Wenn nachts die Hyänen heulen – eine Reise nach Botswana

Wenn nachts die Hyänen heulen – eine Reise nach Botswana

Die Überlandtour von den Viktoriafällen nach Kapstadt hat begonnen.

Fünf der insgesamt 20 Tage verbringe ich im schönen Botswana: In Naturreservaten, in der Wüste und im Busch. Und mit Busch meine ich Busch. Dort, wo ein Loch für das stille Örtchen gegraben wurde. Dort, wo wir über einer Feuerstelle Wasser kochten. Und dort, wo sich Hyänen nachts am Zelt herumtrieben.

Botswana ist eines der ökonomisch stärksten und höchstentwickelten Länder Afrikas. Die Währung scheint stabil zu sein. Und auch die Regierung tut was sie kann, um das Leben im Land attraktiv zu machen. Es gibt keine Einkommenssteuer.

Hinter den Glanz des Landes fällt ein Schatten. Botswana hat eine der höchsten HIV Verbreitungsraten der Welt.

Chobe National Park Botswana

KEIN WIFI IST BESSER ALS SCHLECHTES WIFI

Ich werde oft nach dem Highlight dieser 20-tägigen Overland Tour gefragt. Ich glaube, für mich war es die Erfahrung so nah in und mit der Natur zu leben.

Die Mahlzeiten im Freien zu kochen. Teller in einer Schüssel in der Hocke abzuwaschen. Den ersten Kaffee erst nach getaner Arbeit, heißt Zeltabbau, zu trinken. Mit zwei Paar Leggings, drei paar Socken und unzähligen Shirts im Zwiebellook in einen Tag in der Wüste zu starten und mit dem Aufsteigen der Sonne Schicht für Schicht auszuziehen.

Sandwiches jeden Mittag irgendwo in einer Einbuchte entlang der Straße zu belegen. Oft in der aufstiebenden Wolke vorbeifahrender Autos. Sie trotzdem lächelnd zu grüßen.

Abendessen über der Feuerstelle zu kochen. Kartoffeln im Lichtkegel der Stirnleuchte zu schälen. Nicht sicher zu sein, ob man nun die komplette Schale entfernt hat. Es aber auch niemand merken wird. Schließlich hat keiner einen Baustrahler dabei.

Sich beim Zähneputzen im Spiegel auf dem Campingplatz selbst mit der Stirnleuchte zu blenden. Nach 20 Tagen immer noch keine gute Lösung dafür gefunden zu haben. Und die Überlegung anzustellen, wozu man überhaupt einen Spiegel zum Zähneputzen braucht?

Ich erinnere mich an einen Duschraum auf dem Campingplatz zurück. Die eine Duschkabine war mit dichten Bambusrohren abgeschirmt, hatte aber kein Licht. Die andere hatte Licht, dafür aber nur einen Hauch von durchblickendem Vorhang. Und ich versuche, einem Mädchen die Entscheidung abzunehmen: „Erinnerst du dich? Wir hockten gestern in der Pinkelpause neben einander. Wir sind wie eine Familie.“

Als Fremde gestartet wuchsen wir im Laufe der Tage alle sehr eng zusammen.

Und die Erkenntnis, dass kein Wifi besser ist als schlechtes Wifi. Sobald man auch nur einen Hauch von Signal empfängt, hält man daran fest und die Zeit verstreicht ohne produktiv surfen zu können. Taucht von Vornherein gar kein Wifinetzwerk auf, ist das ein Geschenk vom Himmel über mehr Freizeit. Bis dann jemand aus der Gruppe ruft: „Ich habe Wifi!“. Furchtbar!

Giraffe im Chobe National Park

WAS? GESTERN NACHT? HIER AM ZELT?

Fest zu schlafen wie ein Baby hat Vor-und Nachteile. Die gute Seite ist, dass mir der benachbarte Schnarcher keine schlaflosen Nächte bereitete. Der harte Boden hinderte mich auch nicht daran bis zum Weckerklingeln durchzuschlafen.

Nachteil ist, dass ich von den nächtlichen Partys nichts mitbekam.

Morgens wird aufgeregt diskutiert: „Habt ihr die Hyänen gehört? Und dann war da noch dieses Knacken. War das ein Nashorn?“ Und ich fühle mich wie eine Unbeteiligte und schau mit großen Augen zurück: „Was? Gestern Nacht? Hier am Zelt?“.

Chobe National Park Game Drive

DIE JAGD NACH DEN BIG FIVE

Wenn ich die Hyänen schon nicht hören konnte, dann sollte ich sie doch wenigstens sehen. Auf geht es zum Game Drive. So wird die Fahrt mit dem Vierradwagen durch die Wildparks genannt mit dem Ziel, wilde Tiere nah und in Aktion zu sehen.

Auch wer kein Freund davon ist, Listen abzuhaken, wird sich hier zum Ziel setzen, alle Big Five sehen zu wollen. Die Big Five sind die Großen Fünf in Afrika: Elefant, Löwe, Leopard, Nashorn and Büffel.

Sie werden deshalb die Big Five genannt, weil sie früher am schwierigsten zu jagen waren.

Bootstour auf dem Chobe River

Bootstour Chobe River

UND NOCH EIN ZEBRA

Es ist interessant zu beobachten, wie man anfangs noch jedes Wildschein und jedes Impala fotografiert, sei es noch so weit weg.

Mit einigen Stunden Game Drive und vielen Wildkreuzungen später ändert sich die Begeisterung. So fahren wir im Chobe National Park an einer Herde Zebras vorbei. Der Truck bremst ab, doch niemand zückt mehr die Kamera. Es tut mir ja leid für die Zebras. Aber wir haben einfach schon so viele davon gesehen. Die Priorität liegt nun auf den Big Five.

Und da ist endlich der Löwe. In Aktion. Er kaute gerade die letzten Bisse seines Fangs, hinterließ den Rest für die anderen und schritt stolz davon.

Leoparden habe ich leider keine gesehen. Anscheinend ist es ziemlich schwer, diese nachtaktiven Tiere zu sichten, da sie wegrennen, sobald sich ein Fahrzeug nähert.

Okavango Delta

DURCH SUMPFGEBIET ZUM NACHTRESERVAT

Das Nachtreservat liegt inmitten des Okavango Delta in Botswana. Keine Straße führt dorthin, wo wir unsere Zelte für die Nacht aufschlagen werden. Das einzig wahre Transportmittel um das Okavango Delta zu erkunden ist das Makoro.

Das Mokoro ist ein einem Kanu ähnelndem Boot aus Holz. Es ist Platz für zwei Mann. Während ich es mir bequem machte, Füße ausstreckte und zurücklehnte, begann für den Bootsmann bzw. die Bootsfrau die Arbeit. Sie schieben und lenken das Boot mit einem langen Holzstab.

Und so bewegen wir uns friedlich ohne Motorgeräusche langsam durch die Gräser des ruhigen Okavango Sumpfgebietes. Nach über einer Stunde durch die Idylle war ich so schläfrig, dass ich aufpassen musste, nicht den Kopf fallen zu lassen.

Okavango Delta im Sumpf

Okavango Delta Boot

WENN DIE SONNE UNTERGEHT

Ein Vorteil, im Morgengrauen aufzustehen und sich Meilen von städtischer Luftverschmutzung zu befinden ist, Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge zu sehen. Mit den Silhouetten einzelner Bäume oder gar Giraffen fühlt man sich so richtig im Einklang mit der Natur.

Chobe National Park Sonnenaufgang

Chobe River Sonnenuntergang

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