Zum südwestlichsten Punkt Afrikas

Zum südwestlichsten Punkt Afrikas

Auf nach Kapstadt. Manche bezeichnen es als das „schönste Kap der Welt“ oder als „die Stadt, die alles bietet“. Von hier aus ist es nicht weit zum einst gefürchteten Kap der Guten Hoffnung. Das ist zwar nicht der südlichste, dafür aber der südwestlichste Punkt Afrikas. Man kann wohl jeden Ort dieser Welt als einen touristischen Magnet auslegen.

Ob südliche oder „nur“ südwestliche Spitze, mich störte der Titel weniger. Fakt ist, die Antarktis und mich würden nur eine Wassermenge trennen. Hinter mir würde sich der komplette afrikanische Kontinent ausbreiten. Irre!

KAPSTADT UND ZWIESPÄLTIGE GEDANKEN

Ich wandere durch die Stadt mit zwiespältigen Gedanken: Ich mag die Wasserfront, an der sich die Boote vor dem Tafelberg auftun. Gleichzeitig ist es ein Touristensammelpunkt für die High Society. Ich spüre nicht, dass ich gerade in Südafrika bin. Die angrenzende Shoppingmall bietet alle bekannten Marken, es gibt Pizzerias und generell bekomme ich einen unerwartet westlichen Eindruck.

Der Company’s Garden lässt mich vom Großstadtgetümmel abschweifen. Exotische Bäume, alte Denkmäler und plätschernde Brunnen bilden eine geschlossene Idylle. Unweit der hektischen Adderley Street im Zentrum Kapstadts überqueren hier Enten meinen Weg und auch Vögel hüpfen gesellig umher, werden aber aggressiv sobald ich mit meiner Kamera näher komme. Im Sommer ist der Park sicher gut besucht zum Picknicken, Chillen oder Joggen. Noch bevor die Sonne auf den Horizont trifft, verlasse ich den Park, da er für mich nicht mehr so angenehm wirkt wie zur Tageszeit.

Kapstadt Seehunde

Tafelberg Kapstadt

KAPSTÄDTER LIEBEN GUTEN KAFFEE (UND WEIN)

Was mir auffällt sind die vielen Cafés, die wirklich sehr viel Charme haben. Die Architektur und Innengestaltung reflektieren ein bestimmtes Thema. Es macht eine Stadt sehr gemütlich und herzig. Es zeigt mir, dass sich die Menschen Zeit nehmen und genießen können. Anfangs wollte ich mir all die schönen Cafés merken um für den High Tea zurückzukehren, aber irgendwann verlor ich mich.

Damit der Wein nicht zu kurz kommt, möchte ich an dieser Stelle auch die vielen Weinberge und Weingüter um die Kapspitze nennen. Da ich nicht die Gabe habe, qualitätslosen von qualitätsvollem Wein zu unterscheiden, belasse ich es bei dieser Erwähnung.

KAPSTADT BEDEUTET STADTLEBEN UND NATURSPEKTAKEL

Kapstadt ist vielseitig: Beim Blick aus dem Flieger merkt man: Kapstadt scheint alles zu haben – hohe Berge, malerische Wasserfront und lebendiges Großstadtgetümmel.

Der Tafelberg ist mehr als nur ein Stadtberg. Man kann ihn sogar in Mehrtagestouren besteigen. Das ist schwer zu verstehen, bevor man ihn nicht bewandert hat. Kapstadt liegt außerdem am Meer. Südlich von Kapstadt erstreckt sich die Kap-Halbinsel. Und irgendwie ist es erstaunlich, dass unweit von hier der kühle Atlantische Ozean auf den wärmeren Indischen Ozean trifft. Und trotz Idylle hat Kapstadt alle Vorzüge einer großen Stadt: Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel, Einkaufsmöglichkeiten, Kultur und Hip und Trend.

Viele Backpacker schwärmen von Kapstadt. Vielleicht gerade weil Kapstadt so weit entwickelt ist, dass man als Westerner keine großen Anpassungsprobleme hat. Ich muss sagen, dass Cape Town leider kein Kribbeln in mir ausgelöst hat.

Seehunde in Suedafrika

Pinguine

DER BERÜHMTE TAFELBERG

„Du kannst nicht in Kapstadt gewesen, ohne auf den Tafelberg gewandert zu sein“, sitzt mir der Ratschlag meiner Eltern im Ohr.

Meine eigentlich nicht vorhandene Absicht, auf den Tafelberg zu gehen, nimmt eine Wende. Und siehe da: Die Wanderung auf den etwas über 1.000 m hohen Table Mountain eröffnete mir eine neue Sicht auf sowohl Kapstadt als auch die umliegenden strandnahen Stadtteile.

Als Teil einer Bergkette nimmt der Tafelberg ein riesiges Gebiet ein. Es ist so groß, dass er eigentlich gar nicht verdient, von mir „Großstadthügel“ genannt zu werden. Es war eisig kalt dort oben. Zum Glück wanderte die Nebeldecke und bat immer mal wieder eine klare Sicht.

Fazit: „Besser als erwartet“ oder „Die Eltern haben doch Recht.“

auf den Tafelberg

Tafelberg Kapstadt

Wanderung zum Tafelberg

DER WENIGER BERÜHMTE LÖWENBERG

Touristen strömen alle wie wild auf den Tafelberg. Der Nachteil ist, dass der Tafelberg selbst in der Panoramaaussicht fehlt. Sehenswerter und kürzer ist eine Wanderung auf den Lion’s Head. Das ist ein Berg im Zentrum Kapstadts, dessen Aufstieg es in sich haben kann. Man läuft bzw. klettert entlang eines spiralförmigen Gesteinsweges hinauf und genießt dabei 360 Grad Blicke.

Einfach wunderschön. Das sollte man sofort machen, nachdem man im Hotel eingecheckt hat.

Blick vom Lions Head Suedafrika

Blick ueber Kapstadt

ZUM SÜDWESTLICHSTEN PUNKT AFRIKAS: DEM KAP DER GUTEN HOFFNUNG

Dieses Gefühl, wenn man auf das weite Meer schaut, das gesamte Festland hinter sich hat und vor einem irgendwann der Südpol auftauchen sollte. Ich stehe am südwestlichsten Punkt Afrikas. In der Nähe befindet sich das Kap der Guten Hoffnung. Heißt so, weil es für Seefahrer früher zu hoffen galt, sicher das Land zu erreichen.

Die Stelle, an der Atlantik und Indischer Ozean aufeinander treffen, befindet sich leider nicht hier, sondern 300km weiter östlich am Kap Agulhas. Bei guten Sichtverhältnissen kann man sogar den Tafelberg in Kapstadt erkennen.

Auf der 70km langen Strecke von Kapstadt zum Kap der Guten Hoffnung, hier auch schlicht Cape Point genannt, gibt es ein paar interessante Halte einzulegen: Man kann Pinguine und Seehunde oder die Superreichen am Camps Bay beobachten.

Kap der Guten Hoffnung

Blick vom Kap der Guten Hoffnung

suedwestlichster Punkt Afrikas

Cape Peninsula

SICHERHEIT IN KAPSTADT

Und plötzlich werde ich von hinten angerempelt. Ein Typ läuft dich neben mir, überholt mich und läuft weiter. Ich checke meinen Rucksack. Mein Reißverschluss meines kleinen Fachs ist offen. Gehts noch? Außer Taschentücher und Kaugummi konnte er nichts finden.

Frech finde ich, dass der Typ einfach so weiterläuft als wäre es das Normalste auf der Welt, im Vorbeigehen die Taschen anderer zu öffnen. Es lehrt mich nur, dass ich noch vorsichtiger mit Wertsachen umgehen sollte.

Handy und Geld sollte man auch nicht in der Hosentasche haben. Das sind Experten. Die langen dir in die Tasche, ohne dass du es mitbekommst.

DER GEDANKE, ICH SEI NICHT IN AFRIKA

Kapstadt ist mein erstes Ziel auf afrikanischem Festland. Man stellt sich bestimmte Sachen vor: Rastazöpfe, dunkelhäutige Bevölkerung, Elefanten, Wüste, arme Behausungen. Und dann fahre ich mit dem Bus vom Flughafen in die Stadt und sehe eine Großstadt mit Bürogebäuden, Hotels, mehrspurigen Highways und öffentlichem Verkehrsnetzt. Afrikaans ähnelt dem Deutschen. Und sogar im Spar war ich einkaufen. Ich wunderte mich noch missverständlicherweise, als ich nach dem Weg zum Supermarkt fragte, was das mit „Spa“ zu tun haben sollte.

Eigentlich sollte Vertrautheit mit Gewohntem doch gut sein. Das war es auch, aber eben auch nur gut. Um das echte Afrika zu sehen muss ich wohl in das Landesinnere reisen. Ich genoss Kapstadt, doch bin nun gespannt auf das echte Abenteuer: Safari und Overland durch Afrika.

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