Wilde Cowboy-Mentalität? Wie die Texaner so sind

Wilde Cowboy-Mentalität? Wie die Texaner so sind

Texas!

Man denkt an Cowboystiefel, den wilden Westen und vertrocknetes Hinterland.

Man denkt an Barbecue, saftige Steaks und würzige Saucen.

Man denkt an einen Staat, der voller Stolz und Größenwahnsinn steckt.

Ein Staat, der sich von den restlichen 49 abheben will. Und es auch tut.

Ich habe vier Monate in San Marcos im Herzen von Texas studiert und gelebt. Und ich möchte es jetzt wagen, den Stereotyp des Texaners auf eine amüsante Art zu beschreiben.

Was ist dran an den Rinderherden, den Viehhöfen und der Überzeugung, dass in Texas alles größer ist? Was heißt „texanisch“? Und wie fühlt es sich an, unter Texanern zu sein?

Stolz im Lone Star State

 

ALLES IST HIER GRÖßER – MENTALITÄT

Texaner sind überzeugt, dass in Texas alles etwas größer, schneller und höher ist. Vielleicht auch etwas verrückter – siehe Foto.

Der Lone Star State ist der zweitgrößte und der zweitbevölkerungsreichste Staat unter allen 50 Staaten. In Texas wurden die meisten Hinrichtungen vollstreckt. Das Geschwindigkeitslimit liegt in Texas mit bis zu 85 Meilen pro Stunde auf dem Freeway tatsächlich höher als in den meisten Staaten der USA. Und in Restaurants veranstalten Wettessen von überdimensionalen Portionen mit Steak und Burger.

Alles ist verrückter in Texas

 

DON’T MESS WITH TEXAS“ – MENTALITÄT

Ähnlich wie „No worries!“ ein Ausdruck in Australien ist, ordnet man „Don’t mess with Texas“ diesem Südstaat zu. Wenn der Spruch auch oft unausgesprochen bleibt, so ist liegt den Texanern am Herzen, das Land mit Respekt zu behandeln.

Sonst…was passiert sonst?

Da fällt mir ein weiterer amerikanischer Spruch ein: „We don’t dial 911, …“. Meist ist in diesem Zusammenhang eine Knarre abgebildet.

Wie gesagt, „Don’t mess with Texas“ bleibt unausgesprochen, aber der Stolz wird gelebt. Im letzten Lied, das der Dj spielt, bevor der Club um 2 Uhr dicht macht, passiert etwas Unglaubliches in Texas. Alle, die sich noch in der Senkrechten halten können, strecken einen Arm in die Höhe und bilden die Form des Staates im Handzeichen ab: Daumen, Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt und Ringfinger und kleiner Finger eingeknickt. Könnte auch die Form einer Pistole sein …

Don't mess with Texas

 

SPANISCH-MEXIKANISCHE MENTALITÄT

Historisch und geographisch hatte und hat Mexiko einen Einfluss auf Texas. Nicht nur an der Tex-Mex-Küche und Salsatänzen, sondern auch an baulichen Überresten wie das Alamo in San Antonio.

San Antonio und El Paso sind für mich die beiden Großstädte Texas, in denen die spanisch-mexikanische Epoche noch am meisten heraussticht. Es werden spanische Feste gefeiert, die Sprache weitgehend gesprochen und die Kultur beibehalten.

Alamo in San Antonio

 

HOWDY – MENTALITÄT

Je weiter man sich in Texas von den Großstädten entfernt, desto kniffliger wird es, den Slang zu verstehen. Auf dem Land herrscht die Westernszene. Ältere, bärtige, gemütliche Herren murmeln etwas, was wohl die alte texanische Mundart sein muss.

Der Dialekt hat sich nicht nur aus dem Einfluss der spanischen Sprache herauskristalisiert, sondern hier haben auch die deutschen Einwanderer mitgewirkt.

Einige Beispiele vom Texas-Slang:

  • „Howdy“ – als kurze Begrüßung abgeleitet von „How do you do?“
  • „Y’all“ – zusammengesetzt aus „you all“ und auch in anderen südlichen Staaten der USA benutzt
  • „Nuttin‘“ – das, was ertönt, wenn man „nothing“ ausspricht, ohne die Zähne zeigen
  • „Ain’t“ – ein verschlucktes „am not/ have not“

Howdy Yall Texas Dialekt

 

WILD WEST – MENTALITÄT

Es ist kurz vor 12 Uhr mittags.

Ich befinde mich in Gruene, einem kleinen Ort unweit von Austin.

Und die Zeit scheint still zu stehen im Lone Star State.

Was macht die Gemeinde in Gruene an einem Sonntagvormittag?

Sie sitzen gesellig mit einem Bier und Schnitzel bei Live-Musik in einer alten Hallte. Es wird gesungen und getanzt. Die Stimmung ist bombastisch. Die Cowboystiefel klirren und Cowboyhüte am Rücken schwingen im Takt.

Wild West Sonntagstanz in Gruene

Das Cowboyimage feiert man auch in Dallas/ Fort Worth, wo die Herde die Straße entlang läuft. Auf dem Viehmarkt kan man übrigens das das Gespann des Longhorns, dem Langhornrind, messen.

Stockyards in For Worth

So überrascht es nicht, dass das Longhorn das Staatstier von Texas ist. Jeden US-Staat kennzeichnet z.B. eine spezielle Blume, ein Baum, ein Motto und ein Lied. Texas hat neben dem Longhorn auch ein kleines Staatstier, das Gürteltier oder Armadillo.

Texas – man denkt an ödes Hinterland, vertrocknete Felder, ellenweite Hinterwälder, aber auch Ölvorkommen und Bauernhöfe.

Und so ist es auch. Abseits der Großstädte Dallas, Fort Worth, Houston, Austin, San Antonio und El Paso kann man quasi Urlaub auf dem Bauernhof machen und damit das Cowboyleben nachempfinden. Oft erinnert nur ein Briefkasten am Wegesrand daran, dass weiter hinten jemand wohnt. Diese Abgeschiedenheit macht es irgendwo gespenstisch.

vertrocknetes Hinterland im Lone Star State

 

RODEO – MENTALITÄT

Rodeo. Ich hatte mich damals 2010 schon gefragt, wie man „Rodeo“ richtig betont. Ich weiß es bis heut noch nicht. Ist aber auch nebensächlich. Jeder weiß, was gemeint ist. Und der Texaner liebt es, Rodeo anzuschauen oder sogar das Kalb selbst einzufangen.

Rodeo in Texas ist nicht nur ein Wettkampf, sondern ein lebendiges Unterhaltungsprogramm mit Jahrmarkt, Musikeinlagen, Barbecue-Showkochen und Viehausstellungen. Es werden Maiskolben geknappert und Wetten gespielt. Und traditionell  erscheint der Texaner in Westernhemd und -stiefel.

Rodeo in Austin

 

FLEISCHFRESSER – MENTALITÄT

Wo es viel Land gibt, gibt es viele Rinder. Wo es Rinder gibt, gibt es Steak. BBQ wird in Texas groß geschrieben. Fleischliebhaber kommen in Texas auf den Geschmack.

Texaner lieben Steak

Hier geht’s zum Stereotyp des Australiers.

An was erinnert dich Texas noch? Was würde dich an Texas reizen? Wie stellst du dir den Stereotyp vor? Warst du vielleicht schon in Texas und hast eine ganz andere Seite kennen gelernt?

Ab in die Kommentare damit! Aber: „Don’t mess with Texas!“

2 Kommentare

  1. Als Kind habe ich immer von Cowboys geschwärmt und wollte in die USA auswandern und ein Cowboy heiraten 🙂 Heute hat sich das zwar geändert, eine gewisse magische Aura umgibt den Mythos „Cowboy“ aber immer noch. Zu Recht, wie mir scheint, nachdem ich deinen tollen Artikel gelesen habe. Ein idyllisches Bild von Texas.
    Viele Grüße
    Maria

    • Hi Maria,
      haha, du hast so recht damit. Der Cowboy hat etwas Anziehendes – lässig, aber stark und mutig und in Mädchenaugen einfach der Held.
      Vielleicht schaffst du es ja doch irgendwann mal nach Texas … oder in den Wilden Westen.
      Herzliche Grüße,
      Stefanie

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