Wellington Einkaufsmeile

Von Rugby und Kiwis und 39 Gedanken über Neuseeland

18.000 km von Deutschland entfernt. Irgendwo in der Südpazifik. Am Rande der Weltkarte. Dort leben sie friedvoll in ihrer Kiwihöhle. Die Neuseeländer.

Doch wer ist dieser Neuseeländer? Was isst der, wie spricht der und was macht ihn so kiwi?

Innerhalb nun knapp eines Jahres in Neuseeland gab es zwar keinen Kulturschock, dafür aber viel „Ach, is ja nen Ding!“, „Die haben doch nen Knall!“ und „Hm, nicht schlecht!“.

Hier gibt’s 39 Dinge, die Neuseeland speziell machen. Los geht’s.

  1. Beim Busfahrer wird sich bedankt, wenn man aussteigt. Auch aus der Hintertür.
  2. Viele Wahrzeichen und Ortsnamen kommen aus der Maorisprache von den Ureinwohnern Neuseelands. Diese beinhalten viele harte Buchstaben wie „k“, „p“ und „t“. Gleiche Silben wiederholen sich oft. Und manche Namen klingen erschreckend ähnlich. „Rotoroa“ ist der nach faulen Eiern riechende Ort und „Rotorua“ ist eine Insel an der Küste vor Auckland. Unweit von „Kerikeri“ ragt die Halbinsel „Karikari“ ins Wasser. Viele Orte beginnen mit „Wh“, welches als „F“ ausgesprochen wird. War man in Whanga-Dingsda könnte das Whanganui, Whangarei, Whangaroa oder Whangamata meinen. Ahhh!
  3. Die einzigen vier Tage, an denen man keinen Alkohol in Neuseeland kaufen kann sind Karfreitag, Ostersonntag, der erste Weihnachtsfeiertag und der Gedenktag ANZAC Day.
  4. Steinlager ist kein deutsches Bier, sondern wird in Neuseeland gebraut. Der deutsch klingende Name wurde ihm nur gegeben, um ihn mit Qualität zu verbinden. Den Gedanken finde ich gut.Cafe Tauranga
  5. Neuseeland ist frei von giftigen Schlangen, Spinnen, Quallen oder Krokodilen. Sorry, Australien. Eins zu Null für Neuseeland.
  6. Dieser bittere salzige Brotaufstrich Vegemite, mit dem du alle, die nicht damit aufgewachsen sind, jagen kannst, ist australisch. Die Neuseeländer haben ihre eigene widerliche Paste. Nennt sich Marmite hier. Nie probiert. Nie bereut.
  7. Kein Ort in Neuseeland ist mehr als 128 km vom Strand entfernt.
  8. Spricht man über Kiwis muss man spezifisch werden. Meint man die kiwi fruit, den kiwi bird oder den Kiwi-Neuseeländer.
  9. Was Malle für Deutsche ist und Bali für die Australier, ist Rarotonga für die Kiwis. Rarotonga – oder kurz Raro – ist eine der Cook Inseln und nur vier Stunden Flug entfernt. Bezahlt wird dort sogar in neuseeländischen Dollarn. Zeitverschiebung beträgt allerdings fast einen ganzen Tag.
  10. Es gibt Dörfer und ganze Landstriche auf der Südinsel ohne Handyempfang.
  11. Ab 17 Uhr kurbeln die meisten Läden die Rollläden runter. Sonntags um drei ein offenes Cafe in Auckland zu finden kannst du vergessen.Auckland bei Nacht
  12. Security ist überall anwesend. In der Bücherei, im Supermarkt oder Einkaufszentrum.
  13. Früchte in Neuseeland werden mit der Saison gekauft. Nicht nur schmecken sie besser sondern kann man sparen. Fünf Dollar für eine Avocado oder sechs Dollar für einen halben Blumenkohl, also mal ehrlich?
  14. Fremde in Neuseeland zu fragen, woher sie kommen, ist gerechtfertigt. Die meisten im Büro werden antworten: aus Indien, Südafrika oder Australien. Auf der Straße kommen die meisten Reisenden aus Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden.
  15. 7-Eleven, der Tante Emma Laden, hat es leider nicht bis über den Pazifik geschafft. Dafür gibt es Dairy, Superette und Corner Store. Auch ganz nett, wenn abends der Magen knurrt und die großen Supermärkte schon schlafen.
  16. Drinks after work on Friday: Freitag nach Feierabend gehen Kollegen gerne in eine Bar. Nette Routine, um die Woche ausklingen zu lassen und Kontakte zu pflegen. Wenn es nicht immer die gleiche Location und der gleiche Ablauf mit den gleichen Leuten am Nebentisch wäre.
  17. Kühe dominieren die Nordinseln, Schafe die Südinsel. Zwischendrin verstreut leben auch ein paar Menschen.
  18. Rugby scheint Neuseelands Religion zu sein. Nationalmannschaft sind die All Blacks. Darauf sind Kiwis stolz und zeigen sich gern im Shirt mit Spieler-Logo, dem Silberfarn auf schwarzem Hintergrund. Vor einem Rugbyspiel schreien sich die Spieler einschüchtern an und stampfen wütend auf den Boden. Ist eine Art Kriegstanz aus Maori-Zeiten und nennt sich Haka.
  19. Maori sind die Ureinwohner Neuseelands. Die Maorikultur ist wichtiger Bestandteil im Leben eines Kiwis. Jedes Wahrzeichen hat eine Legende, die auf die Maorikultur zurück geht. Kostenfreie Maori-Sprachkurse werden angeboten. Und manche Traditionen, wie der Haka-Tanz werden heute noch praktiziert.
  20. Wasser aus dem Hahn hat in Neuseeland Trinkwasserqualität, ist aber häufig fluoridiert.
  21. Neuseeländisches Englisch ist dem australischen ähnlicher als mancher Kiwi zugeben möchte. Die Schreibweise basiert auf dem Britischen Englisch. Man geht also ins cinema und nicht ins movie theatre und benutzt den lift und nicht den elevator. Und dann wäre da noch „Eh“. „Eh“ wird als „ay“ mit gehobener Stimme am Ende eines Satzes ausgesprochen. Es heißt soviel wie „stimmts?“ oder „nicht wahr?“. Dass ich diesen Tick schon übernommen habe, zeigt mir nur, dass es langsam Zeit wird zu gehen.
  22. Neuseeland bietet hervorragende Backpackerstruktur. Es gibt günstige Fahrzeugtransfere, die car relocations und kostenlose aber gut erhaltene Campingplätze. Das öffentliche Fernverkehrsnetz ist gut ausgebaut und Inlandsflüge gibt es bereits zum Spottpreis.
  23. Wird in Deutschland auf Sommerzeit umgestellt, beginnt in Neuseeland die Winterzeit. Wäre ja zu einfach, wenn das am selben Tag passieren würe. Die Uhren in Neuseeland werden immer am ersten Sonntag im April zurück- und am letzten Sonntag im September vorgestellt.Auckland Skytower
  24. Nationalparks und Marinereservate sind in Neuseeland bestens instandgehalten und ausgeschildert. Zu danken ist dem DOC, dem Department of Conservation. Die Vereinigung beschützt das Natur- und Kulturerbe durch ganz Neuseeland hinweg mit vielen vielen freiwilligen Helfern. Tolle Arbeit!
  25. Weihnachten in Neuseeland fällt auf den Sommer. Und das ist komisch. Könnte ich mich je daran gewöhnen, am Weihnachtsfeiertag mit Steak und kalter Cola am Strand zu sitzen? Ich glaube nicht und schrieb diesen Artikel über das Kiwi-Weihnachten.
  26. Nicht alle Strände sind goldgelb. Besonders der Sand an der Westküste ist schwarz.
  27. Häuser in Neuseeland sind nicht gedämmt. Nahezu jedes Haus ist mit elektrischem Handtuchtrockner ausgestattet. Zentralheizung oder doppelte Verglasung gibt es aber nicht. Auf der Südinsel wird es im Winter genauso kalt wie in Deutschland. In Auckland reichen die Temperaturen allerdings nie unter Null Grad. Bei unerwartetem Kälteeinbruch bildet sich Kondenswasser an den Fenstern und plötzlich sind alle elektrischen Heizgeräte ausverkauft.Parnell in Auckland
  28. Wetterbericht in Neuseeland ist völlig nutzlos. Morgens an den Himmel zu schauen und einzuschätzen, wie der Tag werden wird, ist es auch. Eine Lektion, die ich sehr zeitig gelernt habe: Immer Regenschirm, Sonnencreme und ein Halstuch dabei haben. Immer!
  29. Kiwis sind offen und ehrlich und stehen meist auch zu dem, was sie sagen. Wird man eingeladen, dann wollen sie auch wirklich, dass du vorbei schaust. Sorry, USA. Eins zu Null für Neuseeland.
  30. Es gibt kein ebay auf Neuseeland und kein Amazon. Hier gibt’s Trade Me. Trade Me ist eine Plattform um die Wohnung zu inserieren, die Waschmaschine zu verkaufen oder einen Job zu finden.
  31. In Neuseeland gibt es nur drei große Supermärkte: der weit verbreitete Countdown, der etwas teurere New World und das an Randgebieten liegende PAK’nSAVE.
  32. Health & Safety – Gesundheit & Sicherheit auf der Arbeit ist wichtig, aber im Büro übertreiben es die Neuseeländer. Ob es um die angelehnte Tafel an der Wand geht, die eventuell umfallen und mich krankenhausreif zunichte machen könnte. Ob es die Sturmwarnungen sind, die ich nicht mehr ernst nehmen kann, weil sie Überhand nehmen und die Liste eines Überlebenspaketes, welches jeder Zuhause haben sollte, eine komplette A4 Seite umfasst. Oder ob es die Rund-E-Mail ist, die ein Urin-Farbbild enthält, an dem man selbst testen kann, ob man genug getrunken hat. Also wirklich!Verbotsschild Neuseeland
  33. Gehalt wird wöchentlich oder alle 14 Tage überwiesen. Miete zahlt man in Neuseeland jede Woche.
  34. Für die Größe überraschend aber für die Nähe durchaus einleuchtend trifft man viele Einwanderer aus den schönen Südpazifikinseln. Plötzlich als Deutsche in der Minderheit zu sein und von Samoanern, Fidschianern und Tongaern mit jeder Menge Inselflair übertroffen zu werden, das muss man erst einmal verkraften.
  35. Die neuseeländische Steuererklärung dauert fünf Minuten.
  36. Man kann nicht Neuseeland verlassen ohne Fijoa probiert zu haben. Die Frucht war mir bisher unbekannt, scheint aber bei jedem Neuseeländer im Garten zu wachsen. Sie wird gegessen wie eine Kiwi. Klar, oder?
  37. Und am Ende schauen alle Städte Neuseelands irgendwie ähnlich aus. Und sie schlafen und was sie schlafen.
  38. Check, Saving or Credit? Beim Zahlen mit Karte muss man sich entscheiden, ob man aus dem Girokonto, dem Tagesgeldkonto oder dem Kreditkartenkonto zahlt. Und dann wäre da noch Eftpos, was schlicht das Bezahlen mit neuseeländischer Debitkarte bedeutet.
  39. Sweet ass! De Begriff der neuseeländischen Jugend für „affengeil“.

 

Zum Weiterlesen über andere Kulturen und Stereotypen:

2 Gedanken zu „Von Rugby und Kiwis und 39 Gedanken über Neuseeland

  1. Sweet ass oder Sweet as ? 😉
    Ich liebe NZ einfach. All die Unterschiede und doch ist vieles ähnlich. Bisher habe ich nur völlig entspannte, freundliche Kiwis kennengelernt und beneide sie oft darum, in so einem schönen Land leben zu dürfen. Vielleicht habe ich auch irgendwann die Chance, für längere Zeit dort zu leben, es wäre ein Traum!
    Sehr schöne Zusammenfassung übrigens 😉
    LG, Schwerti

    1. Hi Schwerti,

      Haha, sweet as! Was für einen Unterschied so ein Buchstabe macht.

      So weit weg vom Rest der Welt zu leben, hat seine Vorteile, nämlich von so manchem bullsh** direkt verschont zu bleiben und sich hier im Einklang mit der Natur entfalten zu können. Für mich persönlich wäre es aus den selben Gründen zu ruhig und abgeschieden.

      Danke für deinen Kommentar,
      schöne Grüße,
      Stefanie

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