Weihnachtsbaum inmitten Palmen

Wenn Hochsommer und Kiwi-Weihnachten zusammenfallen

„Ist bei euch schon dekoriert?“ und „Gibt’s in Neuseeland auch Lebkuchen?“ werde ich von Deutschland gefragt. Weihnachten 2017 passierte ohne mich.

In Aucklands Stadtpark wurde eine Woche lang Weihnachtsbaum und Bühne aufgebaut. Die armen Arbeiter mussten das in der Mittagssonne tun. Meine Ironie signalisiert, dass sich Weihnachten im Sommer für mich einfach nicht richtig anfühlt. Und dieser Hauch von Weihnachtsstimmung verflog, als am Montag drauf Baum und Bühne wieder komplett abgebaut waren. Schade!

 

KEINE SPUR VON WEIHNACHTEN

Keine Weihnachtsmusik in den Einkaufspassagen, keine geschmückten Vorgärten oder Fenster, keine Lichterketten an den Fassaden oder Glittergirlanden an den Eingängen. Nicht einmal Weihnachtsmärkte. Und das obwohl ich dachte, mit Kommerz bekommt man die Neuseeländer aus ihren Häusern.

Im Büro hing ein Weihnachtsbaum kopfüber von der Decke. Meine Kollegin liebt das Weihnachtsfest und die Traditionen. Sie lässt sich jedes Jahr etwas Neues einfallen. Abgesehen von ihrer geschmückten Großraumbürozelle gibt es keine Spur von Weihnachtsstimmung auf der Arbeit.

In den Supermärkten entdeckte ich dann doch Ginger Bread (Lebkuchen), Adventskalender für die Kinder und sogar Toffifee. Das war es aber auch.

Mit all den Einwanderern aus den verschiedensten Kulturen erwartete ich auch europäischen Einfluss. Adventskränze, Pyramiden, Nussknacker und Räucherkerzen haben es leider nicht nach Neuseeland geschafft. Auch Glühwein, Stollen oder Zimtsterne sind wohl irgendwo auf der Strecke verloren gegangen.

Spreche ich die fehlende Weihnachtsstimmung an, werde ich auf die Franklin Road in Auckland verwiesen. Eine Straße, die nachts hell beleuchtet wird. Die Bewohner denken, mit ein paar meterlangen Lichterketten, die geschmacklos von den Dächern geworfen und Antennen, die kitschig in die Palmenköpfe gesteckt wurden, haben sie ihren Teil zur Weihnachtstradition beigetragen.

Franklin Road in Auckland Weihnachtsdekoration

 

ICH LASS WEIHNACHTEN DIESES JAHR AUSFALLEN

Mein ständiger Vergleich mit der Weihnacht, wie ich sie kenne, macht mich zum einen traurig aber vor allem auch verärgert, weil ich es schade finde. Traditionen und Rituale verbinden Menschen einer Kultur miteinander. Sie zeigen Charakter. Ich hatte zu dieser Zeit im Jahr von den Kiwis erwartet, dass sie zeigen, was sie drauf haben.

Vielleicht war es gut so, dass alles, was ich mit der Weihnachtszeit assoziiere, ausbleibt. Mein Plan war es also, meinem Hirn vorzugaukeln, es sei Juli oder August. Sommer, Urlaub, Barbecue, Strand, Roadtrips.

Weihnachten im Hochsommer in Neuseeland

Geschäfte und Büros haben zwischen dem 25. Dezember und bis einschließlich der ersten Woche im neuen Jahr geschlossen. Es ist die Zeit, in der die Schulferien fallen. Die Kiwis brechen auf, besuchen Familien oder reisen durch das Land oder nach Übersee.

 

DEM WEIHNACHTSTIEF ENTFLIEHEN

Verreisen. Das ist auch mein Plan. Solange ich beschäftigt bleibe, werde ich nicht zu emotional.

Ich verbrachte Heilig Abend auf Waiheke Island, einer Insel vor der Küste Aucklands und füllte die restliche freie Zeit mit einem Roadtrip auf der Südinsel Neuseelands.

Weihnachten passierte zwischen Packen und Warten am Gate. Das war okay. Ich bin Reisende. Ich tat, was ich aus purer Leidenschaft tu. Soweit funktionierte mein Getaway vom Weihnachtstief gut – bis ich von „Frohe Weihnachten“-Nachrichten überhäuft werde und ich mir das erste Mal so richtig wünschte, mich nur für den Heiligen Abend ins gemütliche Wohnzimmer meiner Familie beamen zu können, Geschenke zu überreichen und mir den Magen vollzuschaufeln.

 

„ABER DU WARST DOCH LETZTES JAHR ÜBER WEIHNACHTEN IN FLORIDA!“

Nachdem ich vier oder fünf Wochen Vorweihnachtsstimmung in New York einsaugte, schien eine Woche über die Feiertage am Strand genau das Richtige. Meine Weihnachtslaune war überreizt.

In meiner Bleibe in New York hatte ich sogar einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Meine Mitbewohnerin setzte mit rot-grünen Duschvorhängen noch einen oben drauf. Mehrmals in der Woche wurde in irgendeinem Viertel die Weihnachtsbaumbeleuchtung öffentlich zelebriert. Die Eislaufbahnen, die Märkte, die goldenen Engel am Rockefeller Center, die Lasershows hinterlegt mit bekannten Weihnachtssongs, die Weihnachtsshows und Filme, Straßenparaden, überdekorierte Schaufenster und selbst die Rentierpullover ließen nichts offen.

Dieses Übermaß tat vor allem eins, es brachte Menschen zusammen, es brachte Freude, großes Staunen und eine gute besinnliche Zeit.

2014 verbrachte ich Weihnachten in Sydney in Australien. Damals erst weniger als drei Monate von Deutschland aufgebrochen war die Vorstellung, Weihnachten im Sommer zu feiern reizvoll für mich, wenngleich es sich auch komisch anfühlte. Ich erinnere mich an Filmnächte im Park, Musikshows am Hafen, Weihnachtsbäume aus Legosteinen, aufgeblasene Weihnachtsfiguren auf Skier in den Vorgärten und das Yachtrennen am Boxing Day, dem 26.12.

Aussies zelebrieren Weihnachten. Was ist also mit den Kiwis schief gelaufen?

Schneemann am Strand

IM SOMMER WEIHNACHTEN FEIERN – GEWÖHNUNGSSACHE?

Ich mag Kontraste. Und ich mag mich auch gern mal von gewohnten Ritualen verabschieden und mich für neue Bräuche öffnen. Nach der Kiwierfahrung muss ich dennoch sagen, dass für mich Weihnachten und Sommer einfach nicht zusammen passen.
Ich bin nicht alleine. Mit ausgewanderten Europäern unterhielt ich mich. Alle bestätigten, dass sie selbst nach zehn oder 15 Jahren im Land im Dezember nur schwer in Weihnachtsstimmung kommen würden.

Weihnachten am Strand oder im Hochsommer in Weihnachtsstimmung kommen – was sind deine Erfahrungen?

 

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