Schlafen im Zug in Afrika

Wo bin ich denn hier gelandet?

Es ist der Teil am Reisen, den ich besonders mag: In eine neue Unterkunft einzuchecken.

Für diesen Beitrag habe ich 21 Unterkünfte aus knapp vier Jahren gesammelt, die mehr als nur Platz zum Schlafen ware.

Von einer Nacht hinter Gittern, im Outback-Pub und im wüsten Hostel.
Von einer Nacht in einer Höhle, unter freiem Himmel und im Campervan.
Von einer Nacht in einer Hippie Gemeinschaft, im Reggae Flaire und im Surf Spirit.

 

MYSTERIÖSES VERSCHWINDEN

Storms River – Südafrika – 2017

Wie konnte ich nur hier gelandet sein? Eine Sturmwarnung sperrte mich zwei nicht enden wollende Nächte in diesem verwahrlosten Hostel ein. Es war rustikal und bot viel Potential für ein kreatives Interieur, was leider ungenutzt blieb.

Einige Dinge waren doch sehr eigenartig: Begrüßt morgens um 10 wurde ich mit einer Schnapspistole. Reisende hinterließen belanglose Nachrichten an den Wänden. Es gab Dreierstockbetten. Ein Pferd graste im Garten. Und ein Schaf wohnte im Hostel. Die Wolle fing mehrmals am Abend am Lagerfeuer Funken.

Der Eigentümer passte perfekt zum Hostel: Nicht ganz astrein.

Er setzte sich am Abend mit Gewehr aufs Dach, weil er so ein Bauchgefühl hatte. Am nächsten Morgen war er verschwunden und wurde mysteriöserweise von einem anderen Reisenden eine Woche später im 500km entfernten Kapstadt wiedergetroffen. Gruselig.

Es mag vielleicht sehr amüsant klingen, doch hatte ich hier nicht nur Bedenken um mein Hab und Gut, sondern tatsächlich um mein Leben.

Suedafrika Unterkunft

EINE NACHT HINTER GITTERN

Whangarei – Neuseeland – 2018

Was für eine Nacht auf der Pritsche. Meine Zellnachbarin und ich sind uns am nächsten Morgen einig: Erstaunlicherweise eine der bequemsten Matratzen.

Das Gefängnis aus den 60igern wird heute als Hostel mit Zweibettzellen genutzt. Stahltüren mit Guckloch, Kloschüsseln aus Edelstahl, mit Gitterwänden abgetrennte Gänge und an Türen eingeritzte Zeichen sind original erhalten.

Hinter Gittern im Hostel

DER PUB IM OUTBACK

Daly Waters – Australien – 2015

Einer der abgelegensten Pubs im australischen Outback liegt im Daly Waters. Er ist einzige aber beliebte Möglichkeit auf halber Strecke durch die Wüste zwischen Alice Springs und Darwin Rast zu machen. Der Pub bot einfache Schlafmöglichkeiten und war, wie man sich einen Pub im Outback vorstellt: Mit allerhand Klimbim, Geldscheinen und Autokennzeichen geschmückt und liebevollem Biergarten war er Mittelpunkt des Geschehens im 9-Einwohner Dorf.

Pub im australischen Outback

Pub im australischen Outback

 

DER ZUG, DER NIEMALS ABFÄHRT

Mossel Bay – Südafrika – 2017

Für wenig Geld hatte ich die ultimative Gelegenheit in einem Zugabteil zu übernachten ohne den Ort zu verlassen. Fünf oder sechs beständig auf Gleisen unweit der Wasserfront geparkte Wagen dienen als Hotel. Frühstück wird im Speiseabteil serviert und auch die Waschräume sind eng und klein – eben original wie im Zug.

Zug in Mossel Bay

Schlafen im Zug in Afrika

 

EINE WEITERE NACHT IM ZUG

Chiang Mai – Thailand – 2015

Am Nachmittag stieg ich in den quietschenden alten Nachtzug, der mich vom Norden Thailands in die 700km entfernte Hauptstadt bringen sollte. In der achten oder neunten Stunde klappte das Zugpersonal die Sitze in Betten um. Die unteren Pritschen boten mehr Platz, die Hochbetten waren schmäler.

Vom Alter und Nationalität war es eine bunte Mischung in meinem Abteil. Ich fand es sehr aufregend. Trotz Unterbrechungen und der Befürchtung aus dem Hochbett zu fallen, schlief ich im Allgemeinen gut, bis wir in den zeitigen Morgenstunden weniger zärtlich geweckt wurden.

Chiang Mai Thailand

 

IST DA NOCH JEMAND?

Tuatapere – Neuseeland – 2018

Dieser Holiday Park hat seine boomenden Jahre hinter sich. Die Bahnlinie wurde stillgelegt und damit das Örtchen abgeschottet. Das Motel ist eines wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Mit breiten Gängen, offener Küche und hallenden Waschräumen erstreckt es sich über zwei Stockwerke. Der Rezeptionist war gleichzeitig Verkäufer im angrenzenden Spirituosenladen. Zunächst machte ich eine Runde durch die Räumlichkeiten. Alles scheint sehr verlassen und es herrscht Totenstille. Der Käse im Kühlschrank scheint schon eine Weile vor sich her zu schimmeln.

Mit untergehender Sonne begann meine Phantasie zu spinnen. Kein anderes Auto parkte vor diesem Motel. Ich traf niemanden an, hörte weder Stimmen noch Türen. Aber doch muss jemand hier sein. Die Toilettenpapierrolle war vorher noch nicht leer. Mein Fenster schloss nicht komplett. Die Heizung gab ratternde Geräusche ab.

Und bleibt die Eingangstür über Nacht eigentlich offen? Gott, schlief ich unruhig.

Gruseliges Hostel in Neuseeland

 

HIPPIE UND WILD SPIRIT

The Crags – Südafrika – 2017

Dieses Hostel war eine Gemeinschaft von jungen Hippies im afrikanischen Busch. Viele lebten hier schon seit Monaten und haben offensichtlich Gefallen an dem alternativen Lifestyle weg von der Zivilisation gefunden.

Die Unterkunft hatte Stil und die Umgebung einfach traumhaft: Es gab einige schöne Wanderungen durch den privaten Wald. Gefrühstückt wurde auf der Terrasse im Grünen. Das Huhn konnte direkt vom Stall in den Topf hüpfen. Kein Spaß! Traumfänger hingen von den Ästen, ein Baumhaus stand im Garten und die Feuerstellen waren mit Liebe hergerichtet.

Hippie Gemeinschaft in Suedafrika

Hippie Gemeinschaft entlang der Garden Route Afrika

Hippie Gemeinschaft entlang der Garden Route

 

SURF SURF SURF

Yamba – Australien – 2014

Die Leute sagen, Surfen ist kein Hobby, sondern ein Lebensstil. Und in diesem Lebensstil entstand dieses Hostel an der australischen Ostküste. Ich bin froh, mich in das kleine Fischerdörfchen Yamba verirrt zu haben.

Der Eigentümer nahm die Backpacker mit zum Surfen oder bot seine eigene persönliche Shane’s Tour zu Schlangenhöhlen und natürlichen Wasserpools an. Am Golfkurs gegenüber konnte man bei Dämmerung sogar Kängurus sehen.

Surferhostel in Australien

 

VON DER PASSKONTROLLE ZUR UNTERKUNFT 500 METER AM STRAND ENTLANG

Kho Lipe – Thailand – 2015

Chillen ist die Kunst, sich beim Ausruhen nicht zu langweilen – oder so ähnlich ging es mir auf Kho Lipe. Was für eine geile Insel! Und das Hostel direkt am Strand. Straßen gibt es keine.

Von Malaysia bin ich nach Thailand auf diese kleine Insel eingereist. Ich kam also mit dem Schiff an, musste dann auf ein Boot umsteigen, was mich durch das flache türkisblaue Wasser an den Strand brachte. Die Flipflops in der einen Hand und Reisepass in der anderen wurde ich zu einer Hütte am Strand gewiesen. Dort holte ich mir meinen Einreisestempel für Thailand ab.

Weitere 500m durch den Pudersand erreichte ich meine Unterkunft. Es führte keine Straße zum Hostel, sondern war eben nur vom Strand aus erreichbar. Kho Lipe war für mich das Paradies.

Fahrt nach Kho Lipe Thailand

Hostel auf Kho Lipe Thailand

 

WIE BEI FLODDERS UNTERM SOFA

Coffs Harbour – Australien – 2014

Irgendwann nach Mitternacht kam ich im Hostel an, versuchte still und leise niemanden zu wecken, stolperte aber über den Papierkorb, verhing mich mit dem Fuß in einer Hose, schleifte einen Flipflop hinter mir her und rammt mir die Tür vom Schließfach ins Kreuz.

Willkommen bei den Flodders!

Am Morgen drauf sah weder das Zimmer noch die Zimmergenossen besser aus: Der eine sägt durch die Nase, der andere schläft mit einbeiniger Jeans und der andere hockt mit offenen Augen im Bett. Wie lange schaut der mich eigentlich schon an? Wäre das mein erstes Hostel überhaupt gewesen, ich hätte nie wieder eins gebucht.

Wie bei Flotters im Hostel

 

AUF DER INSEL EINER INSEL UND OHNE STROM

Maria Island – Australien – 2015

Maria Island ist eine Insel von Tasmanien, die wiederum eine Insel Australiens ist. Reisende finden vorwiegend zum Wandern hier her.

Der Rancher zeigt mir den Weg zu einem altertümlichen Gebäude. Das einzigste auf der Insel. Ohne Strom und nur mit dem Nötigsten ausgestattet reicht der Schlafplatz völlig aus. Zur Dämmerung kommen Kängurus und die fetten süßen Wallabys ganz nah.

Maria Island Unterkunft in Australien

 

ICH KANN VOM BETT AUS DIE SONNE AUFGEHEN SEHEN

Wilderness – Südafrika – 2017

Für den durchschnittlichen Preis eines Hostels bot dieses hier einen Ausblick wie in einem mehrsternigen Hotel mit direktem Meerblick. Mein Hochbett war so positioniert, dass ich nur den Kopf heben musste um die komplette Meeresbucht zu überblicken. Jackpot!

Hostel mit Blick aufs Meer

 

REGGAE, RASTA UND RAUCH

Kuta, Bali – Indonesien – 2015

Ich kam in diesem Reggae-Hostel an und hatte gemischte Gefühle. Selbst heute weiß ich nicht, ob ich es gut fand.

Mit ordentlichem Jamaika Flair, chilliger Mucke, Grün-Gelb-Rot und ständig wechselndem Hostelpersonal, das sich in seine eigene Welt gepafft hatte, war die erste Nacht in Indonesien ein kleiner Kulturschock für mich.

Raeggae in Bali

 

OHNE DACH ÜBER DEM KOPF

Uluru Nationalpark – Australien – 2015

Allein hätte ich mich nie getraut, im australischen Outback unter freiem Himmel zu übernachten. In einer Gruppe gleichgesinnter Abenteuerlustiger waren wir stark und niemand dachte mehr ernsthaft über giftige Schlangen nach. Im Outdoor-Schlafsack in der Wärme vom Restlagerfeuer unter klarer Himmelsdecke zu schlafen war eine einzigartige Erfahrung.

WIE IN OMAS STUBE

Philadelphia – USA – 2016

Über eine Veranda betrat ich die Villa und traf sofort auf die Eigentümerin. Sie malte in aller Seelenruhe ein Ölfarbenbild. Sie fragte, ob ich mich nicht probieren möchte? Naja, eigentlich wollte ich erst mal einchecken.

Das Hostel war sehr wohnlich eingerichtet. Wie ein Zuhause weg von Zuhause. Die Gemeinschaftsräume waren mit altem Ledersofa, Schaukelstuhl, Bücherregal und Glasvitrine ausgestattet. Sehr gemütlich.

Hostel Villa in USA

Gemuetliches Hostel USA

 

ICH ZIEH DEN VORHANG EINFACH ZU

Kapstadt – Südafrika – 2017

Dass es in einem 18-Bett-Zimmer gemütlich sein kann, erfuhr ich in diesem Hostel. Frisch renoviert, hell gestrichen mit großen Fenstern lag es im Stadtkern von Kapstadt. Noch vielmehr mochte ich die Pods, in denen man schläft.

Jede Schlafkammer hat seine eigene Lampe, Steckdose, Schließfach und Ablagefläche. Hier war der Innenarchitekt wohl selbst einst ein Backpacker. Den Vorhang konnte man für Privatsphäre einfach schließen.

Schafkammer in Kapstadt

 

ICH BLEIB WO ES MIR GEFÄLLT

Great Ocean Road – Australien – 2015

Das ultimative Freiheitsgefühl hatte ich auf der Great Ocean Road mit meinem Campervan. Halt zu machen, wo es mir gefiel, die Heckklappe zu öffnen und mich in die Horizontale zu begeben. Mit untergehender Sonne schlafen zu gehen und mit aufgehender aufzustehen, erinnerte mich wieder daran, wie wenig ich im Leben fürs Glücklichsein brauche.

 

VOM WINDE VERWEHT

Sesriem – Namibia – 2017

In Sesriem, einem kleinen Ort im Nirgendwo auf namibischem Boden, zauste über Nacht ein Sturm. Im Halbschlaf hatte ich Angst, dass Äste gegen das Zelt platzen würden. Mit unseren Rucksäcken in den Zeltecken versuchten meine Zeltnachbarin und ich es möglichst stabil zu machen.

Das Zelt am Morgen und wir beide – total zersaust. Was für eine schlaflose Nacht!

Nacht in Namibia

 

EINE NACHT IN DER BERGHÖHLE

Cooper Pedy – Australien – 2015

850km nördlich von Adelaide im südaustralischen Outback kommt Cooper Pedy zum Vorschein. Naja nicht wirklich, denn gewohnt wird unterirdisch. Während des Opalrausches hausten die Bewohner unter der Erde um sich vor der Hitze zu schützen.

Es gibt heute noch unterirdische Kirchen, Galerien, Shops und auch ein unterirdisches Hostel in einem sogenanten „Dug-out“. Luxus ist anders, aber hey, was für eine Outback-Erfahrung.

Hostel in einer Opalhoehle

 

ZELT 2.0

Monument Valley – USA – 2016

Leider habe ich nicht in einem dieser luxuriösen Spitzzelte übernachtet, dafür in nahegelegener Hütte. Das Gebiet um das Monument Valley ist heilige Wüste Arizonas. Wenn die Sonne untergeht, verschmelzen die Felsen in der Ferne im Horizont wie in Westernfilmen. Wow!

Wueste Arizonas

 

BIN ICH HIER IM NIRGENDS ODER WO?

Omarama – Neuseeland – 2018

Abseits vom Örtchen Omarama auf der neuseeländischen Südinsel stehen ein paar Hütten, in denen ich die Nacht verbringe. Ich koche mir in aller Ruhe eine schöne Mahlzeit und genieße Zeit für mich. Abgeschieden. Ohne Empfang. Und inmitten einer kahlen Berglandschaft.

Abseits der Zivilisation

 

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