Daenemark Kopenhagen Dezember

Kopenhagen im Rausch der Glücksgefühle?

Als Anbeterin der wärmeren Klimata würde ich ein Wochenende im mediterranen Gefilde fast immer einem Trip nach Nordeuropa vorziehen. Die Spanischen Inseln oder die Italienische Riviera sind im Dezember diesig kalt. Warum stattdessen nicht ein bisschen nach der Hyggephilosophie leben?

Mit Kopenhagen trete ich meinen ersten Trip nach Skandinavien an. Die Stadt enttäuscht mich mit ihrem minimalistischen, keinesfalls kitschigen aber eleganten Weihnachtsschmuck nicht.

Dem Duft dänischer Æbleskiver folgend wandere ich durch das Winterdorf im Tivolipark. Es nässt. Es ist halb vier und es wird bereits dunkel. Die Glühweinpreise sind astronomisch. Ich versuche positiv zu bleiben, denn irgendetwas muss ich übersehen haben, was die Dänen zum glücklichsten Volk der Welt macht.

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ATTRAKTIV FÜR DEN BESUCHER

Die Innenstadt Kopenhagens konzentriert sich auf eine kleine Landmasse von Wasser umgeben. Damit ist alles gut zu Fuß erreichbar. Das öffentliche Verkehrsnetz wurde meinen Vorhaben gerecht.

Die Dänen sprechen weltweit am besten Englisch als Zweitsprache. Ohne langen „ähms“ wechselt der Busfahrer oder die Kassiererin auf ein einwandfreies Englisch.

Die Dänen möchten dir deinen Aufenthalt in Kopenhagen so angenehm wie möglich machen. Wird dein Handgepäck am Flughafen einer zusätzlichen Sicherheitskontrolle unterzogen, entschädigt ein Voucher für eine Tüte Popcorn für die Unannehmlichkeiten.

Kopenhagen ist die erste europäische Stadt, in der ich einen 7Eleven Store sehe. Generell werden Beträge kontaktlos mit Kreditkarte bezahlt. Bargeld habe ich in Kopenhagen nur für mein ruhiges Gewissen dabei. Außerdem sind die Lochmünzen ein nettes Souvenir.

Zwischen Vernunft und Unbeschwertheit hin- und hergerissen streiche ich ein paar Mal am Glühweinstand vorbei. 45 Dänische Kronen für einen Becher. Das sind über 6 Euro.

So unbedingt wollte ich doch gar keinen Glühwein, oder?

Flodeboller Kopenhagen
Kopenhagen einkaufen Winter

GEMÜTLICH UND GERADLINIG

Die Dänen nehme ich als sehr annehmliches und gutherziges Volk wahr. Niemand rast die Rolltreppe hoch, knallt dir dabei seine Tasche über den Kopf oder bläst dir den Atem in den Nacken. Anders als in anderen Großstädten wird die Privatsphäre in Kopenhagen geschätzt und mindestens zwei Stufen Abstand auf der Rolltreppe gelassen.

Mit einer gängigen 37 Stunden Arbeitswoche sind die Dänen zwar pflichtbewusst, schätzen aber ihre Work-Life-Balance. Sie treffen sich am Wochenende zum Brunchen und erreichen alle Orte mit dem Fahrrad. Ob Regen oder Schnee.

Die Dänen wirken auf mich zufrieden und selbstbestimmt. Ich denke, sie leben das Leben, das sie sich vorstellen. Frei von Neid und Missgunst.

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WEIHNACHTSSTIMMUNG IN KOPENHAGEN

Ohne festliches Ambiente, hätte ich Kopenhagen öde gefunden.

Die Kleine Meerjungfrau ist zwar Wahrzeichen der Stadt, aber konnte mich leider nicht davon überzeugen, mir meine Handschuhe auszuziehen und ein Foto zu knipsen.

Das Hafengelände am Nyhavn ist ebenso ein touristischer Anziehungspunkt. Hier fotografiere ich aus allen Winkeln. Selbst unter trüber Wolkendecke spiegeln sich die bunten Gebäudefassaden im Kanal Hyhavn wieder. Trotz Nieselregen, Temperaturen um die 3 Grad und astronischem Preisen speisen Besucher in den Biergärten unter den Heizstrahlern.

Nyvavn Kopenhagen
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Die berühmte Einkaufsstraße Strøget führt mich bequem von Nyhavn zum Freizeitpark Tivoli. Ab November verwandelt sich dieser Spaßpark in ein Winterdorf.

Der Schmuck und die festliche Gestaltung treffen genau meinen Geschmack. Lichterketten sind üppig, aber nicht kitschig oder überladen. Selbst der künstliche Schnee wirkt wie echt.

Zwischen historischen Karrussels und vorbeirauschenden Acherbahnen kann man nach dem ein oder anderen Weihnachtsgeschenk shoppen.

Tivoli Weihnachten Kopenhagen
Kopenhagen Tivoli Weihnachten

HYGGELIGER WEIHNACHTSSTIL

Die Dänen sollen die glücklichsten Menschen sein.

Für jemanden wie mich, dessen Gemüt eng an optische Reize gekoppelt ist, scheint es auf den ersten Blick absurd zu glauben, dass ein Skandinavisches Land, das weniger Sonnenstunden, dichtere Wolkendecken und weniger Tag im Winter hat, die glücklichsten Leute innehaben soll?

Ich laufe durch die Straßen und versuche, Anhaltspunkte zu finden. Was macht die Dänen so glücklich? Was übersehe ich?

Es ist Hygge. Hygge finde ich, nicht wie ich gedacht habe, auf den Straßen, im etwa üppigen Entertainmentangebot, den stylischsten Bars oder den exotischsten Foodmärkten.

Hygge ist ein Lebensstil, der von Innen glücklich macht.

Hygge heißt, sich Zeit für die Gemütlichkeit zu nehmen. Sich mit natürlichen und einfachen Dingen wohlzufühlen. Zu kochen. Mit der Familie zu essen. Ein Buch zu lesen. Sich in eine Decke einzuwickeln. Tee zu trinken.

Mit diesen Worten beende ich meinen Artikel. Ich wünsche meinen Lesern und Leserinnen eine besinnliche und gemütliche Weihnachtszeit.

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Zum Weiterlesen:

  • Weihnachten in Neuseeland: Wenn Sommer und Heilig Abend zusammentrifft
  • Weihnachten in New York: Kitschig aber Oho

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