Von Höhlen und Sanddünen und wie Neuseeland überzeugt

Mein Neuseelandaufenthalt geht dem Ende zu. Bevor ich gehe, wollte ich noch eine gute Portion Südinselflair mitnehmen. Über Ostern nahm ich Urlaub und erkundete den Teil, den ich bisher noch nicht gesehen hatte: Alles unterhalb Christchurch.

Von Christchurch gestartet ging es die Ostküste bis in den Süden entlang und durch das Inland über Mount Cook wieder zurück.

 

STÄDTE LINKS LIEGEN LASSEN

Christchurch wie auch Dunedin und Invercargill schenkte ich nur geringe Aufmerksamkeit. Die Städte sind lediglich praktisch um Proviant aufzustocken, Sprit zu tanken, sich ins Wifi einzuwählen und eventuell eine Bleibe für die Nacht zu finden. Generell ist eine sehr gute Backpackerstruktur in Neuseeland vorhanden, sodass man auch in kleinen Orten eine günstige Unterkunft findet. Und die werden meist mit mehr Liebe betrieben als die Großstadthostels.

Dass Neuseeland weniger mit lebhaften trendigen Großstädten überzeugt, kompensiert die facettenreiche Landschaft. Es scheint, als ob das Abschwechslungsreichtum maximal ausgereizt sei.

 

ZWISCHEN DUNEDIN UND INVERCARGILL – DIE SOUTHERN SCENIC ROUTE

Eine der schönsten Straßen, die in Neuseeland gefahren bin, verläuft entlang der südlichen Ostküste. Die Route führt nicht direkt entlang der Küste. Aber immer wieder gibt es Abzweigungen zu kuriosen Felsformationen am Strand, Aussichtspunkten über den Klippen und kurzen Wanderung zu Wasserfällen und Leuchttürmen.

Gut besucht, aber nicht weniger faszinierend sind die Moeraki Boulders. Diese versteinerten Kugeln liegen über den Strand verteilt als hätte sie jemand ausgestreut. Tatsächlich steckt ein komplexer chemischer Entstehungsprozess dahinter. Über Jahrmillionen kristallisierten sich diese Rollsteine aus und wurden vom Sand freigelegt. Mit bis zu zwei Metern Durchmesser bilden sie gute Basis für Fotoschnappschüsse.

Eine schöne Wanderung war der etwas unbekannte Tunnel Beach wert. Ein reicher Schnösel ließ damals einen Tunnel bauen um seiner Familie einen privaten Strandabschnitt zu gewähren. Neben dem heute noch zugänglichen unterirdischen Gang fällt mein Hauptaugenmerk auf den massiven Felsbogen und die herrlich geformten Abhänge.

Und dann wären da noch die Sanddünen auf der Otago Halbinsel. Mein Plan, mit einem Stück Verpackungskarton aus dem Supermarkt die Dünen hinab zu rutschen, ging überhaupt nicht auf. Zum Glück war nicht viel los und meine erfolglosen Rutschversuche blieben unbemerkt. Der Adrenalinkick blieb leider aus. So entschied ich mich für eine Yogapause am fast menschenleeren Strand umgeben vom leichten Rauschen der Wellen.

Diese Route ist so gut, wie man sie selbst gestaltet!

 

PINGUINE, WO SIND DIE NUR?

Normalerweise kann man an entlang der Ostküste ohne viel Glück Pinguine in freier Wildbahn sehen. Kurz vor Sonnenuntergang kommen sie von der Jagd auf See zurück. Das wäre der richtige Zeitpunkt. Ich begab mich auf die Lauer, habe an verschiedenen Orten gesucht und andere befragt. Doch ich hatte Pech und keinen einzigen Pinguin erspäht. Leider war das Timing nicht richtig. Sie verlieren zurzeit ihr Federkleid, sind daher nicht wasserfest und gehen gar nicht erst auf See.

Alternativ sah ich Albatrosse auf der Otago Halbinsel. Weltweit kommen hier die einzigsten Köngisalbatrosse vor, die auf Festland brühten. Fette Robben sah ich zur Genüge. Zu beobachten, wie sie etwas unbeholfen aus dem Wasser hüpfen und sich im Felsbecken wälzen, ist wie Meditation.

Entlang der Küste gibt es neben Delphinen noch andere große Vögel, die von Weiten einen auf Pinguin machten und mein Adrenalin kurz in die Höhe schießen ließen.

 

UNTERIRDISCHE GÄNGE

Unweit von Clifden gibt es eine zwar ausgeschilderte aber wenig besuchte Höhle. In einer halben Stunde, so heißt es aus Erfahrungsberichten, kann man von einem Ende zum anderen durchkriechen. Eine halbe Stunde sind 30 klaustrophobische Minuten in kalten, finsteren und tropfenden Gängen. Ich traute mich nicht weiter als das Tageslicht ausleuchtete.

Nun stehe ich am Eingang, bereit aber die Hosen gestrichen voll. Jetzt ist einer der Momente, in denen doch bitte ein Prinz daher galoppiert kommen könnte und sagt „Hier ist deine Mütze, hier ist deine Stirnleuchte, ich geh vorn weg und du bleibst dicht hinter mir.“

Nicht komplett hoffnungslos startete ich einen zweiten Höhlenversuch: die Cathedral Caves entlang der Catlins Region. Das sind mehrere interessant gescheckte Küstenhöhlen am Strand. Die Kraft der Wellen höhlte diese Felsen einst aus. Massiv und beeindruckend. Etwas abgelegen über einen Schotterweg und anschließenden Fußmarsch bergab durchs nasse Grün zu erreichen bilden sie ein echtes Highlight. Mit den Eingängen zur Meerseite gerichtet, steigt der Wasserspiegel in den Höhlen mit der Flut an. Daher sind sie nur bei Ebbe zugänglich.

 

DER ECHTE UND DER FAKE SÜDPUNKT

Welcher Ort Neuseelands ist nun der südlichste Punkt? Über diesen Titel scheinen sich zwei zu streiten. Da es nicht zwei geben kann, muss einer lügen. Eine interessante Erfahrung machte ich an diesem Tag.

Es war trüb und nieselig und daher kaum Touristen vor Ort. Ein Weg durch die Weide führte mich an Küstenkliffe zu einem unscheinbaren Ort – dem Slope Point. Ein schiefes Schild mit rostiger Schraube signalisiert, man hat den südlichste Punkt des neuseeländischen Festlandes erreicht. Ich fand beeindruckend, dass es keinen Eintrittswärter, keinen Foodtruck, nicht einmal Toiletten und nur ein Schotterparkplatz gab.

Was die Situation noch beeindruckender macht ist die Existenz von einem Möchtegern-südlichen-Punkt an dem viel mehr Begängnis herrscht. Das ist Bluff. Bluff ist ein Ort, der wenige Grad nördlich liegt, aber der es durch seine Größe, Hafenanbindung und wichtigtuerischen Richtungsweiser geschafft hat, manch einen mit falschen Fakten zu verblüffen.

 

VOM MOND BESTIMMTE REISEROUTE

Wann und wie lange ich entlang des Trips Halt machte war des öfteren durch den Mond gelenkt. Bei Ebbe kommen die Moeraki Boulders am Strand besser zur Geltung als bei Flut. Die Cathedral Höhle wäre bei Flut schier nicht zugänglich gewesen. Und auch Monkey Island, eine kleine Landmasse mit ein paar Treppchen und guter Aussicht, würde bei Flut den Zugang versperren.

Nach Sonnenuntergang kehren die Pinguine von See zurück und so war auch ich mit Fernglas bereit. Und auch das frühe Aufstehen lohnt sich um den Mond auf der einen Seite unter- und die Sonne auf der anderen Seite aufgehen zu sehen. Der Vorzug des Landlebens.

 

WAS ZWISCHENDURCH PASSIERT

Ich mag den meditativen Effekt des Autofahrens. Ich mag die Tatsache, dass ich mich in einem Jahr an genau diese Fahrt erinnern werde, wenn ich einen bestimmten Song höre, der im Auto rauf und runter lief.

Ich mag die Spannung zwischen Erwartung und Realität. Ich bin immer neugierig auf meine Unterkünfte. Ich mag die süßen Cafés unterwegs. Ich mag es, anderen Wohnwägen zu begegnen. Ich mag es, meinen Kofferraum zu öffnen und mich zu fragen: „So, was gibt’s heut zum Mittag?“

 

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2 Gedanken zu „Von Höhlen und Sanddünen und wie Neuseeland überzeugt

  1. Hey Stefanie,
    das ist ein sehr kurzweiliger Bericht geworden! Ich finde ihn interessant, auch wenn wir in nächster Zeit keine Reise nach Neuseeland vorhaben.
    Schade dass es mit den Pinguinen nicht geklappt hat. Aber wie du den meditativen Charakter des Autofahrens beschreibst, darin können Kerstin und ich uns gut wiederfinden. 🙂
    Liebe Grüße, Klaus

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