Blick lohnt, ohne dass man zuvor x Highlights abhaken „muss“ – das mache ich eh nicht mehr. Lieber ist es mir zu beobachten, wie die Leute dort leben.

    Bratislava klingt auch sehr gemütlich.

    1. Liebe Barbara,

      ganz toll, dein Reisestil klingt super entspannt und du sprichst mir da voll aus der Seele.
      Es kann unheimlich befreiend sein, sich einfach mal von der Intuition durch einen fremden Ort leiten zu lassen und zu wissen, man hat genügend Zeit, auch den kleinen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken.

      Liebe Grüße,
      Stefanie

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