Tattoos mit Reisemotiven – cool oder eher nicht?

Tattoos mit Reisemotiven – cool oder eher nicht?

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Artikel, der tief in meine Privatsphäre eindringt, veröffentlichen soll? Ich selbst habe Tattoos und einige sind in Erinnerung an ein bestimmtes Reiseerlebnis entstanden.

Reisetätowierungen ja oder nein? Es wird viel diskutiert. Einige lieben sie. Einige übertreiben es. Einige können sich nicht dazu durchringen. Einige warten schon Jahre auf das perfekte Motiv und bleiben am Ende doch untätowiert. Einige mögen Reisetattoos an anderen doch nicht an sich selbst. Und andere lassen sich übereilig ein paar Zeichen stechen, deren Bedeutung sie nicht kennen.

Die Meinungen gehen offenbar auseinander, wenn es darum geht, sich Erinnerungen einer Reise auf der Haut verewigen zu lassen.

Die Frage „Wo soll ich mir mein Tattoo stechen lassen?“ wirft kontroverse Meinungen auf. Lieber ein Tattoostudio des Vertrauens suchen oder die Erinnerung im Vibe der Lässigkeit am Urlaubsort auf der Haut verewigen?

 

TRAVEL-TATTOOS FÜR FERNWEHGEPLAGTE

Es gibt schöne und weniger schöne Reisetattoos.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Hinter einem für mich bedeutungslosen Tattoo steckt für jemand anderen eine tiefe Erinnerung. Man sollte niemanden wegen einem Bildchen auf der Haut verurteilen oder belächeln. Denn der jemand verknüpft mit diesem Motiv ein ganz bestimmtes Erlebnis.

Je mehr Menschen raus in die Welt aufbrechen und sich selbst entdecken, desto höher ist der Drang, sich einen Reisemoment auf die Haut stechen zu lassen. Die Diskussion über Tattoos ist nicht neu. Es wird immer zwiespältige Meinungen geben.

Tattos mögen für die einen die Haut schmücken und mit Leben füllen. Für die anderen mögen Tattoos die natürliche Schönheit des Körpers verunstalten.

Vielleicht mögen Reisetattoos auch ein Trend sein? Eine Entscheidung, die man im Urlaubsland unter der Leichtigkeit des Lebens fällt und später bitter bereut?

Ob Tattoos mit Reisemotiven cool oder nicht cool sind möchte ich nicht beantworten. Du hast auf diesen Beitrag geklickt. Also nehme ich an, dass du mit dem Gedanken spielst, dir einen Reisemoment tätowieren zu lassen.

Also spielen wir gemeinsam weiter mit diesem Gedanken!

 

MOTIVWAHL – BILD, TEXT, COLLAGE?

Ohne Wertung möchte ich ein paar Ideen für Reisemotive weitergeben, die mir bei Reisenden oder Wiederheimkehrenden aufgefallen sind.

Es gibt Trendmotive bei Tattoos, wie die Feder, das Unendlichzeichen, Pusteblumen, Delphine, chinesische Schriftzeichen oder Tribals. In Mode sind im Moment blaue Blumenmuster, Wasserfarbentätowierungen, geometrische Motive, wie Mandalas oder biomechanische Tätowierungen wie beispielsweise eine gerissene Haut mit sichtbarem Uhrwerk. Bei sogenannten Blackout-Tätowierungen wird eine Stelle oder ganze Körperteile bewusst schwarz gefärbt. Dass Blackouttattoos durchaus auch gut aussehen können, beweist dieser Artikel.

Zeitlose Reisemotive für ein Tattoo sind: ein Anker, ein Kompass, ein Flieger, Vögel, ein Segelboot, ein Koffer, ein Globus, eine Kamera, Umrisse eines Landes oder gar einer Weltkarte, ein landestypisches Tier oder Gebäude. Mit dem Gedanken an ein Buddha-Tattoo solltest du dich vorher hier einlesen. Ein Tourist musste auf der Reise nach Myanmar das Land verlassen, da sein Buddha auf dem Bein als Beleidigung der Religion gilt.

Englische Schriftzüge sind sehr beliebt. Hier einige Beispiele: „adventure“, „travel bug“, „I will face my fear“ oder „the great unknown“.

Selbst deutsche Wortfetzen finden unter der englischsprachigen Bevölkerung Beliebtheit, wie „Wanderlust“, „Reiselust“, „Fernweh“ oder „Sehnsucht“.

Mit Collagen, die verschiedene Motive oder Schriftzüge vereinen, lassen sich großflächige Tätowierungen umsetzen, z.B.: Abrisse einer Weltkarte, die Skyline einer Stadt, ein Herz mit Schriftzug, eine Straße mit Motorrad oder ein Kompass mit Koordinaten.

Noch mehr Inspiration für Tattoos mit Reisemotiven findest du auf Instagram mit dem Hashtag #traveltattoo.

 

INDIVIDUELLE TÄTOWIERUNGEN

Ich selbst bewundere gut gestochene einzigartige Motive, die erst auf den zweiten Blick Details offenbaren und ihre Bedeutung erahnen lassen.

Mit persönliche Reisemomenten schafft man ganz individuelle Tätowierungen. Solche sind eigene Passstempel mit Original-Einreisedaten, das selbst geschossenen Foto von einem faltigen Kubaner oder der alte klapprige Bus, mit dem du durch Namibia gereist bist.

Und dann wären noch die Erlebnistattoos, wie ich sie nenne: Tätowierungen, bei denen der Akt des Tätowierens im Vordergrund steht. Kennst du die japanischen Tattoos? Die werden in ihrer traditionellen Art von einem Mönch gestochen. Das geschieht mit einem angespitzten Bambus- oder Metallstab. Es nennt sich Yantra und ist in Südostasien verbreitet.

In Thailand sind traditionelle Tätowierungen bei Reisenden beliebt. Mit einem Bambusstab werden viele kleine Punkte auf die Haut gestochen. Aus diesen Punkten setzt sich später das Motiv zusammen, das Dotwork.

 

WO SOLL ICH MIR DAS TATTOO STECHEN LASSEN?

Daheim hast du vielleicht deinen Tätowierer des Vertrauens. Du hast genügend Vorlauf und keinen zeitlichen Druck. Du kannst das Tattoo vorzeichnen und beliebig oft abändern lassen, bis es deinen Vorstellungen entspricht. Du wohnst in vertrauter Umgebung, wo du dein Tattoo pflegen kannst und versetzt deinen Körper nicht in unnötigen Stress. Und du kannst deinen Folgetermin mit dem gleichen Tätowierer machen.

Am Urlaubsort kannst du leicht verführt werden. Du siehst am Strand andere tätowierte Touristen. Du bist in einer lässigen Umgebung. Es ist vielleicht günstiger als Daheim. Es wird einzigartig, weil du das Tattoo mit dem Ort verbindest, an dem du es dir hast stechen lassen.

Aber: Jeder kann ein Tattoostudio eröffnen. Die Hygienevorschriften sind in südamerikanischen und asiatischen Ländern weniger streng. Infektionen und Krankheiten können leichter übertragen werden.

Bedenke, dass Sonne, Salzwasser und Chlorwasser in den ersten Wochen auf deiner frisch gestochenen Tätowierung unbedingt vermieden werden sollen. Auch Staub und Sandkörner sind schlecht. Auf Reisen setzt du dein Tattoo unter erschwerte Bedingungen: Schweiß und Reibung durch Rucksack oder Taschen auf dem Rücken. Bedenke auch, dass du das Tattoo säubern und eincremen musst. Ein Hostel ist sicher nicht die perfekte Umgebung dafür.

Einen Tatto-Index hat 2016 die Bild veröffentlicht. Demnach werden in Denpasar in Bali 99% aller Tätowierungen für Touristen gestochen. In Miami Beach landen 80% aller Tattoos auf der Haut von Touris. Interessant!

Ich selbst habe mir in Sydney ein Tattoo stechen lassen. Nach meiner persönlichen Einschätzung waren die Umstände optimal. Ich hatte dort zwei Monate gewohnt und konnte meinem Körper Ruhe geben. Mir wurde der Bruder eines Arbeitskollegen empfohlen. Er zeichnete fleißig vor, änderte ab, zeichnete neu und stach es mir schließlich. Er hatte wirklich verstanden, was ich mit dem Tattoo ausdrücken wollte und was es mir bedeutet.

Der Tätowierer muss mit dir anknüpfen können.

Leider nehmen sich Tattoostudios besonders an Urlaubsorten nicht die Zeit.

Hier in Auckland habe ich meine Tattootermin kurzerhand abgesagt. Ich hatte kein gutes Gefühl. Auf meine Frage an den Tätowierer, ob ihm das Tätowieren Spaß mache, antwortete er nur „Was? Macht dir deine Arbeit etwa Spaß?“. Das war es für mich. Ich gedulde mich, bis ich ein besseres Studio finde.

Falls bei dir kein Weg daran vorbei geht, mit dem Tattoo zu warten, bis du wieder daheim bist, dann befolge bitte diese Ratschläge:

  • Mache einen sehr guten Tätowierer ausfindig. Lies Bewertungen durch und folge persönlichen Empfehlungen. Auf Tripaholic gibt es eine Auflistung von Tattoostudios in Asien (die ich selbst nicht getestet habe und daher keine Garantie übernehme).
  • Bleibe lange genug an einem Ort, um das Tattoo zu pflegen, es keiner Reibung auszusetzen und bei Komplikationen oder Folgeterminen den gleichen Tätowierer vor Ort auffindbar zu machen.
  • Der Tätowierer und du sollten die gleiche Sprache sprechen – im wörtlichen und übertragenen Sinne. Der Tätowierer sollte deinen Stil stechen, sich in deine Lage hineinversetzen können und Lust darauf haben. Das ist in Urlaubsorten nicht selbstverständlich. Schließlich bist du bald über alle Berge. Sieh dir Tattoos an, die der Tätowierer bereits gestochen hat. Die meisten haben Instagram-Accounts oder Fotomappen.
  • Lass dir nur das Tattoo stechen, wenn du mit dem vorgezeichneten Motiv auch zufrieden bist und nicht weil du unter Zeitdruck stehst. Gib dir soviel Bedenkzeit wie du brauchst. Hast du die nicht, dann lass es.
  • Schau dir das Tattoostudio zur Tageszeit an und frage den Tätowierer bei Zweifel nach Hygienemaßnahmen. Achte auf Gummihandschuhe und verschweißte Nadeln.
  • Besorge dir zuvor eine Wundsalbe in der Apotheke oder Drogeriemärkten. Ich habe auf Reisen immer eine Bepanthen Wundsalbe mit. Die gibt es auch oft im Ausland.
  • Mache einen Termin und gehe auf keinen Fall spontan, alkoholisiert oder aus der Lust und Laune heraus in ein Tattoostudio.

Nun interessiert mich deine Meinung zu Reisetattoos. Hast du eins und möchtest mir darüber erzählen? Hast du es dir vielleicht unterwegs stechen lassen? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

 

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2 Kommentare

  1. In welchem Studio warst Du denn in Auckland ?
    Ich war bei Rob von Living Art Tattoos. Eigentlich wollte ich von einem seiner Mitarbeiter tätowiert werden, aber als ich zum Termin kam, war der schon ein paar Tage in Australien und hatte mich vergessen. So hat´s dann Rob gemacht. Ich habe ihm erklärt, dass ich einen Silver Fern einmal als Band um meinen Unterarm haben möchte, die eine Hälfte mit normalen Blättern, die andere Seite im Maori Stil. Wir haben paar Google Bilder rausgesucht und er hat angefangen zu zeichnen. Das tätowieren hat so 1,5-2 Stunden gedauert und das war´s. Die nächsten Tage habe ich nördlich von Auckland im Camper gechillt und dann auf dem Rest meiner Reise, die danach noch in die USA ging, immer ein Buff über dem Tattoo gehabt.
    Ich bin total zufrieden damit und schaue immer wieder hin, weil ich auch irgendwie Stolz drauf bin. So ein überstürztes Tattoo finde ich absolut keine gute Idee. Sich aus einer Laune heraus auf Bali oder in Thailand irgendwas stechen lassen, was man nichtmal lesen kann…würde ich nicht machen. Aktuell suche ich schon nach einem Tätowierer in Kanada, der den Haida Stil drauf hat. Das soll mein nächstes Tat werden nach dem geplanten Roadtrip, hoffentlich nächstes Jahr. Finde es einfach schön, eine persönliche Erinnerung an meine Reisen zu haben, nicht nur digitale Photos auf der Festplatte oder in Blog-Form.
    Allerdings muss es schon zum jeweiligen Land passen. Die meisten Motive, die Du angesprochen hast, kämen mir nie in Frage. Also nen Koffer oder nen Kompass oder sowas. Hoffentlich hast Du nicht sowas und ich beleidige Dich jetzt 😉 Das ist nicht meine Absicht. Jedem wie´s gefällt auf jeden Fall !!
    Was Du so für Motive hast und woher, darauf bist Du aber nicht so richtig eingegangen 😉 Nur dass es aus Sydney ist…

    • Hey,

      toll, dass du hier so offen über deine Tattoos und die, die es noch werden sollen, sprichst.

      In Auckland hatte ich die Studios im CBD abgeklappert. Nichts hat mich überzeugt. Das von dir erwähnte Studio ist etwas außerhalb. Vielleicht sollte ich da mal reinschauen. Danke für den Tip!

      Dann schieße ich mal los mit meinen Tattoos: Ich habe einen Banner mit dem Zeitraum, in dem ich ein Highschooljahr in den USA gemacht habe, tätowiert. Das war mein erstes und das blieb es auch für einige Jahre. Mittlerweile ist die Skyline von New York dazugekommen, eine Postkarte, die den Schriftzug „Freiheit“ enthält und mit Sicherheitsnadel quasi an die Haut angepinnt ist, eine Weltkarte und ein Kompass. Ich mag das Motiv sehr und es erinnert mich immer wieder daran, dass ich jede erdenkliche Richtung auf Reisen und im Leben einschlagen könnte. Außerdem habe ich noch den Schriftzug „cherish the moment“ tätowiert um sich nicht über morgen zu sorgen oder über gestern zu ärgern, sondern im Hier und Jetzt zu leben. Und ein weiteres großflächiges Tattoo ist ein Totenkopf mit Schmetterlingen. Der Totenkopf steht für mich für die Vergänglich und das Bewusstsein, dass das Leben endlich ist und wir Zeit nutzen und genießen sollen. Die Schmetterlinge symbolisieren Freiheit und Wandel.

      Jetzt habe ich aber ausgepackt.

      Viel Spaß auf deiner Reise und mit deinem baldigen Haida Tattoo. Es würde mich interessieren, was du zu den Studios in Kanada meinst.

      Schöne Grüße,
      Stefanie

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