Tausche Schuhe gegen Holzfiguren – eine Reise nach Simbabwe

Tausche Schuhe gegen Holzfiguren – eine Reise nach Simbabwe

Victoria Falls ist nicht nur der Name der Wasserfälle, sondern auch des Örtchens, das mit der Bekanntheit der Wasserfälle wuchs. Es bildet Ausgangspunkt für die Besichtigung und für eine Vielzahl von Aktivitäten.

Victoria Falls für mich ist der Start eines nächsten Abenteuers. Hier beginnt in wenigen Tagen meine Überlandtour.

20 Tage von den Viktoriafällen nach Kapstadt.

Durch die Länder Simbabwe, Botswana, Namibia und Südafrika.

Bevor die Tour startet, verbringe ich ein paar Tage am Wahrzeichen von Simbabwe. Leider viel zu kurz, um das Land gänzlich zu begreifen, aber lang genug um einen Einblick in die schwierige wirtschaftliche Situation zu bekommen.

Victoria Falls Simbabwe

VIKTORIAFÄLLE – EINES DER SIEBEN NATURWUNDER

Der Fluss ist nicht tief, das Wasser nicht laut, die Flut nicht tosend und die Strömung nicht stark.

Unglaublich, dass wenige Meter weiter das Wasser des Sambesi River Hundert Meter in die Tiefe schießt. Und nach diesem gewaltigen Nervenkitzel schlängelt es sich fast lautlos durch eine tiefe aber schmale Schlucht.

Tief sind sie nicht, die Viktoriafälle. Dafür aber breit. Mit seinen 1,7km sind die Victoria Falls der breiteste durchgehende Wasserfall der Welt.

Noch bevor man das Naturgebiet betritt, kleben eine Schar Simbabwer an mir. Alle haben ein Bündel Regenjacken bei sich, die sie mir verleihen möchten. Ich schüttle nur den Kopf. Die drei Tropfen wird meine leichte Windjacke ja wohl aushalten.

Nein, das hat sie nicht. Diese Wasserfälle sind so gewaltig. Sie hinterlassen eine Sprühwolke, aus der man nur klatschnass und ich meine klatschnass wieder herauskommt. Man braucht unbedingt eine Regenjacke, wenn man nah heran möchte. Und das möchte man. Und man braucht einen Schutz für Handy und Kamera.

Als ich mich später mit gewaschenen Haaren an die Hotelbar setze, werde ich vom Barkeeper gefragt, ob ich gerade von den Viktoriafällen komme?

Die Besichtigung ist also ein Rundumerlebnis, was neben dem Sehen und Hören, auch den Gefühlssinn anspricht. Schaue ich mir die Bilder der Viktoriafälle heute an, habe ich sofort vor Augen, wie mich der Sprühregen bis zum vollkommenem Durchweichen begießt.

Hier bekommt man etwas für sein Geld.

Victoria Falls Regenguesse

massive Victoria Falls

SIM ODER SAM?

Was ist schöner? Die Viktoriafälle von Simbabwe oder von Sambia aus zu sehen?

Die Victoria Falls sind Wasserfälle des Sambesi River. Dieser Fluss bildet an der Viktoria Falls Bridge eine natürliche Grenze zwischen Sambia und Simbabwe. Von Simbabwe hat man eine weite offene Sicht auf die Wasserfälle. Sambia gewährt bessere Blicke in die Schlucht und den Upper River.

Bruecke ueber Zambia

Regenbogen Victoria Falls

ZU FUß ÜBER DIE GRENZE

Noch nie zuvor füllte sich mein Pass so schnell mit Ein- und Ausreisestempeln, wie an jenem Tag, als ich einen Spaziergang von Simbabwe nach Sambia und zurück machte. Die Victoria Falls Bridge verbindet die beiden Länder über der Schlucht des Samesi River. Diese Brücke ist Niemandsland. Theoretisch verläuft die Landesgrenze durch die Brückenmitte.

Ich verbrachte lange auf der Brücke. Verrückte Bungeespringer stürtzen sich hier täglich in die Tiefe. Viel interessanter fand ich das Begängnis der Locals, die Waren im- und exportieren. Man sieht Lastwägen. Verstaubt, verrostet und überladen. Menschen schieben ihre Fahrräder. Die sind so vollgeladen, dass sie das Rad kaum noch auf zwei Rädern halten, geschweige fahren können.

Grenzuebergang Sambia und Simbabwe

Grenzuebergang nach Sambia

LEERE BANKAUTOMATEN

Wie schlecht es wirklich um die Wirtschaft steht, begriff ich erst im Land selbst. In den ganzen vier Tagen wurde ich vom Security der Bank vertröstet. Am ersten Tag hieß es noch, dass die Banken über Nacht Geld aus den Automaten nehmen. Am zweiten Tag meinte er, dass der Geldtransporter nicht kam. Erst am vierten Tag klärte er mich auf, dass es in Simbabwe an Bargeld mangelt.

Es gibt kein Bargeld.

Man kann sich das schlecht vorstellen. Man geht zum ATM und der ist leer. Man geht zum zweiten, dritten und vierten ATM und keiner spuckt Bares aus.

Einheimische bilden schon in den Morgenstunden lange Schlangen vor den Banken. Kam der Geldtransporter, durften sie 20 US-Dollar pro Tag und 100 US-Dollar in der Woche abheben.

Nach der Inflation in Simbabwe zahlt man mit USD. Bargeld war oft knapp. So wurde ein „Bond“, also Schuldscheine eingeführt. Der Bond ist 1:1 soviel Wert wie der USD, wird aber nur in Simbabwe angenommen. So passierte es, dass ich im Supermarkt mit USD bezahlte und Schuldscheine als Wechselgeld bekam. Die Kassiererin hat mir meine Verwirrung an den Augen abgelesen und ihre letzten USD zusammengekratzt.

Mit wurde immer geraten, keine Schulscheine anzunehmen. Sie können außerhalb des Landes nicht angenommen oder umgetauscht werden.

Die Verzweiflung über den Bargeldmangel ist groß. Im Supermarkt schlugen mir drei Jugendliche vor, meinen Einkauf mit ihrer Karte zu bezahlen, damit ich ihnen Cash wiedergeben könnte.

EIN STAPEL BILLIONEN-SCHEINE

Die alte Währung Simbabwes, der Simbabwe Dollar, unterging einer heftigen Inflation. Er ist im Land heute nahezu nichts mehr wert. Junge Männer verkaufen einen Stapel 100.000.000.000.000 Simbabwe Dollar Scheine für wenige US-Dollar auf der Straße.

Auch wenn ich zu gern Hundert Billionen in den Händen gehalten hätte, tu ich so, als ob es mich kalt lässt und laufe weiter. Legal ist der Verkauf keineswegs.

Ich schätze, so ein Schein kann ein schönes Mitbringsel sein. Auch bei Sammlern sind die großen Scheine im Internet beliebt.

Es ist grotesk: Die Scheine sind bei ebay mehr wert als in Simbabwe selbst.

TAUSCHE HOLZFIGUREN GEGEN SCHUHE

Massagestudios und Taxifahrer kann ich mittlerweile sehr gut ignorieren. Sobald aber eine echte Armutsverzweiflung aufkommt, werde ich emotional.

Mit bot ein Verkäufer fünf geschnitzte Holztiere. Im Gegenzug wollte er meine Trekkingsandalen.

Er zeigte mir seine Turnschuhe von schlechter Qualität. Er wollte kein Geld, nur meine Schuhe. Mir tat es sehr leid.

Nun beginnt meine 20-tägige Overlandtour durch vier Länder Afrikas bis nach Kapstadt.

Hier kannst du meine Tour durch Afrika verfolgen:

2 Kommentare

  1. Hi Stefanie,

    toller Beitrag, der mich sehr nachdenklich zurücklässt.
    Schwer vorzustellen, welche Folgen eine Inflation für die Bevölkerung hat.

    Wir war es durch diese Regionen zu reisen? Warst du alleine unterwegs?
    Hast du dich sicher gefühlt? Birgt diese Armut nicht ein hohes Risiko der Kriminalität?

    Ich träume auch schon lange davon einmal den südlichen Teil Afrikas zu erkunden.

    Liebe Grüße Kathrin

    • Hey Kathrin,

      an den Viktoriafällen war ich alleine unterwegs. Dort habe ich mich sehr sicher gefühlt, da doch sehr viele Reisegruppen und Touristen unterwegs waren. Im Ort selbst gibt es Backpacker Hostels, in denen man sich auch mit anderen Reisenden zusammenschließen könnte.

      Vielleicht ist eine Overlandtour etwas für dich? Gerade für den südlichen Teil Afrikas gibt es gute Anbieter, die dich in einer Gruppe von anderen Gleichgesinnten durch die Länder fahren und an Wildparks, Naturreservaten und anderen Highlight Halt machen. Meist kannst du zwischen einer Campingvariante und einer Tour mit Unterkünften wählen. So eine Overlandtour kann von einer Woche bis zu zwei Monaten dauern.

      Ich erkunde auch lieber alles auf eigene Faust, aber gerade in den Wildparks und für das erste Mal in Afrika war so eine Gruppentour die bessere Wahl für mich.

      Schreib mir doch gern, wenn du noch Fragen hast.

      Liebe Grüße,
      Stefanie

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