Warum arbeiten wir weiter, wenn wir genug Geld haben?

Warum arbeiten wir weiter, wenn wir genug Geld haben?

luDumme Frage, oder? Warum sollten wir aufhören mit dem Arbeiten? Wir müssen doch sparen, den Kredit tilgen und für eventuelle Notfälle vorsorgen. Ok, gönnen wollen wir uns ja auch was.

Das macht alles Sinn. Warum stelle ich dann hier die Frage?

Weil es für Menschen aus anderen Kulturen nicht nachvollziehbar ist, warum wir immer weiter arbeiten, obwohl wir genug haben, um unser tägliches Brot zu bezahlen.

In diesem Artikel soll es nicht darum gehen, ob Geld glücklich macht, ob der Job mich erfüllt oder wie eine Work-Life-Balance zu erreichen ist. Vielmehr möchte euch am Beispiel der Völker von Papua Neuguinea eine andere Einstellungen zum Arbeiten und dem Leben zeigen.

Lest selbst.

 

LEBENSEINSTELLUNG ANDERER VÖLKER: ARBEITEN UM ZU LEBEN

In Papua Neuguinea. Ein Mann lebt mit seiner Frau und dessen Schwester sowie den drei Kindern zusammen in einer Hütte.

Jenseits moderner Technik. Jenseits des Touristenpfades. Jenseits Sorgen – so wie es in der Reportage schien, die mich kürzlich zum Nachdenken anregte. Der dunkelhäutige und kraushaarige Mann fährt jeden Tag mit seinen Boot raus. Er fängt Fische. Er weiß, wie viele er benötigt: etwa drei große für das Abendessen. Damit werden alle satt. Wenn es gut läuft, wird er noch drei oder vier Fische mehr fangen. Die kann er an andere Familien vermachen.

Er arbeitet genau so viel, wie die Familie benötigt.

Punkt.

Er paddelt also raus, stürzt sich kopfüber und mit einem Speer ins Wasser. Nachdem er ein paar Fische gefangen hat, kehrt er zurück. Er war vielleicht drei oder vier Stunden unterwegs. Irgendwann wird sein Sohn diese Aufgabe übernehmen. Die Frauen bereiten die Mahlzeiten zu, flechten Körbe und stopfen Matratzen aus.

Offenbar ohne Zeitdruck.

Bis auf die paar zusätzlichen Fische, die er ab und zu vertreibt, stellt sich für ihn gar nicht die Frage, täglich acht Stunden nach Fischen zu fangen. Es würde keinen Sinn machen.

Es gibt nichts, auf das man sparen muss oder kann. Finanzielle Risiken gibt es nicht. Notlagen gehen eher an Leib und Seele als dass sie mit Anlagen oder materiellen Hortungen zu vergelten wären.

 

LEBENSEINSTELLUNG VON UNS: LEBEN UM ZU ARBEITEN

Wir arbeiten. Regelmäßig. Oft. Ja eigentlich viel.

Wir arbeiten immer weiter, obwohl wir genug haben. Weil wir nicht wissen, was genug eigentlich ist. Wir wissen nur, dass wir uns etwas zurücklegen sollten. Lieber ein bisschen mehr ansparen für unvorhergesehene Ausgaben oder für außergewöhnlichen Luxus.

Wir sparen für Zeiten, in denen das Geld gebraucht wird. Für einen finanziellen Engpass. Für eine Reise gen Süden. Oder um sich mal was Größeres zu leisten. Spätestens für das Alter brauchen wir diese Summe an Geld.

Wie viel das auch immer sein wird. Und das ist gerade der Knackpunkt.

Wie lange muss ich arbeiten, damit es genau bis ans Lebensende reicht?

Eine Formel mit vielen Variablen. Einflüsse von außen sind ungewiss. Und jeder nimmt eine andere Gewichtung vor. Wie viel ist genug Geld?

Das Gefühl, auf das GENUG hinzuarbeiten macht uns glücklicher als unser gegenwärtiger Besitz.

Die Frage ist: Wenn du jetzt so viel Geld hättest, um deinen Lebensstandard für den Rest deines Lebens halten zu können, würdest du noch arbeiten? Ich schätze, viele würden das theoretisch verneinen. Einige würden trotzdem weiter arbeiten. Warum?

Im Gegensatz zu dem Papua, der seine Fische fängt, als einzige Option, um die Familie zu ernähren, ob es ihm Spaß macht oder nicht, haben wir eine bunte Palette an Beschäftigungen. Neben dem Hauptzweck des Geldverdienens gibt es unterschiedliche Motivationen für die Arbeit:

  • Anerkennung: wir können uns selbst beweisen
  • Selbstverwirklichung: wir können ein Projekt leiten
  • Stolz: wir geben das Wissen nicht einfach so weiter um nicht auch etwas dafür zu bekommen
  • soziales Umfeld und Engagement: wir können unsere Kollegen ganz gut leiden und den Chef auch und wir können anderen etwas Gutes tun
  • Beschäftigung: wir haben etwas zu tun und sind aufgehoben

 

WIR ARBEITEN, UM UNS ETWAS ZU ERARBEITEN UND NEHMEN IN KAUF, UNS SELBST ZU VERARBEITEN

Arbeiten. Erarbeiten. Verarbeiten.

Ein so simples Arbeitsmodell wie im Beispiel des Fischermanns aus Papua Neuguinea zu schaffen, ist in Deutschland undenkbar. Dafür sind wir zu weit entwickelt. Die wirtschaftlichen Strukturen sind zu komplex.

Wir arbeiten, um Ausgaben, die durch das Arbeiten erst entstehen, zu begleichen. Auch, wenn kein Weg aus dem Dilemma zu führen scheint, bitte trotzdem das folgende Zitat einmal überfliegen – ob rückwärts, vorwärts oder aus der Mitte heraus, der Sinn kommt, denke ich, an:

„Normal is getting dressed in clothes that you buy for work and driving through traffic in a car that you are still paying for – in order to get to the job you need to pay for the clothes and the car, and the house you leave vacant all day so you can afford to live in it.“ Ellen Goodman

Nur so viel arbeiten, wie man muss. Der Gedanke ist schön. Sehr schön. Und Schwups! Wir sind wieder auf dem Boden der Tatsachen. Die Realität!

Menschen auf unserem Landstrich streben nach Mehr.

Unsere begrenzte Lebenszeit verbringen wir damit, das Mehr zu erreichen. Wir geben Geld für Dinge aus, die wir nicht brauchen.

Ich hoffe, der Satz wurde nicht überlesen. Also nochmal: Wir geben Geld für Dinge aus, die wir nicht brauchen.

Bedauerlich!

Wenn wir morgen früh auf Arbeit fahren, sollten wir kurz verinnerlichen, wofür wir eigentlich arbeiten. Und, dass unsere Arbeitskraft wertvoll ist.

Sie ist deshalb so wertvoll, weil wir Freizeit aufgeben.

Wie viel benötigt man wirklich zum Leben? Wie viel muss ich wirklich arbeiten? Und kann ich auf ein Jahr ohne Einkommen verzichten und mich auf eine Reise begeben? Denn: Eine Reise ist in jeder Preislage möglich.

Vielleicht schaffen wir es, einen Schritt aus unserer Komfortzone zu gehen und uns in eine neue Welt zu bewegen. Na gut, das vielleicht nicht, aber zumindest können wir uns für einen neuen Lifestyle öffnen. Denn darum geht es mir auf COMFORTZONELESS.

Wir könnten Dinge tun, die wir sonst nicht in Betracht gezogen haben, weil wir glaubten, keine Zeit dafür zu haben.

 

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4 Kommentare

  1. Einfach nur die Wahrheit. Freue mich auf neue Beiträge! 😉

  2. Das sind interessante Gedankengänge in diesem Beitrag. Hier sieht man mal wieder, wie grundverschieden die Kulturen doch sind.
    Ich kann übrigens nur zustimmen, dass die Deutsche Bevölkerung das Wort „genug“ in dieser Hinsicht absolut nicht kennt.
    LG

    • Hallo Sabrina,

      danke dir.

      Manchmal ist gerade der Verzicht der Gewinn. Unsere Bedürfnisse werden nie voll und ganz befriedigt sein. Dessen muss man sich bewusst werden und selbst aktiv werden, wenn man das ändern will.

      Viele Grüße von Stefanie

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