Nichts außer Sand – eine Reise nach Namibia

Nichts außer Sand – eine Reise nach Namibia

Namibia klingt für mich nach unendlich weiter Wüste, kahle Baumstämmen, Risse im Boden, nackte und bemalte Ureinwohner, die komische Tänze ums Lagerfeuer aufführen und wilde Tiere, die sich um die Wasserstellen versammeln.

Namibia bietet eine surreale Landschaft unserer Erde. Das Land ist zweimal so groß wie Deutschland, wird jedoch nur von 2 Mio. Menschen bewohnt. In Namibia regiert erst der dritte Präsident. Erst 1990 erkämpfte sich Namibia die Unabhängigkeit von Südafrika.

Namibia war einmal deutsch. Als der Tourguide bei Grenzüberschreitung nach Namibia ankündigte, dass hier noch viel Deutsch gesprochen wird, lies ich einen lauten “Yeah” Schrei los und die anderen mussten mit meiner Vorfreude mitziehen.

Ich fühlte mich sofort mit Namibia verbunden. Ich war gespannt.

Irgendwo im Nirgendwo in Namibia

Dead Valley Namibia

Fish River Canyon Sonnenuntergang

DIE DEUTSCHEN IN NAMIBIA

Namibia war bis zum Ersten Weltkrieg deutsche Kolonie. So sehe ich nicht selten Straßennamen wie „Johann Albrecht Straße“ oder einen „Zoo Park“ oder eine „Turnhalle“. Leider konnte ich mich mit niemandem Deutsch unterhalten. Ich traf nur Leute, die von jemandem wissen, der jemanden kennt, der Deutsch ist.

Im deutschen Bäcker in Swakopmund mussten sich Hackfleischbrötchen und Mohnkuchen meiner strengen Qualitätsprüfung unterziehen. Die Nichtdeutschen meiner Reisegruppe fanden es sehr sehr lecker. Die haben aber auch keinen Vergleich. Zehn Punkte gab es von mir nicht. Dafür war es das wohl beste deutsche Essen, was ich in Afrika finden konnte.

Windhoek Bier Namibia

Spitzkoppe Namibia

Schild Elefanten Ueberquerung in Namibia

ZEBRA AUF DEM TELLER

In Namibias Hauptstadt Windhoek war es auch, als ich mich üppig am Buffet bediente. Nach zwei Wochen Essen aus dem Kessel kam mir das All-you-can-eat-Angebot gerade recht. Man muss die Vorteile einer zivilisierten Stadt ausnutzen.

Sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, Kudu, Gnu und Zebra zu probieren? Jene Tiere, die ich zuvor lebendig und stolz in der Wildnis fotografierte, liegen nun medium rare auf meinem Teller. Absurd ist es schon. Aber was soll ich machen? Das Steak war bereits in der Pfanne.

Zebras im Etosha National Park

ETOSHA NATIONAL PARK

Wenn ich von Wildparks in Afrika schreibe, dann ist das zumeist ein eingezäuntes Wildreservat. Diese Naturschutzgebiete weisen einen hohen Wildbestand auf. An den Zugängen erwirbt man ein Ticket und begibt sich mit eigenem Pkw oder einem Tourguide auf Wildsuche.

Die Flächen sind meist so groß, dass man sich vorher überlegen sollte, welche Routen man nimmt. Der Etosha Nationalpark in Namibia umfasst eine Fläche, die größer ist als Sachsen. Es gibt einfache Campingplätze, auf denen wir auch eine Nacht verbrachten. So konnten wir möglichst zeitig am folgenden Tag aufbrechen.

Rastlager können eingezäunt oder komplett frei in der Wildnis sein. Hat man einen leichten Schlaf, kann man nachts sogar die Hyänen heulen hören. Und wenn nicht, dann ist das vielleicht auch ganz gut so.

Dass ständig Raubkatzen und Hornträger den Weg kreuzen ist nicht der Fall. Es ist Glückssache, welche Tiere man sieht. So eine Safaritour kann auch anstrengend sein. Man sitzt die erste Stunde wie auf heißen Kohlen mit dem Zeigefinger auf der Kameraauslösetaste.

Wie ich im Beitrag über Botswana schon schrieb, juckt einen nach drei Stunden Gamedrive kein Zebra mehr. Schade eigentlich. Die Big 5, die Großen Fünf von Afrika zu sehen ist wohl das Bestreben aller, die einen solchen Tierpark befahren.

Etosha National Park Elefanten

Loewe im Etosha National Park

DIE GRENZE ENTLANG PADDELN

Es ist nichts besonderes, auf einem Fluss Kanu zu fahren. Wenn dieser Fluss aber ein Grenzfluss ist, ist das etwas anderes. Ich habe zu meiner Linken Namibia. Zu meiner Rechten Südafrika. So paddel ich theoretisch durchs Niemandsland des Orange River.

Mit Sonnenuntergang verschwanden auch die Wärmestrahlen. Pitschnass aus dem Kanu gestiegen blieb es an diesem Abend bei einem Traum von einer heißen Dusche.

Kanufahrt Fish River Namibia

Ausblick aus Zelt

Fish River Canyon in Namibia

SANDDÜNEN HOCH UND RUNTER

Ein Kind steckt doch noch in jedem. Und das kam beim Aufstieg auf den Dünenkamm zum Vorschein. Bestiegen wurde das Sternchen unter den Sanddünen der Namib Wüste. Sie wird Düne 45 genannt, da sie sich 45 km vom Nationalparkeingang im Gebiet Sossusvlei befindet.

Und scheinbar bleibt sie da auch. Das obwohl pausenlos Sandkörner durch die Luft geschleudert werden. Die Fußabdrücke sind nach Sekunden zugeweht. Und auch sonst erreichten die Körner jede denkbare und undenkbare Stelle.

Oben auf dem Dünenkamm hat man einen grandiosen Ausblick auf den großen Sandkasten der Namib Wüste. Nach ein paar fassungslosen Atemzügen muss man sich nun entscheiden – zwischen dem kurzen steilen Weg entlang der Leeseite der Sanddüne nach unten oder dem langen gemäßigten Weg der Luvseite.

Duene45 in Namibia

Duene45 in Namibia

Sandduene in Namib Wueste

ANGST UND BANGE

In Sesriem auf einem Campingplatz überraschte uns ein Sturm. Er kam bereits am Nachmittag und hatte keine Intention, sich über die Nacht vielleicht ein anderes Örtchen zu suchen.

Ich sehe mittlerweile nicht in jedem Routinebrecher mehr ein Problem. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es immer einen Ausweg aus brenzligen Situationen gibt. Nicht alles sind Probleme. Oft sind es Chancen oder Richtungsweiser.

Aber genug davon.

Nun, hier in Sesriem, einen kleinen Ort im Nirgendwo auf namibischen Boden, hatte ich also ein Problem. Es stürmte wie wild. Das Zelt stand schief. So schief, als hätte man es einmal am Zipfel eingezwirbelt. Meine Zeltnachbarin und ich schoben unsere schweren Rucksäcke in die Ecken des Zeltes. Und hofften. Ich hätte nicht ausschließen können, dass das Zelt weggeflogen wäre, sobald eine von uns nach draußen gegangen wäre.

Es ist eine Herausforderung, nachts halb 2 mit trägem Hirn einen Plan B zu entwickeln. Ich hatte Angst, dass der Sturm Äste gegen die Zeltwand wehen und gegen meinen Kopf treffen würden.

Als Zeichen unserer Beunruhigung musste der Tourguide am nächsten Morgen zugeben so eine wilde Nacht auch noch nicht erlebt zu haben.

Campingplatz in Sesriem

Alles in allem war Namibia für mich das aufregendste und vielfältigste Land der Reise durch Afrika.

Es ging Dünen hinauf und Schluchten hinunter. Am Rand des Fish River Canyons entlang und den Orange River flussab. Zebras überquerten den Weg und Elefanten sammelten sich um die Wasserstellen. Die Wüste erstrahlte feurig rot mit auf- und untergehender Sonne. Und die Wurzeln der Kameldornbäume des Dead Vlei boten surreale Landschaftsfotografien.

Namibia. Einfach unreal und unglaublich schön.

 

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6 Kommentare

  1. Wahnsinns Bilder! Danke. Da freue ich mich noch mehr auf Namibia.

    Hast du einen Tipp, welches Schuhwerk für den vielen Sand am besten geeignet ist oder an welche Ausrüstung man unbedingt denken sollte?

    Liebe Grüße
    DieReiseEule und Liane

    • Hi Liane,

      danke! Wann geht es denn nach Namibia? Und wirst du auf eigene Faust reisen oder mit einer Gruppe?

      Du steigst am besten die Sanddünen barfuß hinauf. In den Schuhen oder Sandalen häuft sich sonst nämlich der Sand und du machst es dir nur unnötig schwer. Für den Rest Namibias war ich froh über meine Trekkingsandalen. Da die Sandkörner in jede feine Ritze finden, musst du auch deine Kamera oder Handy schützen. Für die Sanddünen habe ich meine Kamera im Bus zurück gelassen und habe nur das Handy zum Fotografieren benutzt. Ich hatte eine Wasserschutzhülle dabei. Das vielleicht als Tipp. Und sonst den Sonnenhut oder ein Tuch für den Kopf nicht vergessen.

      Ich wünsche dir viel Spaß in Namibia. Du wirst es mögen.

      Schöne Grüße,
      Stefanie

  2. Ein schlechtes Gewissen, in Namibia jagdbares Wild zu essen (wie Zebras, Kudus usw.) hatte ich keines. Denn gerade weil ich die Tiere so frei herumstolzieren sehe, weiß ich, welchen Weg sie gegangen sind, bevor sie auf meinem Teller landeten. Keine Massenzucht, keine Antibiotikagaben, keine Mast. Was ist denn bei uns die Alternative, gequälte Hühner und Schweine, die wir aber bedenkenlos verspeisen, weil wir die Art ihrer Haltung nicht sehen können? Nein, meine Steaks habe ich mir in Namibia sehr gerne reingezogen 😉

    Viele Menschen in Namibia verstehen deutsch, zumindest teilweise, aber sie sprechen es nicht gerne, hatte ich den Eindruck (was man auch irgendwo verstehen kann, wenn man die koloniale Vergangenheit des Landes bedenkt). Es wird in der Regel Englisch gesprochen, vor allem wenn man als Tourist dort ist.

    Die Landschaften sind toll. Wart Ihr in Swakopmund? Eine auf den ersten Blick sehr deutsch wirkende Stadt und ein Wetter wie an der Nordsee… 😉

    Lg Kasia

    • Hey Kasia,
      stimmt, deine Gedanken, das Wild ohne Gewissensbisse zu essen, sind nachvollziehbar.

      Ja, in Swakopmund war ich auch. Eine Stadt, die plötzlich aus dem Nichts in der Wüste auftaucht. Schon wegen der unmittelbaren Strandnähe und der leckeren Brote im Supermarkt hat Swakopmund bei mir gepunktet. Nordseewetter? Ja, es war sonnig aber immer mal wieder wehte eine frische Salzbrise vom Meer.

      Danke für deinen Kommentar und schöne Grüße,
      Stefanie

  3. Hey 😉

    Die Bilder sehen klasse aus. War leider noch nicht in Namibia, aber bin jetzt schon sehr begeistert von dem Land. Gerade die Landschaft und die ganzen Nationalparks sollen atemberaubend sein. Mit der Natur verbunden, kann man dazu nur sagen. Finde es toll, dass Du dir so ein Land angeschaut hast. Gerade der Kontinent Afrika hat so viel von Kultur, Menschen, Persönlichkeiten etc. zu bieten, dass man gar nicht mehr weiß, welches Land man als nächstes bereisen soll 😉

    Auch die generellen Informationen finde ich klasse, die du in diesem Artikel eingebaut hast! Wirklich toll.

    Liebe Grüße,

    Joshua.

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