Mercat de la Boqueria Barcelona

Barcelona – cool und trendy oder sogar bereits hipster?

Während ich die letzten Jahre irgendwo in der weiten Welt umhergegeistert bin um die maximalen kulturellen und landschaftlichen Unterschiede zu suchen, vergaß ich, wie vielfältig Europa ist.

Von meinem neuen Wohnort in Prag aus bin ich in einer Stunde mit den Öffentlichen am Flughafen. Dort steht mir nahezu jede europäische Destination von Amsterdam bis Zürich offen.

Für jemanden ohne Sitzefleisch ist das natürlich verführerisch. Dennoch auch gewollt. So war es natürlich kein Zufall, dass ich Prag als zentralen (Ausgangs-)Punkt für meinen neuen Wohnort gewählt habe.

Amsterdam steht noch auf meiner Liste. Ich mache weiter mit B wie Barcelona.

Barceloneta Wasserfront Nacht

La Rambla Barcelona

EINE STADT MIT SOVIEL BUNTEM CHARME

Lang war ich nicht mehr in einer Stadt, die mich mit so vielen unterschiedlichen Facetten und Reizen begeistert.

Wenn ich normalerweise im schnellen Fußmarsch unterwegs bin, funktioniert das in Barcelona nicht. Es sind die Einzelheiten im Stadtbild, die man erst bei näherem Hinschauen erkennt. In einer engen lebhaften Gasse bleibe ich stehen und halte mit meiner Kamera um den Hals als typischer glühender Touri den Einkaufsverkehr am Samstagmorgen auf.

Vor allem haben es mir eben diese kleinen bezaubernden Gässchen angetan. Auf den 1-Quadratmeterbalkonen trocknen Bettlaken. Efeuranken klettern die Hauswand hinauf. Nachbarn unterhalten sich vor dem Eingang des Tante Emma Ladens. Ältere Frauen versammeln sich an einer Ecke und schwätzen mit ihrem Korb voller Gemüse im Arm. Ab und zu kommen Roller vorbeigefahren, hupen und schlängeln sich durch die Menschenmenge.

Die Stadt wirkt lebendig und kurzweilig. Auch spät am Abend sind die Marktplätze und Bodegas gefüllt. Denn erst nach 21 Uhr sucht der Spanier ein Lokal zum Abendessen auf. Das öffentliche Verkehrsnetz ist top. Barcelona bietet auch viele sehr gut bewertete und preislich erschwingliche Unterkünfte, die liebevoll und einzigartig hergerichtet sind.

Barcelona Markttreiben

Barceloneta

TAPAS, PAELLA & SERRANO

Verführerisch ist nicht nur das Stadtbild, sondern auch die süßen und herzhaften Bissen.

Kulinarik hatte für mich auf Reisen bisher nicht den größten Stellenwert. In Barcelona entdecke ich eine ganz neue Seite an mir. Ich setze mich nach dem Frühstück direkt in eines der gemütlichen Cafés und bestelle noch einen Latte. Von dort aus lasse ich mich direkt ins nächste Kissenmeer eines liebevoll eingerichteten Straßenbistros nieder.

Peoplewatching ist schließlich auch eine Art der Stadterkundung. Die zweite Tageshälfte mit einem Glas Cava oder Aperol Spritz zu starten ist populär und wichtig, um wie die Spanier zu entschleunigen und zu genießen.

Der Marcat de Boqueria ist zurecht touristischer Anzugspunkt ganz unter dem Motto “Das Auge isst mit”. Frische Obstsäfte sind farblich sortiert aufgereiht. Kokosnüsse werden in mundgerecht geschnittene Stückchen verkauft. Und Obst gibt es im To Go Becher. Serrano Schinken wird vor deinem Auge in hauchdünne Scheibchen geschnitten und in einer spitz gerollten Papiertüte serviert. Die Füllungen von Teigtaschen mit einer Kombination aus süßen Cranberries und herzhaften Schinken oder Käse treffen genau auf meinen Geschmacksnerv. Eyecatcher sind auch die Fischtheken, mächtige Paellareispfannen, warme Süßkartoffelecken und homemade Burger.

Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt.

Mercat de la Boqueria Barcelona

Paella Reis Spanien

 

WAS FÜR EIN GAUDI

Gaudis architektonische Werke ziehen sich durch ganz Barcelona. Nach ein paar Stunden Sightseeing weiß man seinen Stil: geschwungene Linien, runde Formen aber vor allem bunt und unsymmetrisch.

Neben Gebäuden entlang der La Rambla Street bekommt man im Park Güell einen Einblick in seine Arbeit. Leider wird der Park zur Zeit umgebaut und das obligatorische Instagramfoto auf den Plaça de la Natura bleibt für mich leider aus.

Darüber hinaus bietet der Park weite Blicke über Barcelona, Bänke zum Ausruhen und Musiker, die mit Harmonika die Schwingungen der Architektur wiedergeben.

Güell Gaudi Park Barcelona

 

EIN TAG AUF MENORCA

Aus der Befürchtung, ich könnte mich fünf Tage lang in Barcelona langweilen, plante ich ein Getaway. Für 24 Stunden flog ich auf die kleine idyllische Insel Menorca. Die Flugzeit beträgt unter einer Stunde.

Im November haben nur noch wenige Hotels geöffnet. Die meisten Restaurants und Läden machen bereits Winterpause. Tagsüber herrschte zwar T-Shirt-Wetter, aber sobald die Sonne untergeht, braucht man eine dicke Jacke, Tuch und Socken.

Das Badewetter war längst vorbei. So auch die Hauptsaisonpreise. Für mein Hotelapartment zahlte ich ein Viertel des Preises der Hochsaison. Auch bei meinem Mietwagen fragte ich mich, ob sich das überhaupt rechnet? Der Kompromiss liegt leider darin, Menorca im November nicht im vollen Spektrum von seinen Buchten und Stränden und kurzen warmen Nächten zu erfahren.

Menorca El Toro Berg

Arenal den Castell Menorca

Die Insel ist übersichtlich genug, um vom Flughafen im Süden in einer halben Stunde an die Nordküste zu fahren. Dort liegt Castella. Mein Highlight. Klein und süß, aber attraktiv genug um locker einen halben Tag durch die Gässchen zu schlendern und in keiner Gasse zweimal durchzulaufen.

Von der Hauptstadt Mahon war ich leider enttäuscht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Meer nicht türkis von der Sonne bestrahlen wird, keine Sommerhits ertönen und keine Touris in Kleidchen mit Flipflops auf der Hafenpromenade schlendern.

Wenn man sonst ein paar Kameraklicks benötigt, um möglichst keinen vorbeilaufenden Passanten vor der Linse zu haben, fotografiere ich in Menorcas Städtchen menschenleere Straßen. Schaue ich mir nachträglich meine Bilder an, wirken sie sehr müde und stumpf. Ein Hund, ein Ladenständer oder Radfahrer hätten dem Foto mehr Lebendigkeit zugesprochen.

Auf der anderen Seite war es genauso, wie es auf meinen Bildern ausschaut – menschenleer.

Jeder darf für sich entscheiden, ob das Einsamkeit ist oder Freiheit.

Ciutadella Spanien

Ciutadella Menorca

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