Ein herzliches Bula Bula aus Fidschi

„Was soll ich denn auf direktem Wege von Neuseeland zurück nach Deutschland fliegen, wenn die Südsee quasi neben mir liegt?“, dachte ich mir und klickte auf „buchen“.

Fidschi schien mir immer so weit weg, erreichbar nur mit ein paar dicken Scheinen und komplexen Flugkombinationen. Von Auckland allerdings dauert der Überflug in die Südsee nur drei Stunden. Nicht einmal die Zeit musste ich umstellen.

Die Erwartungen waren natürlich hoch. Man hat die perfekt roten Sonnenuntergänge vor sich, die Fototapete mit den schiefen Palmen, die durch menschenleeren Pudersand in den Himmel ragen und die Werbefotos mit braun gebrannten Urlaubern, die ihre Kokosnuss in der Hängematte ausschlürfen.

Kurzes Fazit am Anfang: Fidschi ist überbewertet. Für menschenleere Strände muss man die Hauptinsel verlassen. Backpackerstruktur ist vorhanden, nimmt auf dem Yasawa Archipel allerdings überhand, wo die jungen Rucksackreisenden abgezockt werden und einen gar nicht so günstigen Preis für eine Nacht auf einer Partyinsel bezahlen müssen. Die authentische fidschianische Küche muss man suchen, ansonsten sich mit Fish and Chips zufrieden geben. Man muss nervlich verkraften können, die fröhliche und gut gemeinte Begrüßung BULA BULA an jeder Straßenecke und hinter jeder Kokospalme zu hören.

Fidschi mit der Stadt Nadi ist das Tor zur Südsee gleichwohl für Flitterwöchler und Rucksackreisende. Ob auf einer Weltumrundung Polynesien nicht fehlen sollte, man beliebte Drehorte als Südseekulisse besuchen möchte oder so weit wie möglich von der Arbeit am anderen Ende der Welt abhängen will – für einen Grund in die Südsee zu reisen, muss man nicht lang überlegen.

Kultur Robinson Crusoe Island

VON STADTSTRÄNDEN UND SÜßEN INSELN

Fidschi besteht aus über 300 Inseln. Wie in den meisten Ländern der Südsee, repräsentiert die Hauptinsel in Kultur und Schönheit nicht den Rest des Landes. So ist auch auf Fidschi die Kerninsel Viti Levu nicht nur mit Touristen überrannt, sondern die Strände leider verschmutzt, viel zu überlaufen oder durch hochgezogene Hotels weniger idyllisch.

Dafür kann man aus zehn oder 15 kleinen Inseln wählen, die sich vor Nadi an der Ostküste locker als Tagesausflug lohnen und preislich erschwinglich sind. Ich entschied mich für den süße Sandhaufen South Sea Island und die mysteriöse Robinson Crusoe Island im Süden. Für diese Tagestrips bezahlt man einen Paketpreis und kann, sobald das Boot auf der Insel anlegt, in die Badesachen hüpfen und darin den ganzen Tag verweilen. Man benötigt weder Bargeld noch muss man sich um irgendetwas kümmern.

Auf den Inseln kann man Schnorcheln, Kayaken oder einmal herum schwimmen. Wem das zu stressig ist, kann in der Hängematte pausieren oder sich den Rücken durchkneten lassen. Eine open bar mit kühlem Fiji Bitter, ein Mittagsbuffet mit tänzerischem Programm und einer traditionellen Kava-Zeremonie ist meist inklusive.

Wer sich die Beine vertreten muss, kann Ausschau nach Kokosnüssen halten. Meist findet man irgendjemanden, der die Nuss öffnen und das Kokosfleisch lösen kann. Was braucht man mehr?

South Sea Island

Kultur Tanz

 

SONNTAG WIRD (AUS-) GERUHT

Am Strand zu dösen und sich ab und an im türkisen Nass abzukühlen, tut der Seele und dem meist überanstrengtem Kopf gut. Wichtig finde ich aber auch, Kulturtage einzulegen um Land und Leute kennenzulernen. Schließlich ist Fidschi mehr als nur Bula Bula. Eine Inselgruppe entwickelt sich ja immer abgesondert unter weniger Einflüssen von außen, nicht so wie das auf dem Festland der Fall ist.

Sonntags ist zum Beispiel Ruhetag und komplett der Familie und Religion gewidmet. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und bis auf einen Dealer wurde ich nicht angesprochen. Ich hatte gehört, dass auf Kirchzeremonien auf Fidschi ordentlich Stimmung und Geträller herrschte. So hatte ich für den Sonntag gleich eine Beschäftigung. Viele Männer tragen in der Kirche lange Röcke und grüne oder kräftig blaue Blumenhemden. Die Frauen schienen sehr gepflegt, mit einer Blume hinterm Ohr was bei dunklem langem Haar natürlich toll zur Geltung kommt.

Neben der Kirche befand sich eine Grundschule. Ich schaute durch die offenen Fensterlamellen in die Klassenräume. Auf der Tafel standen Fragen geschrieben. Wahrscheinlich für einen Test. Von der Decke hingen aufgereihte gemalte Bilder. Englisch ist offizielle Sprache auf Fidschi und wird ab dem Kindergarten gelehrt.

Grundschule Nadi

 

MARKTTREIBEN OHNE MARKTGESCHREI UND FEILSCHEN

Ich kann mich nicht erinnern, ob ich schon einmal auf einem Gemüsemarkt so sehr in Ruhe gelassen wurde, wie auf Fidschi. Das Markttreiben geht geräuschlos und friedvoller als in den meisten tropischen oder südostasiatischen Ländern zu. Es wird weder verbal lautstark geworben noch kann gefeilscht werden.

Preise sind ausgeschrieben und festgesetzt und beziehen sich auf sogenannte heaps. Gurken oder Tomaten werden also in Bündeln oder zusammengepackt in Beutel verkauft. Drei einzelne Bananen oder eine Papaya gibt’s nicht. Toll fand ich die geschälten Babyananas to go für umgerechnet 40cent. Mit dem Strunk als Stiel aß ich sie bequem während des Marktschlenderns.

Markt Lautoka

 

RUSTIKALER BUS MIT HIGHTECH

Papierfahrkarten waren gestern. So rostig und klapprig die Busse auf Fidschi sind, hätte ich nie daran geglaubt, mir eine Guthabenkarte kaufen zu müssen und die sogar beim Einsteigen an einen Scanner zu halten um den Fahrpreis zu verrechnen.

Purer Gegensatz ist dagegen, wie man den Haltewunsch signalisiert. Es wird an einer Schnur gezogen, die alle Sitzreihen verbindet und deren Enden oberhalb vom Ohr des Busfahrers offenbar an einer Fahrradklingel angeknotet sind. Funktioniert auch, nur eben ohne Technologie.

Dass der Busfahrer eben mal über den Strand abkürzt, da gerade Ebbe war, stand sicher nicht auf dem Fahrplan. Interessant sind die Busfahrten in außereuropäischen Ländern ja allemal.

Busfahren auf Fidschi

 

LEBEN IN DER DORFGEMEINSCHAFT

Ein Besuch im Viseisei Village stand bevor. Eine nette Bewohnerin meines Alters führte mich durch ihr Dorf. Tausend Menschen leben hier zusammen und 7-12 Familienmitglieder teilen sich ein Haus.

Das Dorf ist eine Gemeinschaft, in der sich gegenseitig unterstützt wird. Stämme innerhalb des Dorfes sind nach Interessen und Aufgaben aufgeteilt. Es gibt z.B. Angel-, Fußball- oder Handwerkergruppen. Nach dem Tode werden nur die Männer nach Stammzugehörigkeit getrennt begraben. Die Rolle der Frau ist in den Dörfern viel traditioneller geprägt. Heirat zwischen verschiedenen Dörfern ist erlaubt, doch zieht die Frau nach der Hochzeit in das Dorf des Mannes.

Jedes Dorf hat seinen eigenen Chief. Er wird geachtet und respektiert. Die Dorfbewohner dürfen weder Haus noch Garten des Oberhauptes betreten. Es gibt strenge Regeln.

Dorf Viseisei

 

LEBEN IN DER STADT

In den Städten gibt es Chancen und Arbeitsplätze, doch ist es kaum machbar, dort mit dem wenigen Geld aus dem Dorf zu überleben. Auch kann man in der Stadt nicht auf gegenseitige Hilfe wie auf dem Land vertrauen.

In den Städten nervte mich, dass mich ständig auf Provision arbeitende Fidschianer stalkten, in einen Smalltalk verwickelten und in Reisebüros lockten.

Wie ich auf der Busfahrt schon bemerkte, trifft Moderne auf Tradition. Einheimische flechten in der einen Minute ein Haarband aus Palmenblättern, in der nächsten Minute wischen sie am Smartphone. Der Applestore in der Stadt bietet seine Tablets hinter verrosteten Gitterschaufenstern an. Und über einer Telefonzelle, in der die offenen Kabel heraushängen, zeigt ein Schild free Wifi an.

Nadi

 

EIN HAUCH ABER NUR EIN HAUCH VOM PARADIES

Fidschi ist Verkehrsknotenpunkt der Südsee. Es gibt direkte Flüge nach Tonga oder Samoa. Auf Fidschi kann man die Seele baumeln lassen und sein persönliches Stückchen Paradies finden, doch sollte man nicht zu viel erwarten.

Ich fand manche Sachen etwas umständlich. Beispielsweise ist es nicht üblich, Scooter auszuleihen und damit die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Auch habe ich kleine Imbissbuden auf der Straßen vermisst. Die heimische Küche, wie sie traditionell im unterirdischen Erdofen zubereitet wird, könnte doch auch auf Märkten angeboten werden?

Sonnenuntergang Fidschi

Ist man gerade in Australien oder Neuseeland, hat etwas Zeit und ein paar extra Dollar im Gepäck, sollte man auf jeden Fall eine Woche, besser zwei Wochen auf Fidschi fliegen und hier auch nicht nur auf der Hauptinsel verweilen. Je nachdem, welche Inselgruppen man bereist, wie viel Zeit man aktiv Land und Leuten schenkt und was man sich von einem Südseeurlaub wünscht, trifft man auf ganz unterschiedliche Erfahrungen.

Zum Weiterlesen:

  • Samoa – wenn der Tag mit Morgenschwimmen beginnt
  • Reunion – eine französische exotische Insel im Indischen Ozean
  • Mauritius – ohne Worte, einfach traumhaft schön

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