Ortsunabhängig und glücklich ohne ein digitaler Nomade werden zu müssen

Ortsunabhängig und glücklich ohne ein digitaler Nomade werden zu müssen

Als ich COMFORTZONELESS aufbaute, lief nicht immer alles glatt. Meine Nerven litten. Die Welt online scheint verzwickt. Wenn ich mein Geld damit verdiene, dass ich auf Metablogs, mit denen ich mein Geld verdiene, schreibe, wie ich mein Geld verdiene und ich von Workstations, wo ich mich ein paar Wochen lang niederlasse aus schreibe, wie ortsunabhängig mein Leben ist, macht mich das glücklich?

Ist das nicht paradox?

Frei und ortsunabhängig zu leben scheint momentan das Nonplusultra zu sein. Klingt auch verlockend. Wer will das nicht? Mit Laptop am Strand? Es wird zum digitalen Nomadentum animiert und inspiriert. Als digitaler Nomade scheint man es geschafft zu haben. Was ist eigentlich ES? Und warum reisen diese Online-Nomaden gar nicht?

Neulich erzählte ein Paar in einem Reisevortrag, wie sie mit zwei Kindern und drei Kamelen durch die Mongolei zogen. Das sind Nomaden.

Wenn ich meine Wohnung unterviermiete, vom Job eine Auszeit nehme, mein Hab und Gut nicht ausmiste, sondern einlagere, dann besitze ich mehr als jeder digitale Nomade von sich behauptet. Gebunden an Wohnung und Arbeit bin ich auch.

Nicht gerade frei.

Mache ich mich nun auf ein Work&Travel Jahr nach Neuseeland, fahre mit einem Campervan die Nord- und Südinsel ab, schäre unterwegs Schafe oder helfe einer Familie, Tomaten auf dem Wochenmarkt zu verkaufen, dann zähle ich das auch zum ortsunabhängigen Leben. Für diese Zeit bin ich sogar noch mehr Nomade als der Affiliate, der schon seit zehn Wochen in Bangkok fest sitzt.

Was ich damit sagen will?

Minimalismus, Freiheit und Unabhängigkeit definiert jeder für sich selbst und findet jeder für sich selbst.

 

DIGITALES NOMADENTUM IST EINE, ABER NICHT DIE MÖGLICHKEIT

Was digital funktioniert, geht auch analog. Reisen und Geld verdienen lässt sich kombinieren. Auf herkömmliche Art. Es gibt Remote Work, Trainee-Stellen im Ausland, Arbeit gegen Unterkunft und Essen, Freiwilligenarbeit, Entwicklungshilfe, Englisch lehren, Sabbatical, du nennst es. Du arbeitest mit Einheimischen, du integrierst dich, du lernst eine neue Arbeitskultur kennen.

Ich verschnitt Mandelbäume, füllte Haferflocken in Tüten ab, mistete Pferdeställe aus, sammelte Müll vom Festival, verpackte Orangen und polierte Ledersofas. Ich war Hundesitter, Gartendekorateur, Haushaltshilfe und F1-Marshall.

Als Gegenleistung bekam ich griechische Rezepte, besorgte Ersatzeltern, einen eigenen balinesischen Bungalow, eine Einladung zum Pferderennen und ein verrücktes Chinesisches New Years Eve in Sydney. Ich durchlief die Boxengasse, trank Kaffee mit TimTams und probierte asiatischen Sesambrei, der seitdem zu meinem Lieblingsessen wurde.

Das ist eine Erfahrung, ein Zuwachs an kulturellem Wissen aus erster Hand, den dir niemand mehr nehmen kann. Nutze die Möglichkeiten, in anderen Ländern zu arbeiten und du erfährst das, worum es eigentlich beim Reisen geht: einen Gang runter zu fahren, sich zu integrieren, auszutauschen und Bekanntschaften mit Einheimischen zu machen.

Ein Schritt aus der Komfortzone und es bieten sich viele attraktive Wege. Es gibt nicht nur den einen richtigen Lebensstil. Stichwort: Tiny House, Perpetual Traveller oder multilokales Leben.

Die Generation y wird nicht mehr seinem Ausbildungsbetrieb bis zur Rente treu bleiben. Das funktioniert heute nicht mehr. Singlesein muss kein vereinsamter Zustand sein. Es kann eine Chance sein, etwas zu reißen (und zu verreisen).

„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will.“ Jean-Jacques Rousseau

Du musst kein digitaler Nomade werden, um ortsunabhängig zu leben. Du musst Tim Ferris nicht kopieren um ungebunden zu leben. Und du musst dich nicht selbstständig machen um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Vielleicht aber funktioniert all das für dich, vielleicht auch nur für eine kurze Zeit, vielleicht auch nicht.

Inspiration ist gut. Aber nur so gut, um den eigenen Weg zu finden.

 

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7 Kommentare

  1. Das analoge Nomadentum klingt um einiges stressiger als das digitale 😉

  2. Pingback: Digitaler Nomade oder analoger Festangestellter? Das Leben ist eine Reise!

  3. Hallo Stefanie,

    das ist ein sehr gelungener Beitrag, der mal die andere Seite der Medaille beleuchtet. Das von dir beschriebene Paradoxon, irgendwo gebunden zu arbeiten (auch wenn es Thailand oder so ist) und dabei das ortsunabhängige Leben anzupreisen, ist verrückt.

    „Ortsunabhängiger Nomade“ muss eigentlich das Ziel sein. Denn wenn ich zwar digital arbeite, dafür aber in Asien leben „muss“, um mit der Kohle hinzukommen, hat das nicht mehr viel mit Nomadentum zu tun und frei oder unabhängig ist es auch nicht.

    Du beschreibst es super. Jeder sollte für sich seinen goldenen Mittelweg finden. Das Reisen mit dem Arbeiten verbinden klingt dabei vernünftig (für mich – aber muss natürlich nicht für jeden so sein). Am Ende des Tages macht es doch auch Spaß, etwas zu (er)schaffen.

    Also! Ich freue mich auf deine weiteren Beiträge. Deine Seite ist toll!

    Viele Grüße,

    Christin

  4. Hey Christin,
    vielen Dank, dass du deine Gedanken hier offen teilst. Ich freu mich auch, dass ich mit diesem Artikel einen regen Meinungsaustausch zwischen uns per Mail ausgelöst habe. Wo ein Trend ist, existieren auch immer Neinsager.
    Danke für deine netten Worte und herzliche Grüße,
    Stefanie

  5. Hi Stefanie,
    ich habe es bisher auch so oder so ähnlich gehandhabt. Digitaler Nomade bin ich nicht. Wäre sicher auch schön aber ist nun mal nicht so. Vielleicht irgendwann mal 🙂

    Grüße
    Markus

    • Hallo Markus,
      lass den Dingen freien Lauf. Es gibt für uns eine Fülle an Möglichkeiten, wie wir Reisen mit Geld verdienen verbinden können. Man muss nur bereit sein, Kompromisse einzugehen, sich zu öffnen, anzupassen und kreativ zu werden. Kreativ in dem Sinne: was kann ich besonders gut und wo kann ich das anbieten? Es gibt Alternativen zum digitalem Nomaden.
      Viele Grüße,
      Stefanie

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