Wenn deine Bilder keinen Filter brauchen – Südinsel Neuseeland

Wenn deine Bilder keinen Filter brauchen – Südinsel Neuseeland

Die Seen so hellblau als hätte jemand einen Farbfilter angewandt.

Der Himmel so klar als hätte jemand die Wolken ausradiert.

Die Weidenhügel so weich als hätte sie jemand mit Watte ausgestopft.

Und die Nächte so klar als hätte jemand eine Sternendecke aufgespannt.

Neuseelands Südinsel.

Einfach gewaltig.

Meinene Runde begann in Christchurch. Der erste Teil bot eine aufregende Fahrt durch die Catlins Region entlang der Küste. Das ist hier nachzulesen. Nun streife ich durch das Inland über Te Anau, Mount Cook und Lake Tekapo zurück.

Von Bergen und Seen zu schwärmen, hört man von mir eher selten. Doch bei dieser atemberaubenden Landschaft kann ich mir nicht helfen.

Also, los geht die Schwärmerei.

 

MOUNT COOK NATIONALPARK WIE GEMALT

Wie glücklich ich mich schätzte, lernte ich erst, als ich am Abend nach meiner Wanderung durch den Mount Cook Nationalpark in meiner Unterkunft ankam. Für gewöhnlich versperrt eine tief hängende Wolkendecke die Sicht auf Mount Cook.

Mount Cook erhebt sich auf 3.700m ist der höchste Berg Neuseelands. Vor mehr als 100 Jahren gab es die ersten erfolgreichen und weniger erfolgreichen Versuche, den Berg zu besteigen.

Durch das Tal, das Hooker Valley, führt eine atemberaubende Wanderung zum Gletschersee. Es geht über drei Hängebrücken. Der Mount Cook selbst weicht nicht von der Linse. Gletscher brechen in der Ferne ab, Bäche rauschen und Vögel zwitschern. Der Wanderweg ist sehr beliebt, doch am Ziel angekommen kann man mit ein wenig Restenergie noch seinen privaten Rastplatz finden.

 

HELLBLAU EINGEFÄRBTER SEE

In Neuseeland nennt man es „rock flour“. Das ist der Abrieb des Felsen, den der Gletscher bei seiner Bewegung abschleift. Diese feinen Partikel sind wie blaue Tinte. Sie färben den Gletschersee hellblau ein. Und ich meine hellblau, wie ich es noch nie gesehen habe.

Selbst ich schaue mir meine Fotos an und denke: Das gibt’s doch nicht.

Lake Tekapo ist einer der drei Seen, die wie photogeshopt aussehen. Um den See führen eine paar kurze Wanderungen, auf denen man sich aus verschiedenen Blickwinkeln versichern kann, tatsächlich nichts vor der Linse zu haben. Die Färbung ist echt.

Wenn die Lupinen im Dezember blühen oder wenn chinesische Tourbusse Nebensaison haben, dann muss dieser Ort einfach magisch sein.

Wer mit dem Gedanken spielt, in Neuseeland ein Hostel zu eröffnen, sollte es in Tekapo tun. Ich prophezeie dem kleinen Örtchen in den nächsten Jahren großen Zuwachs.

 

STERNEGUCKEN AUF DIE MILCHSTRAßE

Mit untergehender Sonne verliert Tekapo nicht seinen Glanz. Man sagt, es sei einer der besten Orte, den nächtlichen Sternenhimmel zu studieren. Also ging es nach dem Abendessen noch einmal raus an die Kirche am See. Die Sterne funkeln scharf und kräftig. Sämtliches künstliches Licht ist gedimmt. Es gibt kaum tief hängende Wolken und schon gar keine hohen Gebäude, die die Sicht verdecken könnten.

So ein tolles Bild der Vollmond an diesem Abend bot, ist er fürs Sternebeobachten eher störende Lichtquelle. Vielleicht muss ich noch einmal wiederkommen?

 

REIZÜBERFLUTUNG IN QUEENSTOWN

Der Adrenalinort, den ich letztes Mal gänzlich und bewusst ausgelassen habe, lag nun direkt auf meiner Durchfahrt. Das einstündig gelöste Parkticket reichte aus, um zu schauen, was hier abgeht.

Die Wasserfront ist toll. Die Berge im Hintergrund sind idyllisch. Der Ort selbst kompakt. Die Lage scheint perfekt. Aber dennoch störte mich etwas: Dieses durch Tourenanbieter von Extremaktivitäten sowie Burger-Restaurants künstlich aufgewertete Ansehen des Orts war für mich eher lästiger Nachgeschmack. Weder wollte ich mich morgens um 10:30 an eine Schlange für den wohl besten Burger Neuseelands anstellen noch einen Bungeesprung machen.

Für mich war da schier nichts dabei.

 

TE ANAU UND DER SEE GEHÖRT MIR

99% der Touristen am gleichnamigen See in Te Anau machen entweder eine mehrtägige Wanderung entlang des Keplertracks oder einen Tagesausflug nach Milford Sound. Milford Sound ist eine Fjordregion, durch die man typischerweise eine Bootsfahrt macht. Ich stellte mir vor, die schippernde Fahrt zwischen den Landarmen von der Süd- auf die Nordinsel sei ähnlich idyllisch. Ließ ich also aus.

Keine Wanderung, kein Mildford Sound. Ich gehöre zu den 1%, die sich ein Paddelbrett schnappten. Für einen Moment fühlte ich mich, als gehöre mir Lake Te Anau – bis ein Motorboot mir nicht nur die innere Ruhe sondern auch die Spannung auf der Wasseroberfläche nahm.

 

SEELEBAUMELN IM HOLZFASS

Da mein Geburtstag nicht zufälligerweise in diesen Urlaubszeitraum fiel, wollte ich mir etwas Besonderes gönnen. Welch bessere Art, einen langen Tag auf der Straße im heißen Bad ausklingen zu lassen?

In Omarama, das normalerweise bei der Durchfahrt in einem Wimpernschlag verschwindet, gibt es die Hot Tubs. Um einen Ententeich sind größere und kleine Holzfässer platziert, in denen man allein oder in einer Gruppe für eine gute Stunde die Seele baumeln lassen kann. Die Badewannen sind so angeordnet, dass man einander nicht sehen kann. Das Wasser ist frisches Quellwasser. Und angeheizt wird es mit Holz.

In der Einfachheit liegt die Genialität.

 

RAST FÜR DIE NACHT

Man hat ja immer nur eine leichte Ahnung, wie das Zimmer für die Nacht aussehen wird. Meine Unterkünfte in dieser Woche reichten von überwältigend bis grottenschlecht.

Es gibt gemütliche umgebaute Einfamilienhäuser mit Blick aufs Wasser vom Wohnzimmer aus und Hängematten im Gemüsegarten. Es gibt mitten im bergigen Umland gelegene Hütten mit Schlafräumen und Kochgelegenheiten. Einfach, aber alles was man braucht, um sich zu erholen. Und dann gibt es die Schlafräume mit 14 ungemütlichen Metallbetten, in denen sich die angebrannte Pfannen im Abwaschbecken stapeln.

Manchmal war ich froh, erst spät angekommen zu sein und mich nicht weiter aufzuhalten. Andernorts hätte ich gern ein paar Stunden mehr verweilt.

 

IST DA NOCH JEMAND?

Ich erinnere mich an einen Holiday Park in einem Örtchen, das seine besten Jahre wegen Stilllegung der Bahnlinie hinter sich hat. Mein Motel ist eines wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Über zwei Stockwerke, breiten Gängen und hallenden Waschräumen. Der Rezeptionist war gleichzeitig Verkäufer im Spirituosenladen. Zunächst machte ich eine Tour durch die Räumlichkeiten. Der Käse im Kühlschrank scheint schon eine Weile vor sich her zu schimmeln.

Mit untergehender Sonne begann meine Phantasie zu spinnen. Kein anderes Auto parkte am Motel, ich traf niemanden an und hörte weder Stimmen noch Türen. Aber doch muss noch jemand hier sein. Sie Toilettenrolle war vorher noch nicht leer. Mein Fenster schloss nicht komplett. Die Heizung gab ratternde Geräusche ab. Und bleibt die Fronttür über Nacht eigentlich offen? Ich schlief sehr unruhig.

Auch diese Nacht ging vorüber und ein schöner Roadtrip leider dem Ende zu.

Noch mehr schöne Ecken in Neuseeland:

2 Kommentare

  1. Moin,

    ich liebe schöne Bilder! Noch beeindruckender ist es, einen Ort auf der Erde zu finden, an dem man nicht nach zur Nachbearbeitung greifen muss und das Gefühl hat, dass alles bereits bearbeitet aussieht. Absolut faszinierende Bilder – auch die Kulisse vor den Bergen!

    Beste Grüße aus dem Norden

    Tobias

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