unberuehrter Strand Samoa

Das ungeschminkte Westsamoa im Südpazifik

Westsamoa ist für mich ein Paradies. Ein Land, das begeistert. Ein Fleck der Entschleunigung. Und ein Ort irgendwo im weiten Pazifik, der deine Probleme schwindend gering macht. Und du musst einfach loslassen.

Alle Störfaktoren der westlichen Welt wie übermäßige Werbung, nörgelnde Menschen, neidische Nachbarn, stickige Abgase oder hetzende Passanten sind in Samoa schier nicht präsent.

Es gibt kein Vorzeigeviertel, in dem der Aufenthalt verwöhnten Touristen auf 30cm Kaltschaummatratze und Balkon mit Poolblick so angenehm wie möglich zu gestalten gälte.

Kommt man nach Samoa, so taucht man automatisch ins echte Leben ein. Man schläft wie die Locals. Man isst wie die Locals. Und man bewegt sich wie die Locals fort.

Kueste Upolu Suedsee

Palmenmeer Savaii

 

MIT DEM BUS IST EIN MUSS

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, das Land zu erkunden. Entweder mit dem Leihwagen oder mit dem öffentlichen Bus. Scooter sind wie auf Fidschi unüblich.

Ein Auto sollte man im Voraus reservieren. Zum einen läuft auf Samoa alles etwas langsamer und von der Anfrage bis zur Schlüsselübergabe kann der Deutsche schon mal ungeduldig werden. Zum anderen ist der Fuhrpark auf der Insel nicht sehr groß. Man läuft Gefahr, dass Autos vergriffen sind. Bevor es losgeht, muss man sich gegen eine Gebühr einen samoanischen Führerschein ausstellen lassen.

Mindestens einmal mit dem Bus zu fahren, lege ich jedem ans Herz. Die robusten hölzernen Busse haben Charme. Sie sind mit Girlanden schrill geschmückt, bunt bemalt und spielen laute hippe Musik. Schließlich gibt es keine Fahrpläne und man muss sie schon von Weitem hören können.

Es gibt auch ungeschriebene Regeln zu beachten. Älteren und Touristen, sogenannten Palagi, wird immer ein Platz angeboten. Nimmt man ihn nicht an, werden Samoaner bitterböse. Steigen Kinder zu, setzen sie sich selbstständig auf den Schoß von jemandem, der eben gerade da sitzt. So ist ein Bus in Samoa nie überfüllt, sondern eher optimal ausgenutzt.

Bus auf Samoa Suedsee

Fahrt durch Westsamoa

 

SCHWIMMEN UNTER WASSERFÄLLEN

Auch auf der einzigen Straße, die komplett um die Insel führt, habe ich das Gefühl, off-the-beaten-track unterwegs zu sein. Hier hat man die Möglichkeit, in die Natur einzutauchen, sich unter Wasserfällen abzukühlen, glatte Felsen, sogenannte Sliding Rocks, hinunter zu rutschen oder in Wasserlöchern zu baden.

Man kann in der Peapea Höhle wandern mit einem Guide und einer Taschenlampe, dessen Licht so dämmrig ist, dass man gerade so den nächsten Schritt ausleuchten kann.

Das Dwarfs Cave war ziemlich unheimlich. Ein selbsternannter Eintrittswärter erklärte mir kurz den Weg. Ich solle mit dem Auto den Trampelpfad in den Palmenwald folgen bis ich einem Mann auf einem Pferd begegne. Das wäre der Tourguide. Er würde mich dann durch die Höhle führen. Es könne auch etwas nass und schlammig werden. Ende der Geschichte: Die Höhle habe ich nicht gefunden. Die Motorleuchte an meinem Vehikel blinkte auf. Meine junge Beifahrerin machte einem Sensenmann auch noch freundlich die Scheibe runter, während sich bei mir Szenen aller Horrorfilme im Kopf abspielten. Ein vollgepacktes Pferd ohne Begleitung kam mir entgegen stolziert und alle 300m lag ein Haufen geöffneter Kokosnüsse am Wegesrand.

Auf Samoa gibt es jede Menge natürliche Pools. Einige sind mit Süßwasser gefüllt, wie der klare kühle Piula Cave Pool. Andere sind Salzwasserpools. Der bekannteste ist wohl To Sua Ocean Trench. Das Loch in der Erde ist nicht nur ein perfektes Bild wert, sondern über eine Holzleiter auch tatsächlich erreichbar.

To Sua Ocean Trench Upolu

To Sua Ocean Trench

Savaii in Westsamoa

 

EINE KIRCHE VON LAVA ÜBERSCHÜTTET

Samoa ist vulkanischem Ursprungs. Auf der zweiten großen Insel Savaii kann man über ein Lavafeld wandern, welches vor 100 Jahren eine ganze Kirche unter sich begrub.

Auch aus Lava und schroffen Überhängen sind im Süden von Savaii Blowholes entstanden. Bei Flut schaut man im Sekundentakt den Wasserfontänen entlang der Küste zu.

Lange Wanderrouten gibt es weder auf Savaii noch auf der Hauptinsel Upolu. Dafür sind beide zu klein. Doch gibt es kurze Wege, die historische Überbleibsel miteinander verbinden. Freundliche Samoaner wissen die Legenden und Anekdoten. Das Eintrittsgeld fließt übrigens Schulen, Dörfern und Frauenverbänden zu.

Kirche Lava Savaii

Blowholes Westsamoa

Haengebrücke Savaii

 

DIE ZEIT SCHEINT STILL ZU STEHEN

Samoa ist rein und unverdorben und hat sich mit den Inselbesuchern kaum verändert. Allerdings gibt es noch eine kleine Insel, die die Unberührtheit ausreizt. Manono Island ist noch ruhiger und idyllischer. Ich stelle mir vor, dass ganz Westsamoa wohl vor 30 Jahren so ausgesehen hat. Es leben knapp 900 Menschen auf Manono Island und es gibt sieben Kirchen. Für höhere Schulbildung müssen die Kinder jeden Morgen mit dem Boot zur Hauptinsel und jeden Abend zurück fahren.

Um den Mund verschmierte Vierjährige entdecken mich am Strand. Sie sehen offensichtlich nicht jeden Tag eine Hellhäutige. Sie kommen zu mir, fragen mich aus, doch ich verstehe kein Wort. Dennoch funktioniert die Verständigung irgendwie und wir sammeln gemeinsam trockene Früchte und malen in den Sand.

Auf dem Rückweg kommt mir ein Mann mit einem Korb im Arm entgegen. Er erzählt mir, dass er ein Wildschein umgelegt hätte, es im Dorf aufgeteilt wird und nun seinen Teil des Fleisches zu seiner Familie trägt. Die Heldentat hatte er, wie ich später herausfand, nicht selbst vollbracht, aber die Tatsache, dass mal eben ein Wildschein niedergemacht und das ganze Dorf versorgt wurde, fand ich interessant.

Manono Island Alltag

Zeit steht still Samoa

Wildschwein gefangen Samoa

 

DEN TAG OHNE HEKTIK BEGRÜßEN

Von Manono Island wieder zurück auf der Hauptinsel, verweilte ich noch zwei Stündchen an der Bootsanlegestelle, Manono piers, da mein Flug erst nachmittags ging. Ich saß zwischen leeren Dosen und Zigarettenstummeln inmitten wartender Samoaner. Auf was die warten, wollte ich herausfinden. Ich beobachtete das Begängnis. Laufend kamen Boote an. Zum Einkaufen, Geldabheben und Tanken der Boote sind die Islander gezwungen, auf die Hautpinsel zu kehren.

Wenig später kam das Müllboot von Manono Island an. Jeden Freitag werden, je nachdem, welche Uhrzeit Flut ist und damit die Stege gut erreichbar sind, Müllsäcke auf dem Wasserweg eingesammelt. Diese werden auf der Hauptinsel nun auf LKWs geladen.

Ich bestellte ein Eis am Kiosk und bekam einen Pappbecher voll mit viel zu süßem Himbeereis. Ich nahm die fragenden Blicke wahr, warum ich Weiße denn hier abhänge. Jetzt kommt wieder eine Ladung junger Männer an, die ohne Stillstand Baumstämme ablud. Ein Opa verabschiedet sich von seinen Enkeln mit Küsse und schippert davon.

Manono Piers in Samoa

Manono Island

Nirgendwo ertönt es Bananas, Taxi oder Massaaage. Nirgendwo auf Samoa wird dir ein Schnorcheltrip aufgeschwatzt oder dir das Gefühl gegeben, du solltest doch besser eine ordentliche Ladung Cash im Land zurück lassen.

In Samoa bist du auf dich allein gestellt um das Land zu erkunden. Mit einem einfach gestricktem aber offenem Mindset, wenig zu erwarten und es keineswegs als Qual sondern als Luxus anzusehen, auf einer einfachen Matratze unter Moskitonetz am Strand zu nächtigen, ist Samoa so viel mehr als nur eine Insel im Pazifik. Denn dann erzielt Samoa eine Wirkung. Bei mir war es die Frage, wie ich mein Leben weiter simplifizieren und die Fähigkeit ausbauen kann, mich mehr an der schönen fremden Natur zu erfreuen ohne sie zu hashtagen.

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