Mauritius und Backpacking – geht das?

Mauritius und Backpacking – geht das?

Mauritius. Da denke ich an blaue Lagunen, Palmen, die im 45 Grad Winkel zum Meer hinaus ragen, Segelboote, die im Sonnenuntergang verschwimmen, frische Shrimps und Cocktails auf der Hängematte. Das ist nicht unbedingt das, was sich mit Backpacking vereinen lässt. Oder doch?

Ich wollte es wissen. Ich wollte Mauritius als Backpackerin bereisen. Kann ich auf Mauritius mit einem geringen Budget leben? Was verbirgt sich hinter den 5 Sterne Ressorts? Und wie leben Einheimische? Wissen die eigentlich, dass sie im scheinbaren Paradies leben?

Sonnenuntergang in Grand Baie

MAURITIUS IST NICHT NUR SONNENSCHEIN

Angekommen im starken Gussregen realisierte ich schnell, dass Mauritius nicht nur Sommer, Sonne und Sonnenschein ist. Ich werde von einem Regenschauer erwischt und finde mich unter einer Plane mit ein paar Mauritianern wieder. Wir konnten kaum kommunizieren, aber ihre Herzlichkeit erfreute mich auch ohne Worte sehr.

Im Mai beginnt auf Mauritius der Winter. Es kühlt ab auf 25 Grad Tagestemperatur und die Strände sind dünn besiedelt.

Umso mehr schätze ich die Sonnenstunden und gehe auf Stranderkundung. Ich bevorzuge kleine Buchten mit einem Palmenmeer, vielleicht ein paar geparkter Motorroller und ein zwei Essensstände. Das Meer ist in kleinen Buchten besonders ruhig und zwischen den Bäumen bot sich ein perfektes schattiges Plätzchen um meine Hängematte aufzuhängen.

Mauritius Bucht

Hundeleben am Strand von Mauritius

 

MAURITIUS IST VIEL MEHR ALS NUR STRAND

Ein Strand wirkt doch viel lebhafter, wenn sich im Hintergrund die Silhouette eines Gebirges zeigt. Der Black Gorges National Park im Südwesten der Insel ist ein unheimlich grünes ruhiges Wanderparadies, in dem ich die ein oder andere Schlammwanderung bergauf und über Bächlein mitgenommen habe.

Unweit davon steigt Le Morne auf, ein riesiger steiniger Berg. Der Legende nach sollen sich Sklaven hier versteckt haben. Die Briten wollten ihnen mit Abschaffung der Sklaverein helfen, doch die Geflohenen konnten es nicht glauben und sprangen stattdessen in den Tod.

Black Gorges National Park in Mauritius

Affen im Black Gorges National Park

MAURITIUS UND WARUM SPRECHT IHR NICHT ENGLISCH?

Als bilinguales Land nahm ich an, dass auf Mauritius gleichermaßen Englisch als auch Kreolisch, eine abgewandelte Form des Französisch, gesprochen wird. Die Mauritianer pfeifen drauf und sprechen kreolisch untereinander.

Englisch wird als Fremdsprache in der Schule gelehrt. Wie gut das Englisch ist, variiert sehr stark. Ich spreche kein Französisch, was auch seine guten Seiten. So kann ich ohne schlechtes Gewissen die Tourguides, die mir etwas aufschwatzen wollen, am Straßenrand stehen lassen. Und bei Preisverhandlungen zählt ein Lächeln mehr als Tausend Worte in einer Sprache, die man nicht versteht.

Segelboote in Mon Choisy

 

WASH WASH – DAS LEBEN IM FISCHERDORF

Und dann warte ich an einer Bushaltestelle, wobei ich noch nicht einmal sicher bin, ob es überhaupt eine ist und hinter mir kommt ein Truck in Schrittgeschwindigkeit angerollt. Drei Jugendliche hocken hinter der Windschutzscheibe und der eine macht über ein Megaphone eine Ansage. Nur zwei Wörter. Sie machen Halt und ich frage sie, was sie da durchsagen. „Wash, wash“ ist die Antwort und ich darf nun rätseln. Es stellt sich heraus, dass sie Waschpulver verkaufen. Und da kommt auch schon eine Dame mit ein paar Scheinen aus ihrem Hof. In kleinen Orten wie diesem wird so etwas wohl gebraucht.

Mauritius Leben am Strand

Riesenschildkroete auf Mauritius

NETTE BLEIBE

Natürlich trägt zum Wohlfühlfaktor an einem Ort auch die Unterkunft bei. In Grand Baie hatte ich ein ganzes Apartment mit Terrasse für mich allein, gar nicht teuer. Und in Mahebourg wohnte ich in einem Zimmer mit Balkon und Meerblick für gerade einmal 18 Euro. Die Besitzer sind redselig, gesellig und vor allem hilfreich bei Preisverhandlungen. Und so wurde aus einem Frühstück schnell ein Brunch.

Unterkunft in Mauritius

 

BUSFAHREN IN MAURITIUS – EIN ABENTEUER

In Mauritius Bus zu fahren ist herrlich abenteuerlustig. Während ich mit GPS verfolge, wo wir lang fahren muss ich aufpassen, dass mir das Handy nicht aus dem Fenster fliegt. Es geht holprig voran. Aber so was von holprig. Es wird beschleunigt und abgebremst. Selbst auf den engen schlechten Straßen ist es möglich, dass zwei Autos und ein Bus nebeneinander passieren. Ich hab es miterlebt. Puh und nun steht auch für mich fest, dass ich mir hier keinen Motorroller ausleihen werde, so wie die hier fahren.

Bis auf die Tatsache, dass es keine Busfahrpläne gibt, sind die Busse dennoch sehr verlässlich. Sie fahren etwa alle 20 min von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Gezahlt wird nach dem Einsteigen beim Kassierer. Wie der das macht, ständig den Gang auf und ab zu laufen ohne gegen die Windschutzscheibe zu brettern, ist bemerkenswert. Das Abkassieren im Bus ist ganz praktisch, so kann ich in Ruhe meine Münzen zusammenkratzen während ich mich mit einer Hand an der Rücklehne des Vordersitzes festkralle. Eine Busfahrt kostet umgerechnet 0,60 bis 1 Euro.

Manche Busse spielen sogar richtig coole Musik – vielleicht, damit man das Rattern nicht so hört. Manchmal ertönt laute Musik auf den Straßen, ich schau von meinem Balkon und muss feststellen, dass es „nur“ ein Bus ist. Finde ich ganz herrlich. Und die Busse auf Mauritius haben witzige Namen, wie „The boss is back“ oder „Race Champion“.

Busfahren in Mauritus

 

HANS-MARKUS MIT RASTAZÖPFEN

In Mauritius scheint es, als ob jeder erwachsene Mann entweder Taxifahrer oder Tourenführer ist. Dieser hier war Tour Guide für Schnorchel- und Tauchausflüge und so kamen wir ins Gespräch. Er war keiner, der mir mit Ach und Krach eine Tour aufschwatzen wollte, sondern erzählte vielmehr, wie er dazu kam, was er jetzt tut. Und ich hörte aufregend zu:

Er sagte, man könne ihn irgendwo hier an der Nordwestküste von Mauritius mit verbundenen Augen tief ins Wasser lassen und er könne dir genau sagen, wo er sei. Er sagte auch, dass er nicht zur Schule ging, sondern in seinem Ranzen Schnorchel und Maske hatte und aufs Boot mit den älteren Fischermännern ging. Somit konnte er auch kein Englisch in der Schule lernen, aber das holte er am Strand nach. Die Küste von Grand Baie war quasi seine Lehrinstitution.

Er konnte auch ein paar Brocken Deutsch und sagte nach jedem Einwurf von mir „genau“. Ich fand es sehr amüsant. Und ja, er stellte sich mir mit Hans-Markus vor und bekam von mir einen Blick, den er wohl von jedem Deutschen bekommen hätte, der sich fragt, wie wohl dieser Dunkelhäutige mit Rastazöpfen zu diesem Namen kam. Das war natürlich nur ein Witz, aber meine Sympathie hatte er damit.

Und mit solchen schönen Momenten bleibe ich gern noch länger auf Mauritius.

Strand von Gabriel Island im Norden Mauritius

Mauritius und immer noch nicht genug! Im zweiten Teil über Mauritius geht es um die Gemütlichkeit, um Bekanntschaften und Erlebnisse als Helle unter den Dunkelhäutigen.

 

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