Ziegen melken, Wellen surfen und Elefanten sichten – Südafrika

Ziegen melken, Wellen surfen und Elefanten sichten – Südafrika

Nachdem ich im Mai wieder von Deutschland aufgebrochen bin, erreichte ich nach Mauritius und Reunion nun das afrikanische Festland. Hier möchte ich die Big 5 sehen: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard.

Safari und Overland Touren stehen daher oben auf der Liste.

Basis bildet Kapstadt, wo es nach einer langen Trockenphase endlich regnet. Gut für die Stadt. Für mich eher nicht. Kapstadts Speichersee wäre fast leer. Und ob wirklich jedem bewusst war, dass ohne Regen in wenigen Wochen kein Wasser mehr aus dem Hahn gekommen wäre?

Garden Route in Suedafrika

ZIEGEN MELKEN – FARMLEBEN IN SÜDAFRIKA

Zunächst einmal wollte ich das Farmleben in Südafrika kennen lernen. Für eine Woche zog ich ins dünn besiedelte Hinterland eine Autostunde von Kapstadt – oder Welten von der Zivilisation – entfernt.

Morgens wurden Hühner und Kühe gefüttert und anschließend die Ziegen gemolken. Mein erstes Mal. Ich glaube, ich habe mich anfangs ziemlich blöd angestellt. Sieht man erst einmal, wie die Ziegenjungen trinken, dann weiß man, dass man etwas robuster zugreifen kann. Und mit ein bisschen Übung ging es bald viel schneller. Die Milch spritzte im kräftigem Strahl in den Eimer und bildete Schaum. Unter Kennern auch „Cappuccino“ genannt.

Im Gegenzug für meine helfende Hand erhielt ich Unterkunft und Mahlzeiten. Ein praktisches System für Langzeitreisende und ein Win-Win-Effekt für beide Seiten.

Sonnenaufgang-Farm

Pferde und alter Truck

GARDEN ROUTE

Weil es in Kapstadt kalt und verregnet war, entschied ich mich spontan, die Garden Route abzufahren. Meine Skepsis, dass dieser immergrüne südliche Teil Südafrikas von Reisenden überbewertet wird und hier nur eine künstliche Touristenhochburg geschaffen wurde, hat sich leider bestätigt.

Fairerweise möchte ich erwähnen, dass es mit zunehmendem Reisen immer mehr braucht, einen Wow-Effekt auszulösen.

Wer das echte Afrika erleben möchte oder bereits einige Küstenwanderungen in z.B. Australien gemacht hat, kann die Garden Route meiner Meinung nach getrost auslassen.

Nicht so sehr war ich an der Weingegend dieser Garden Route interessiert. Viel mehr wollte ich durch die Nationalparks und Naturreservate wandern, an den Küsten entlang streifen und von den Buchten aus den Wellenreitern zuschauen. Und natürlich war ich gespannt auf Safari-Touren.

Ich entschloss mich mit einem Hop-on-Hop-off-Bus die Strecke bis Port Elizabeth zu fahren, einen ersten Eindruck zu bekommen und dann frei nach dem Motto „a traveller selects“ auf der Rücktour dort Halt machen, wo mein Bauchgefühl mich unterstützte.

Da Winter herrscht und damit Nebensaison in Südafrika ist, muss ich keine Unterkünfte vorbuchen und entscheide jeden Tag aufs Neue: Weiterziehen oder Bleiben?

Wanderung ueber Sandduenen

Wanderung in Plettenberg Bay

Wanderung an der Kueste an der Garden Route

Robberg Nature Reserve Plettenberg Bay in Suedafrika

Naturpark in Plettenberg Bay

SURFERPARADIES

In Jeffreys Bay in den frühen Morgenstunden angekommen ließ ich die anderen im Mehrbettzimmer schlafen und machte mich auf Townerkundung und Surferbeobachtung. Jeffreys Bay hat seinen ganz eigenen Vibe. Das Städtchen erinnerte mich an so manches Surferparadies an der Ostküste Australiens. Überraschenderweise traf ich viele Australier in Jeffreys Bay. Es spricht wohl dafür, dass die Wellen außerordentlich gut sein müssen.

„Wie waren die Wellen?“, wurde ich zum Abend gefragt. Ganz egal, wie warm es ist und ob es regnet. Entscheidend und Gesprächsthema Nr. 1 ist der Wind – für das Wellenreiten. Die Surfer sind übrigens wie aus dem Bilderbuch geschnitten: trainiert, lange blonde Haare und weiße Zähne.

Sonnenuntergang-in-Port-Elizabeth

Wanderung in Wilderniss

Mossel-Bay-Aussicht-vom-Restaurant

SAFARI UND WILDLIFE IN SÜDAFRIKA

Einen Vorgeschmack auf Wildlife hole ich mir im Addo Elephant Park. Elefanten könnte ich ewig zuschauen. Die sind so riesig und faltig. Ein Babyelefant wiegt locker 100kg. Neben Elefanten konnte ich noch Buffalos, Zebras, Kudu und eine ganze Schar Warzenschweine sichten und ein paar Vögel, aber die interessieren mich eher weniger.

Mit dem Tourguide angefreundet konnte ich auf dem Beifahrersitz des Minibusses sitzen und freie Sicht auf die Tiere genießen.

Addo Elephant Park Suedafrika

Elefant wandert

Addo Elephant Park

Safari Tour in Suedafrika

Safari Tour im Addo Elephant Park

VOM DEUTSCHEN SOMMER IN DEN AFRIKANISCHEN WINTER

Optimal um wilde Tiere zu sehen ist das Wetter im Moment, aber immer öfters stelle ich mir die Frage, warum ich gerade jetzt, wo in Deutschland Sommer ist, hier den Winter in Südafrika verbringe? Und so muss ich mit Regen, kalten Nächten und kurzen Tagen leben.

Die Sonne geht halb 8 auf und um 6 unter. Eine in den meisten Hostels kalte Dusche zu nehmen, wird immer schwieriger und alle Shirts ziehe ich schichtenweise übereinander. Ich bin mit Thermoskanne unterwegs, habe mir eine Wollmütze gekauft, die Nase läuft öfters und wenn sich dann mal die Sonne zeigt, wird sich frei gemacht um wenigstens etwas Vitamin D abzubekommen.

Zudem gab es zwei Sturmwarnungen in den letzten drei Wochen, Brände in Knysna und Unwetter im Tsitsikamma Nationalpark.

Aussicht-auf-die-Berge-Garden-Route

Wilderness See

Wilderniss Wanderung an der Kueste

DIE KUNST, SICH ÜBERALL HEIMISCH ZU FÜHLEN

Neben der Wanderung entlang der Halbinsel in Plettenberg Bay und dem Wildlife, sorgten meine Unterkünfte für interessante Erinnerungen.

Ich erinnere mich an einen Tag, den ich zusammen mit anderen deprimierten Reisenden in einem Hostel eingesperrt verbrachte. Es wurde vor einem heftigen Sturm gewarnt. Die Kälte und der Regen luden nicht unbedingt dazu ein, vor die Tür zu gehen. Das Hostel selbst war aber auch keineswegs gemütlich für einen Tag Nichtstun – rustikal, aber etwas, nun ja heruntergekommen. Das amerikanische Diner im 60er Jahre Stil mit Beatles und Monroe Flair im kleinen Ort Stroms River im Tsitsikamma Nationalpark war das Ziel für den Nachmittag.

storms river village hostel

Storms-River-American-Diner

suedafrika hostelleben

Toiletten irgendwo in Suedafrika

Dafür wachte ich im nächsten Hostel mit Blick auf den Ozean auf. Auch im als Unterkunft dienender Zug in Mossel Bay wäre ich gern länger geblieben. Nach langer Zeit im Mehrbettzimmer gönnte ich mir dort eine Singelkabine. Klein, aber Oha!

Hängematten, In-House-Bars, Lagerfeuerstellen, Komposttoiletten und Baumhäuser waren in nahezu jedem Hostel zu finden. Und daran erkennt man auch schon, wohin die Atmosphäre geht: tagssüber Aktion und abends relaxen. Die Unterkünfte waren eher einfach und urig eingerichtet. Jedes Backpacker Hostel hatte seinen eigenen Charme und Charakter. Auch wenn ich nicht in jedes Hostel zurückkehren würde, weil es zu schroff erscheint, hatte das Erlebnis Erinnerungswert.

Unterkunft Blick vom Hostel

Wilderness-Schlafplatz-fuer-die-Nacht

The-Crags-im-Hostel-in-Suedafrika

Generell bestanden meine Tage aus Wanderungen, Stadtbummel und Tierbeobachtungen. Die Abende wurden in lokalen Bars oder am Lagerfeuer mit BBQ, gutem Bier und langen widersinnigen Gesprächen über den Kosmos bis in die Morgenstunden ausgedehnt.

Und nun? Lust, weiterzulesen?

2 Kommentare

  1. Liebe Stefanie,
    danke für diesen ehrlichen Bericht über die Garden Route. Ich bin gespannt, wie ich die Gegend im Herbst erlebe, wenn dann auch noch Hochsaison ist…
    Liebe Grüße
    Gela

    • Hallo Gela,
      ich wünsche dir viel Spaß und Entdeckerdrang auf der Route. Plettenberg Bay, entlang des Tsitsikamma Nationalparks und in Mossel Bay (besonders, wenn du im Zug übernachtest) waren meine Highlights.

      Alles Gute,
      Stefanie

Schreib doch einen Kommentar