Die Zeit verstrich ungenutzt, aber wenigstens war ich beschäftigt

Die Zeit verstrich ungenutzt, aber wenigstens war ich beschäftigt

Wen ich erst einmal in Rente bin …; wenn die Kinder groß sind …; wenn das Haus abbezahlt oder Weihnachten vorbei ist, dann … .

Wir stellen uns Bedingungen. Erst muss X passieren, bis wir uns Y leisten können.

Das Prinzip nennt sich „Aufschieben“. Oder: Das Leben nie richtig zu leben.

Wir denken, wir haben Zeit. Ich denke, wir irren uns da.

Ich habe keine Zeit. Dabei haben wir doch alle (gleich viel) Zeit. Nur nutzen wir sie unterschiedlich.

Hätte der Tag nur 48h! Was? Und dann würdest du mehr getan bekommen? Glücklicher sein? Dann hättest du Zeit, deine Träume zu leben?

Ich glaub es nicht.

Wenn ich um 23 Uhr eine Mail von meinem Chef bekomme, dann denke ich nicht, wie viel er doch zu tun hat und wie viele Leute wohl etwas von ihm wollen. Vielmehr denke ich „Wirklich? Du beschäftigst dich 23 Uhr noch mit der Arbeit? Du arme Sau!

Viel zu tun zu haben heißt viel Macht zu besitzen, viele Aufmerksamkeit zu bekommen oder viel Geld zu haben? Viel Erfolg? Oder heißt es, nur schlecht organisiert zu sein? Um sich keine Zeit für Familie, Freunde, Reisen, Innehalten und die schönen Dinge im Leben zu nehmen?

Sollten wir heute nicht mehr Zeit als früher haben?

Heute erwartet man von uns, dass wir rundum erreichbar sind, schnell etwas bestellen können, schnell überweisen, schnell dahinfahren und abholen, schnell antworten, schnell … Das Leben passiert heute in einer viel schnelleren Geschwindigkeit.

Wir sollten das wertvolle Gut Zeit nicht einfach verstreichen lassen. Hier sind meine 10 Tipps, wie du deine Zeit produktiver nutzen kannst.

 

1 BESCHÄFTIGT ZU WIRKEN IST NICHT COOL

In meiner Zeit in New York antworteten erschreckend viele Menschen auf meine Frage:

„How are you today?“ mit „I’m so busy!“

Möchtest du mir damit zeigen, dass du viel zu tun hast, gefragt bist und nirgendwo fehlen kannst?

Ich frage, wie es dir geht! „Ich hab so viel zu tun“ ist keine akzeptable Antwort!

Beschäftigt zu sein ist nicht cool. Es ist traurig.

Denn es zeugt davon, nicht in der Lage zu sein, freie Zeit für sich selbst organisieren zu können. Es zeugt davon, den Fokus im Leben zu verlieren. Und es zeugt davon, im Zeitmanagement zu versagen.

Prioritaeten setzen und den Fokus behalten

 

2 BÜNDEL ÄHNLICHE DINGE

Alle Telefonate zusammen durchzuführen. Das spart Zeit.

Bei kleinen Aufgaben ist es ratsam, sie zu bündeln, denn das Drumherum frisst viel Zeit: Heraussuchen, Abheften, Einloggen, Forträumen, etc.

Erledige kleine Aufgaben gebündelt in einem Schwung.

Spare Fahrzeit, indem du Einkäufe in einem Block erledigst.

Nimm dir x Stunden in der Woche um deine Post zu sortieren, Ablage zu machen und Mails zu beantworten.

 

3 AUTOMATISIERE ABLÄUFE

Mit einer Capsule Wardrobe, in der du nur Sachen, die auch kombinierbar sind, besitzt, steht dein Outfit für den Tag mit wenigen Griffen in den Kleiderschrank.

Eine morgendliche Routine hilft dir, schnell und ohne Chaos auf Arbeit zu kommen.

Lies auch meinen Artikel, warum Routine nicht schlecht sein muss!

Müssen wir zu viele Entscheidungen treffen, bremst uns das aus. Wir werden entscheidungsmüde. Und das wollen wir nicht. Also vereinfache routinierte Prozesse so, dass sie energiesparend im Autopilot ablaufen. Was auch schon zum nächsten Punkt überleitet.

 

4 VEREINFACHE ENTSCHEIDUNGEN

Je mehr du zu einem Produktkauf recherchierst, desto weniger Ahnung hast du am Ende.

Es gibt Experimente, die zeigen, dass Spontanurteile zu besseren Entscheidungen führen. Also öfters mal aus dem Bauch heraus entscheiden!

Malcolm Gladwell schrieb über dieses Phänomen ein Buch. Es heißt „Die Macht des Moments“*. Gladwell erklärt, warum spontane Entscheidungen meist besser sind, als lange Abwägungen.

 

5 IDENTIFIZIERE ZEITFRESSER

Ballast verstopft das Leben.

Identifiziere Zeitdiebe und eliminiere sie.

Um eine komplexe Aufgabe fokussiert und effizient abzuarbeiten, solltest du für diese Zeit mit den kleinen Dinge, die du nur mal schnell nebenbei machst, aufhören.

Hier ein paar Beispiele aus unserer digitalen Welt: Der offene Facebook-Tab. Der laufende Fernseher. Die Netflix App. Das Handy. Das alles verführt und kann ablenken. Nein, es lenkt ab!

Kennst du Digital Detox? Versuche, für eine Stunde, einen Vormittag oder jeden Sonntag von digitalen Störfaktoren abzuschalten. So kannst du dich einer komplexen Sache vollkommen widmen.

Detach yourself!

Nicht-digitale Zeitfresser können sein: Kaffeemaschine, Süßigkeitenautomat, Rauchen, hoher Geräuschpegel, herumliegende Wäsche, etc.

Lasse dich nicht ablenken. Erstelle eine Not-To-Do-Liste!

Fällt dir nebenher etwas ein, was du unbedingt erledigen musst, schreibe es auf deine To-Do-Liste und widme dich erst dieser Sache, wenn du alle anderen Punkte abgeschlossen hast.

To Do Listen schreiben

 

6 NICHTSTUN IST OKAY – LERNE, LANGEWEILE AUSZUHALTEN

Plane Me Time ein.

Es ist völlig okay und sogar wichtig, nichts tun zu können. Du musst kein schlechtes Gewissen haben!

Viele Menschen wissen nicht, wie Nichtstun funktioniert. Sie haben Angst vor den Gedanken, die man sich in völliger Stille macht.

Nicht verwunderlich, dass sich in der Schnelllebigkeit ein Slow Movement entwickelt hat. Slow travel, slow food, slow gardening oder slow reading sind nur einige Beispiele. Sinn der Slow Bewegung ist es, die Geschwindigkeit in allen Lebenslagen zu reduzieren. Es geht darum, die Dinge gut und intensiv zu erfahren und nicht schnell zu abzuarbeiten.

Schätze deine Freizeit!

Du brauchst Ruhephasen. Sie sind wichtig.

In Ruhe- und Schlafphasen findet ein Lernprozess statt. Neu gelerntes vernetzt sich im Gehirn. Auch Muskeln wachsen nicht im Training, sondern in den Ruhephasen.

Also: Gönne dir viel Schlaf und nimmt dir die Zeit zum Innehalten.

Mache regelmäßig Pausen und verlasse deinen Lern- oder Arbeitsplatz öfters.

 

7 SETZE PRIORITÄTEN

Was willst du erreichen? Was sind deine Ziele im Leben, in der Partnerschaft, auf Arbeit, mit deinem Hobby oder deinem Reiseblog?

Definiere deine größten Ziele. Das sollten die wichtigsten Dinge in deinem Leben sein. Diese Überlegung führt dich dazu, auch die richtigen Dinge zu tun. Das ist die Effektivität!

Zu oft legen wir den Fokus falsch und bewerten Aufgaben über, die für das Erreichen des eigentlichen Ziels sekundär sind.

Effizienz heißt, diese Dinge richtig zu tun. Das sollte deine zweite Überlegung sein.

Zuerst effektiv, danach effizient!

Lies dir meinen Artikel Mit minimalem Aufwand das Maximale erreichen – so ein Quatsch! durch. Dort erläutere ich den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz.

 

8 MONOTASKING STATT MULTITASKING

Konzentriere dich auf eine Sache!

Laufen und nebenher telefonieren funktioniert noch ganz gut. Ausnahme ist Manhattan.

Das menschliche Gehirn kann sich nicht auf mehr als eine Komplexität zugleich fokussieren.

Eines nach dem anderen.

An vielen Dingen gleichzeitig zu arbeiten bedeutet oft, keines wirklich abzuschließen. Viele Dinge halb, aber keines richtig zu tun, ist nicht zielführend.

Singletasking statt Multitasking.

Viele Dinge gleichzeitig zu tun, hilft NICHT dabei Zeit zu sparen. Wir verschwenden mehr Zeit.

Qualität über Quantität!

Gehe Schritt für Schritt vor!

 

9 AUFGABEN DEHNEN SICH MIT DER ZUR VERFÜGUNG STEHENDEN ZEIT AUS

Je mehr Zeit dir für die Erledigung einer Aufgabe zur Verfügung steht, desto mehr Zeit nimmst du dir. Unabhängig davon, wie komplex die Aufgabe ist.

Überlege mal! Hättest du 12 Monate, um deine Diplomarbeit zu schreiben, würdest du bis zur letzen Woche tippen, überarbeiten und umgliedern. Hättest du – hypothetisch – nur einen Monat Zeit, würdest du es auch schaffen, die Arbeit in einem Monat fertig zu stellen.

Das ist das Parkinsonsche Gesetz – ein Leitgedanke des britischen Soziologen Parkinson.

Versuche, dir für deine Aufgaben ein Zeitfenster zu setzen, welches du nicht überschreitest. So pushst du dich selbst.

 

10 VERPASSE KEINE CHANCEN

Beschäftigt zu wirken ist nicht cool! Das habe ich im Punkt 1 bereits erwähnt. Hier schließt sich der Kreis.

Wenn du zu beschäftigt bist oder wirken möchtest, bist du nur damit beschäftigt, abzuliefern. Eigentlich möchtest du nur überall mitmischen und keine Information verpassen.

Wo bleibt da die Zeit, den Gedanken freien Lauf zu lassen? Nimm dir mehr Zeit für das, was dich wirklich glücklich macht. Habe Mut zur Lücke! Aber halte die Augen und Ohren offen.

Alte Menschen bereuen, zu beschäftigt zu sein und das Leben nie wirklich zu leben.

 

Zum Weiterlesen:

 

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6 Kommentare

  1. Mir gefällt Punkt 1. Ich habe nie verstanden, wieso während meiner Angestelltenzeit der Chef immer die Leute lobend erwähnte, bei denen nachts um 10 im Büro das Licht noch brannte. Das heisst ja eher, dass die Person entweder ein schlechtes Zeitmanagement hat, total ineffizient arbeitet oder Aufgaben nicht abgeben kann. Über den Fleiss, den auch ich als eine Tugend betrachte, sagt es hingegen nichts aus.

    • Hey Oli,
      das sieht man leider oft. Gerade in der Bürowelt werden lange Arbeitszeiten oft als ein Indiz für harte Arbeit genommen. Dabei braucht man für Produktivität nicht unbedingt mehr Stunden, sondern ein gutes Zeitmanagement.

      Viele liebe Grüße,
      Stefanie

  2. Sehr spannend!
    Es ist relativ schwer sich bei manchen Punkten nicht anstecken zu lassen. Wenn Du im Job die Frage „Wie geht es Dir?“ mit „Fantastisch!“ beantwortest, ist das Gespräch meist recht schnell zu Ende 😉
    Vor Kurzem habe ich mal ein Wochenende ohne Handy/Computer etc. ausprobiert und war überrascht wie erleichternd sich das anfühlte.

    • Hey,
      wow, das ist toll, dass du dich bewusst aus der digitalen Welt entzogen hast. Ein Wochenende kann da schon sehr lang sein. Ich glaube, dabei ist der Schritt, zu realisieren, dass man nicht alles mitbekommen muss, der schwierigste. Hut ab!

      Schöne Grüße,
      Stefanie

  3. Wie geht es dir? Ich bin voll busy!
    Stimmt! Das darf man nicht als Antwort gelten lassen. Wir haben zu oft ein falsches Bild davon, was im Leben wirklichen wert hat. Doch es gibt Hoffnung. Auf meiner Arbeit bin ich jemand, der nicht gross Überstunden schiebt und dennoch sieht mein Vorgesetzter, was ich in der regulären Zeit alles schaffe und werde dafür immer wieder gelobt. Da ist es auch kein Problem, immer wieder zu vereisen und Zeit für die schönen Dinge des Lebens zu haben.
    Und so sehr uns Smartphones alles schneller erledigen lassen, so sehr versetzen sie uns auch in eine Spirale ständiger Erreichbarkeit, was wiederum zu Stress führt. Habe vor kurzem für eine Woche absolut auf das Internet verzichtet. Ich war noch nie so sehr entspannt. Auch wenn ich nicht auf einer Reise war, war ich zumindes im Kopf absolut entspannt. Sollte jeder mal ausprobiert haben.

    • Hallo Igor,
      danke für deine motivierenden Worte. Das ist wunderbar, dass deine produktive Arbeitsweise geschätzt wird und es nicht daran festgemacht wird, wie lange du tatsächlich auf Arbeit bist.
      Yay, eine Woche digitales Detox! Das ist schon eine beachtliche Leistung. Plötzlich hat man so viel Zeit, nicht?

      Liebe Grüße,
      Stefanie

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