Jerusalem

Der lebensbejahende Lifestyle Israels

Anfang dieses Jahres war ich auf der Suche nach der perfekten Destination für meinen 30.

Ich hatte Lust auf Großstadt, aber nicht zu laut und hektisch. Kult und nicht allgegenwärtig. Bestenfalls am Meer. Ich sehnte mich nach Strandsonnenuntergängen. Etwas exotisches, aber nicht auf der anderen Seite der Erdkugel.

Irgendwo im Web wurde Tel Aviv als die kleine Schwester von New York bezeichnet. Dieser Vergleich ließ mich nicht mehr los. Als selbst benannte New Yorkerin auf Zeit begannen meine Augen zu funkeln.

Ich stellte mir also einen lebhaften, kosmopolitischen Ort im Nahen Osten vor: Eine Stadt wie NYC mit all den schrillen Kuriositäten, dem breiten Kulturangebot, den verrückten Kleidungsstilen, der anonymen Art, der unbegründeten Eile, den spiegelnden Bürogebäuden wie auch der bemerkenswerten Coolness der Bürger.

Ein Ort, an dem alles aber auch nichts akzeptabel zu sein scheint.

Was New York fehlt, sollte der Bonus für Tel Aviv sein: die Strandpromenade. Ich überzeugte mich. Tel Aviv, ich komme!

Tel Aviv
Tel Aviv Strand

BEREITS DER FLUG IST UNGEWÖHNLICH

Meine Reise in eine neue Kultur beginnt bereits mit dem Hinflug. Sobald die Anschnallzeichen erloschen, begann die Gartenparty. Israelis schnattern und schließen neue Bekanntschaften. Sie stehen auf, nicht um sich die Beine zu vertreten, sondern um zu sehen, was der Herr drei Reihen vor ihm zum aktuellen Thema meint. Interessante Mentalität.

Die Party schließt mit dem heiteren Klatschen bei der Landung, die wie geplant vollstatten ging, ab. Anstatt mit den Augen zu rollen, vergnügte ich mich über die ausgelassene Art der Israelis, sich über die kleinen Momente zu freuen.

Wenig später lernte ich eine weitere Facette der extravertierten Israelis kennen. Robust, ungeduldig und laut. Es wird gern geschubst und sich vorgedrängt. Bei der Oma oder der Frau, die nur mal eben Geld tauschen wollte, war ich noch entspannt. Für die nächsten Tage änderte ich meine Haltung auf die eines Nachtclub-Security wenn ich Schlange stand um unaufgeforderte Drängler abzufedern.

Noch immer nicht in meiner Unterkunft angekommen, beschäftige ich mich damit, aus den geschwungenen Hieroglyphen einen Hauch einer Ahnung zu entdecken, in welchen Bus ich denn nun steigen muss. Auch wenn nicht alle Schilder oder Anzeigetafeln übersetzt sind, bin ich dankbar darüber, dass sehr gutes Englisch durchgehend gesprochen wird.

TEL AVIV TAG UND NACHT

Irgendwo las ich den Spruch, dass man sich später nicht an die Nächte erinnern wird, in denen man besonders viel Schlaf bekam. Unbewusst wird der Spruch zum Leitsatz meines Tel Aviv Trips.

Kurz gesagt vermittelt Tel Aviv Lebensfreude pur. Die Menschen genießen jeden Lebensmoment. Tagsüber wirkt die Stadt lebendig, quirlig und aufgeweckt. Nachts aber auch.

Ich habe gemerkt, dass es oft lohnenswert ist, schon ein bis zwei Stunden vor jedem anderen meine Sightseeingtour zu beginnen. Ich bin dann live dabei, wenn die Stadt sich die Spuren der Nacht aus dem Gesicht wischt und ein neues frischen Lächeln aufsetzt.

In Jaffa, dem ältesten Teil von Tel Aviv, ließen die Händler gerade ihre Tore hoch, kehrten die Straßen und fingen an, ihre Ware zu präsentieren. Der Regen der zeitigen Morgenstunden tropft noch von den Dachplanen und Katzen schlummern in Ruhe auf den Tischen der noch geschlossenen Restaurants.

Jaffa Tel Aviv
Jaffa Tel Aviv

Erst gegen 11 füllt sich die Stadt. Elektroroller sind derzeit das coolste Fortbewegungsmittel durch die Innenstadt Tel Avivs.

Die 14 km lange Strandpromenade ist beliebt bei Joggern, Bikern und einem Opi mit weißem Bart, der mit lauter Mucke auf einem bunten Elektro-Fahrrad den Boulevard auf- und abflitzt.

Strandpromenade Tel Aviv

Bisher habe ich nicht das Gefühl, ich sei im Nahen Osten.

Erst mit Eintritt in den Carmel Market tauche ich in die orientalische Marktatmosphäre. Gleichwohl bedienen sich Touristen als auch Einheimische am bunten Angebot von frisch gepresstem Granatapfelsaft, Oliven, Gewürzen, Kräutern, dem beliebten Baklava-Gebäck aus Blätterteig oder an der süße zähen Sesammasse Halva.

Nur schwer kommt man um eine warme Pitabrottasche mit Falafel herum. Nichts scheint ohne Hummus gegessen werden zu können. Völlig in Ordnung für mich. Das vielfältige Hummusangebot im Supermarkt gleicht dem der deutschen Käsetheke. Aber auch Pilze, Auberginen, rote Beete, Bulgur oder orientalische Tapas und frittierter Blumenkohl gehören zur israelischen Küche.

Carmel Market
Carmel Markt Tel Aviv

Ich fotografiere eine auf einer Motorhaube schlafende Katze. Von der anderen Straßenseite kommt ein aufgewühlter Israeli angerannt, entschuldigt sich auf Hebräisch bei mir und fährt davon. Dass ich ihn zunächst nicht verstand, brach leider den Charme der Situation. Er nahm an ich sei eine Politesse und er wollte sein Knöllchen wegdiskutieren.

Den Anschein, als Israeli durchzugehen, gab es übrigens nur dieses einzige Mal.

Sonnenuntergang Tel Aviv

TEL AVIV MIT GEGENSÄTZEN

Religiöse Stätten stehen einem weltoffenen toleranten Lebensstil gegenüber. Tradition trifft Trendsetter. Historische Bauten, Finanzviertel, Strandbars und Start-Ups sind alle an einem Ort vereint.

Das offene blaue Mittelmeer auf der einen, unfreundliche Gassen auf der anderen Seite. Hinter der modernen Skyline der Beachcity verbergen sich Kunstgalerien, Flohmärkte und Schmuckboutiquen.

Die im Bauhausstil errichteten Gebäude der Weiße Stadt in Tel Aiv gehören zum UNESCO Weltkulturerbe, während die Millennials ihren kreativen Sprit mit Graffiti Streetart in den Seitengassen zum Ausdruck bringen.

Tel Aviv bietet einen eigenen Strandabschnitt für orthodoxe Juden, ebenso wie für die LGBT-Szene.

Die Innenstadt wirkt jung und pulsierend, während man am alten Jaffa Port die friedlichsten Fischer trifft, die der Zeit hinterher zu hinken scheinen.

Nicht zuletzt muss sich die vegane Küche aus Falafel, Kichererbsenbrei und Auberginen vor den Fastfoodketten verteidigen.

Tel Aviv
Jaffa Tel Aviv

JERUSALEM UND SEIN SPIRITUELLES ZENTRUM

Vor ein paar Stunden gerade mal die Tanzfläche in Tel Aviv verlassen, trete ich nun durch das Damaskustor ein in das Herzstück Jerusalems. Es offenbart sich eine Altstadt, wie ich sie nur schwer beschreiben kann.

In der Luft liegt Heiligtum und historische Fülle.

Verwinkelte Gassen verbinden die alten Bauten und heiligen Stätten. Sie erzählen die Geschichte dreier Weltreligionen. Die Klagemauer und den Tempelberg mit der Al-Aqsa-Moschee kennt man vielleicht vom Hörensagen.

Jerusalem Klagemauer
Jerusalem

Das spirituelle Zentrum der Altstadt wird von der Stadtmauer abgegrenzt, auf die man sogar hinauf kann. Absolutes Highlight für mich, da es Blicke zwischen den Gassen, auf Händler, Dächer und über den Zion Berg erlaubt.

Jerusalem
Jerusalem

Mit 3.000 Jahren Historie ist Jerusalem heute ein großes Freilichtmuseum. Die Altstadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Besucher entsenden Gebete, geben Wünsche auf, halten inne und sprechen Dankbarkeit aus.

Auch hier ist Moderne trotz religiöser Symbolkraft erkennbar: Eine junge verschleierte Muslimin kommt mit ihrem Smartphone zu mir gerannt, um ein Selfie zu machen.

Jerusalem
Jerusalem

EXOTIK HÄLT AN

Dass Israel ein außergewöhnliches Land ist, zeigt sich mir bis zum Flughafen. Reisen und Einkaufen geht für Israelis offenbar Hand in Hand.

Dafür gibt es am Flughafen in Tel Aviv einen besonderen Service. Der sieht so aus: Man shoppt duty free, bezahlt, fährt dann in den Urlaub und holt den Einkauf ab, wenn man wieder zurückkehrt. Dieser Service ermöglicht es, auch Fernseher und Waschmaschinen am Flughafen zu kaufen. Ist das nun praktisch oder beängstigend?

Zum Abschluss sage ich ganz sicher: Tel Aviv ist ein Lebensgefühl.

Drei Tage dieser reichen Kultur und den temperamentvollen, lebensbejahenden Bewohnern zu schenken haben sich gelohnt.

TeLOVEiv
Tel Aviv Sonnenuntergang

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