Gibt es ein Reise-Gen? Warum manche ständig Fernweh haben und andere sich daheim wohlfühlen

Gibt es ein Reise-Gen? Warum manche ständig Fernweh haben und andere sich daheim wohlfühlen

Der Hunger nach Abenteuer scheint nie gestillt zu sein, egal wie viele Trips man macht. Weit weg, nur nicht heim. Erforschen und Erkunden.

Manche verspüren die Reiselust und haben das Verlangen, die Komfortzone zu verlassen. Andere bleiben lieber daheim. Home Sweet Home. Warum ist das so?

 

EIN LEIDENSCHAFTLICHER REISENDER

Du liebst One-Way-Tickets, weil du gar nicht weißt, wann du überhaupt zurück kehren willst. Einen festen Reiseplan gibt es nicht. Du lässt dich treiben. Go with the flow. Du willst gern alles auf einmal sehen. Wenn andere dir vom Urlaub erzählen, willst du sofort losziehen. Kofferpacken ist keine Qual für dich. Es macht Spaß. Es ist ein Teil der Vorfreude.

I need a six month holiday twice a year

Du interessierst dich für fremdes Essen. Für eine andere Sprache. Für andere Sitten. Du bist gern unter Einheimischen. Der Weg ist das Ziel. Du musst nicht ankommen. Roadtrips, Motorbike-Ausflüge und Fahrten in engen, klapprigen Vans sind cool.

Instagram und Reisekataloge sind deine Droge. Du hast Fernweh. Du willst frei sein. Du willst dorthin, wo du noch nie vorher gewesen bist.

Def. Fernweh: die Sehnsucht nach einem Ort, an dem du noch nie warst

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WARUM GIBT ES LEIDENSCHAFTLICHE REISENDE?

Forscher meinen, Fernweh ohne Heimweh ist auf ein Gen zurückzuführen. DRD4-7R – das Erforscher-Gen. Jeder fünfte soll es besitzen. Menschen mit diesem Gen sind besonders neugierig, risikofreudig und rastlos. Sie erkunden gern neue Orte. Sie schließen gern neue Bekanntschaften. Sie probieren gern neues Essen. Sie sprudeln vor Ideen eines neuen Lebensstils. Sie lieben das Abenteuer und defokussieren die Sicherheit. Sie lieben die Abwechslung und schlagen die Beständigkeit aus. Kurz: Sie verspüren die Leidenschaft zum Reisen.

Durch die Mutation auf dem Gen DRD4 ist der Dopaminwert höher. Dopamin ist ein Botenstoff im Nervensystem. Er überträgt Signale und Gefühle und steuert Bewegungen. Daher ist Dopamin verantwortlich für unser Wohlbefinden, die Lebensfreude, den Mut, die Konzentration und das Vergnügen.

Dopamin wird als Glücksgefühl ausgeschüttet bei frisch Verliebten, gutem Essen oder Sex und weckt dabei den Wunsch nach Wiederholung. Unter Palmen, beim Schnorcheln oder im Tuktuk fühlen wir uns wohl. Der Wunsch nach Wiederholung lässt uns weiter ziehen und so schnell nicht mehr heimkehren.

Menschen mit einer hohen Dopamin-Konzentration können und wollen mehr wahrnehmen. Nach langen und intensiven Reisen sind die Travelholics immer noch nicht gesättigt. Sie wollen öfter, weiter und länger reisen.

Gibt es ein Reisegen

IST REISELUST WIRKLICH AUF EIN GEN BESCHRÄNKT?

Ob wir neugierig auf ferne Länder sind soll also auf ein Gen beschränkbar sein? Entweder man hat es oder man hat es nicht, dieses Gen DRD4-7R. Das müsste bedeuten, dass Menschen mit dem Entdecker-Gen ihr Heimatland verlassen, sobald sie die Mittel dazu haben. Der Drang nach Erforschung müsste zu stark sein. Menschen ohne Reise-Gen könnten sich demnach nie glücklich in fernen Ländern fühlen. Das Marketing ums Reisen würde bei den Reisemuffeln gar nicht anschlagen. Und das sei immerhin der Großteil der Menschen.

Ich denke, Menschen sind beeinflussbar. Ist ein Mensch offen für Neues und gewillt, es auch auszuprobieren; sieht man das Leben als Chance und nicht als Pflicht, dann findet sicher der ein oder andere Gefallen am Inselhopping, Roadtrips und Backpacking.

Vorstellungskraft, Kreativität und Offenheit für andere Optionen abseits der ausgetretenen Pfade sind ebenso Voraussetzungen für eine lange Reise. Ob das vorwiegend bei Menschen mit erhöhterm Dopamin-Wert vorkommt, weiß ich nicht.

„Steigst du nicht auf die Berge, so siehst du auch nicht in die Ferne.“   Fernöstliches Sprichwort

Manche verspüren erst nach zwei Wochen Urlaub die Sehnsucht nach fremden Ländern, die sonst nie aufgekommen wäre.

Das Reise-Gen DRD4-7R. Es würde bedeuten, dass der Entdeckerdrang schon da war, bevor wir überhaupt auf der Welt waren und schauen konnten, ob es sich überhaupt lohnt zu reisen.

Reiselust - Hauptsache weg

NEUER LEBENSSTIL UND DIE EINFACHHEIT FÖRDERN DEN ENTDECKERDRANG

Vielleicht ist es auch der Lebensstil der Generation Y. Die Kinder der 90er folgen ihren Träumen. Sie wachsen mit sozialen Netzwerken auf. Wollen etwas Neues. Wagen das Unbekannte. Streben nach Erneuerung. Sie suchen nach dem Sinn. Sie improvisieren. Sie stehen nicht auf Geradlinigkeit. Sie leben nach den eigenen Vorstellungen.

Ich würde nicht von einem Reise-Gen, sondern von Reisefieber sprechen. Gäbe es Smartphones mit GPS, Hostelbooking-Apps, Facebook-Interessengruppen und Suchplattformen für einen Reisebuddy früher schon, hätten sich mehr Menschen auf und davon gemacht. Die Technik und Einfachheit des Reisens sowie unser deutscher Reisepass machen es uns möglich. Und was möglich ist, über das denkt man auch nach. Instagram zeigt uns, wieviel Spaß wir da draußen haben könnten.

Ob Reise-Gen hin oder her. Werde ich das nächste Mal nach meinen Beweggründen fürs Reisen gefragt, überlege ich mir, ob ich mit der ausführlichen Version antworte oder schlicht und einfach sage:

„Ich besitze das Gen DRD4-7R“.

 

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13 Kommentare

  1. Hallo Stefanie,
    ein sehr interessanter Beitrag. Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, dass meine Reiselust genetisch bedingt sein könnte, auch wenn wir im Grunde alle nur Biologie sind 😉 Aber ich denke, was du im zweiten Teil des Beitrags über die Möglichkeiten, die wir heute haben und an denen früher nicht zu denken war, spielen auch eine wesentliche Rolle.
    Liebe Grüße
    Maria

    • Hallo Maria,
      danke für deinen Beitrag. Die heutigen Mögichkeiten machen es im Grunde für jeden machbar, für einige Zeit dem Alltag zu entfliehen, sich in kleine oder größere Abenteuer zu stürzen und sich in fremden Ländern zurechtzufinden und wohlzufühlen.
      Schön, dass ich dir mit diesem Beitrag einen neuen Denkanstoß geben konnte.

      Behalte deine Reiselust und viele Grüße,
      Stefanie

  2. Hallo Stefanie,
    das ist echt interessant, dass es dafür ein Gen geben könnte 😉 Vielleicht hängt das auch mit der bisherigen Erfahrung zusammen. Wie du sagst „nach zwei Wochen …“. Habe DRD4-7R mal gegoogelt und es scheinen sich ja wirklich die Experten zu streiten. haha 🙂

    Grüße
    Markus

  3. Hey, hey Stefanie,

    wow – was für Einsichten. Die Wanderlust wird also begünstigt durch ein Gen. Sehr spannend. Ich glaube, ich habe das dann auf jeden Fall in mir. Wobei ich auch damals durch meine Uni ziemlich beeinflusst wurde. Da hat wirklich jeder meiner Kommilitonen im Master ein Auslandssemester gemacht. Da musste ich gar nicht lange rätseln, ob das für mich auch in Frage kommt. Und mit dem los reisen hat mich das Fieber dann nie wieder los gelassen. Wie spannend, dass du dieses Phänomen jetzt mal wissenschaftlich dargestellt hast. Sehr gelungen.

    Schöne Grüße,

    Christin

    • Hi Christin,
      danke für deine netten Worte.
      Auch interessant, dass du durch deine Kommilitonen mitgerissen wurdest. Aber sicher nur ein kleiner Teil von denen, die damals ein Auslandssemester gemacht haben, reisen nun auch noch leidenschaftlich. Es geht eigentlich nicht nur darum, wie oft man reist oder wie lange, sondern vielmehr, dass man sich in der Welt zu Hause fühlt. Und dieser extreme Entdeckergeist lässt uns nicht stillsitzen.
      In wenigen Tagen startest du eine Weltreise und vielleicht zeigt sich in der Hinsicht ja das DRD4-7R;)?
      Herzliche Grüße nach Deutschland,
      Stefanie

  4. Hallo Stefanie,
    ich wusste es doch schon immer – ein Reise-Gen also! Ich muss eine extra große Portion davon in mir haben und wie es scheint, habe ich es auch meiner Tochter vererbt. 🙂
    Bei mir ist die Reiselust erst sehr spät ausgebrochen. Die ersten 25 Jahre meines Lebens war Reisen auch gar nicht so einfach. Geboren und aufgewachsen bin ich in der DDR und weiter als nach Tschechien und Ungarn bin ich nie gekommen. Wahrscheinlich hat dies zu einem gesteigerten Reisebedürfnis geführt. Reisen bedeutet doch auch frei zu sein, neugierig zu sein und Grenzen zu überschreiten.
    Liebe Grüße
    Frauke

    • Liebe Frauke,
      ich kann gut nachvollziehen, wie sich deine Reiseleidenschaft entwickelt hat. Die Freiheit, theoretisch jede Ecke auf der Erde erkunden zu können, weiß man erst richtig zu schätzen, wenn man sie einmal nicht hatte. Du machst alles richtig! Und wie ich auf eurem Blog lese, seid ihr beide ein eingespieltes Team.
      Noch viele schöne Reisemomente und liebe Grüße,
      Stefanie

  5. Wenn es das Gen gibt und das verursacht, was du in diesem schönen Beitrag beschreibst, dann haben wir es auch – der Volksmund nennt das dann wohl „Hummeln im Hintern“ 😀

    Viele Grüße
    Ronny

  6. Ein wirklich toller Beitrag, liebe Stefanie! Ich wusste es… dass muss genetisch bedingt sein! Ich war schon immer sehr an Reisen, anderen Ländern, fremden Kulturen und landestypischem Essen interessiert. Mein absolutes Lieblingsfach in der Schule war Geografie. Komischerweise habe nur ich in meiner Familie das Gen abbekommen, meine Geschwister verreisen überhaupt nie.
    Ich mag deinen Blog und deine Artikel so gerne. Danke!
    VLG, Anita

    • Liebe Anita,
      vielen Dank, dass du deine Erfahrung hier teilst und so nette Worte zu meinem Blog hinterlässt.
      Weil du Geografie ansprichst: Ich fand das Fach auch unheimlich interessant und es hat sicher auch dazu beigetragen, die Welt als Ganzes zu sehen und dass es eigentlich keine Grenzen fürs Reisen gibt. Dennoch wünschte ich mir manchmal, hätte noch mehr hängen bleiben können – besonders bei der Erstehung von verschiedenen Felsformationen und Prozessen an der Erdoberfläche. Ich stehe oft vor solch Naturphänomenen und staune, wie unglaublich die Entstehung doch ist.

      Viele schöne Grüße,
      Stefanie

  7. Pingback: Banale Gründe, nach Australien auszuwandern – lena stumpf

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