Wanaka Neuseeland Roadtrip

6 Tage, 4 Räder, 2 Inseln, 1 Frau – Road Trip durch Neuseeland

Ist die verrückt? Da schreibt sie etwas von Slow Travel und fährt nun in sechs Tagen beide Inseln Neuseelands ab.

Ein Roadtrip, wie er meinem Reisestil so gar nicht entspricht. Ich war etwas unter Zeitdruck.

Meine Kollegen haben mir durchweg den Vogel gezeigt, diese Strecke ab Queenstown hoch, rüber mit der Fähre und weiter hoch nach Auckland in weniger als einer Woche zu bewältigen. Einer meinte „Ist das denn überhaupt möglich?“ und googelte die reine Fahrtzeit. Knapp 24 Stunden. Tatsächlich kam ich auf 35 Stunden.

 

CAR RELOCATION: AUTO FÜR UMME

Warum also gebe ich mir den Stress? Ganz einfach. Das Auto gab es für umme. Stichwort: Car Relocation. Eine besondere Form der Autovermietung, bei der Kosten für die Anmietung, Sprit, Fähre, Kost und andere Boni weitestgehend von den Vermietungsfirmen selbst getragen werden. Angeboten werden Fahrzeuge, die von einem Ort zum anderen transportiert werden müssen, für deren Relokation die Autovermietung aber ungern Personal bezahlen möchte. Stattdessen werden Campervans, Transporter oder 4WD komplett gratis oder maximal ein bis fünf Dollar am Tag angeboten.

Mein Deal: Mir gehört sechs Tage ein SUV mit unbegrenzten Kilometern, einer Tankfüllung und inklusive vierstündiger Fährüberfahrt für Fahrzeug und Fahrer. Wer hätte da Nein gesagt? Also ich nicht! Schnell reagiert, angeklickt und gebucht. Easy! In einem teuren Land wie Neuseeland und in dem die Preise über Weihnachten ihr Dreifaches erreichen, ist das ein Deal für den ich mir jetzt kurz auf die Schulter klopfen muss.

Roadtrip Westkueste Neuseeland

Rostige Bruecken Roadtrip Neuseeland

Flug nach Queenstown

 

DER ROADTRIP STARTET

Am ersten Weihnachtsfeiertag startete ich ab Queenstown, etwa in der Hälfte der Südinsel. Ich glaube, nach über drei Reisejahren bekommt man langsam ein Gefühl dafür, welche Orten man mögen wird. Ich hatte das Gefühl, dass Queenstown nicht zu diesen Orten gehört. Queenstown ist Synonym für Bungy, Skydive und Rafting. Für all das habe ich weder Zeit noch Lust. Ich möchte das echte Neuseeland sehen.

Wurde also ausgelassen.

Dass ich die Hälfte des ersten Weihnachtsfeiertage am Flughafen verbrachte, störe mich weniger. Dass in Neuseeland so gar keine Weihnachtsstimmung aufkam und ich das Fest daher ausfallen lies, habe ich im Artikel Wenn Kiwi-Weihnachten und Hochsommer zusammenfallen angerissen.

Herrlich war die Fahrt weg von Queenstown über leichte Serpentinen hoch nach Wanaka. Wohnmobile machen am Seeufer eine Rast. Schneebedeckte Bergketten spiegeln sich in glasklarem Wasser. Die Luft ist rein. Niemand ist hektisch. Niemand ist grimmig. Hier fängt wohl das Neuseeland an, was ich so lange gesucht habe.

Lake Matheson Neuseeland

Fox Gletscher Westkueste Neuseeland

Alleine reisen als Frau

Weiter geht es entlang der Westküste durch wechselnde Vegetation. Vorbei an Gletschern, über rostige Brücken und durch verlassene Orte. Seehunde wälzen sich auf Felsen. Das Handy empfängt kein Signal. Es gibt herrlich ruhige Rastplätze und Fotomöglichkeiten entlang der Küste. Die Fahrt an sich ist die Reise. Eigentlich möchte ich gar nicht an meiner Unterkunft ankommen, sondern immer weiter fahren und alles um mich herum einatmen.

Die Nordküste der Südinsel ist ziemlich ausgefranzt. Und ich liebe es. Der Abel Tasman Nationalpark und auch die Marlborough Sounds bestehen aus vielen in sich greifenden Halbinseln. Die sind beliebt für Kitesurfer, Camper, Kayaker und Sonnenanbeter. Vielleicht gerade einmal 50m lang ist der goldene körnige und menschenleere Strand, an dem ich meinen Mittagsschlaf halte.

Die Straße biegt und schlängelt sich und erlaubt immer mal Blicke aufs Meer. Hier ist deutlich mehr los. Die Orte sind größer und dichter beieinander. Ich genieße die pulsierenden Einkaufspassagen von Nelson. Dort entdeckte ich einen deutschen Bäcker. Das Körnerbrot wurde sofort gegessen. Trocken und im Ganzen.

Und mein Tag war perfekt.

Roadtrip Kueste

Abel Tasman National Park Neuseeland

Sonnenaufgang Suedinsel Neuseeland

 

FÄHRÜBERFAHRT AUF DIE NORDINSEL

Halb 4 klingelt der Wecker und ich schleppe mich in meinem Siebensitzer auf die erste Fähre am Morgen. Es geht von Picton auf die Nordinsel nach Wellington. Noch kann ich nicht dösen, denn die Sonne geht auf und leuchtet den Weg durch die Inselarme aufs freie Meer.

Sehr idyllisch.

Von Wellington fuhr ich der Nase nach bis mich ein Geruch von faulen Eiern abbremste. Ich war in Rotorua angekommen. In diesem Gebiet brodelt es unter der Erde. Es gibt heiße natürliche Quellen, aufstoßende Geysiere und blubbernde Schlammtümpel. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen. Die grasgrünen Seen, der aufsteigende Dampf, die Bläschen an der Wasseroberfläche und dieser entsetzliche Geruch – das alles ist echt. Man kann es gar nicht auf Bildern festhalten.

Waiotapu heisse Quellen

Mit dem Auto durch Neuseeland

Marlborough Sounds Suedinsel

Pünktlich zum Jahreswechsel war ich wieder in Auckland zurück. Wegen Schulferien und geschlossenen Büros ist die Stadt fast wie ausgestorben. Und als sich nach Null Uhr niemand umarmte oder beglückwünschte, merke auch ich ganz schnell, dass ich wieder angekommen bin. Angekommen in der Stadt der Leblosen.

 

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