Mauritius und noch immer nicht genug

Mauritius und noch immer nicht genug

Im ersten Beitrag Mauritius und Backpacking – geht das? schreibe ich über holprige Busfahrten in Schleuderkarren, warum alle Mauritianer statt Englisch lieber Kreolisch untereinander sprechen und über meine Bekanntschaft mit Hans-Markus.

Meine Erlebnistour auf Mauritius geht weiter.

ES GLÄNZT NICHT ALLES

Als es auf dem Montagsmarkt in Mahebourg im Gedränge „Madame, madame, Stefanie“ ruft, reagierte ich erst gar nicht. Es rief mich eine kleine zierliche Dame, die ich zuvor im Bus von Port Louis getroffen habe. Sie hatte mir den Weg gezeigt und verkaufte nun selbst gemachtes Parfüm auf dem Markt. Es liefe heute nicht besonders gut, meinte sie. Heute Abend geht es für sie zurück nach Port Louis. Zwei Stunden mit dem Schleuderbus. Ich spüre die Armut in ihren Augen.

So ging es mir leider oft. In Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius, sind Obststände mit alten Lappen abgeschattet. Es stinkt. Es ist schmutzig und einfach viel zu viel los. Menschen leben in Hütten und die Höfe sind mit Asbestwellplatten abgetrennt. Immer wieder führt der Bus mich durch kleine Dörfer zwischen den Ballungszentren. Dahin, wo nur wenige Touristen finden. Dieser Teil wird in keinem Katalog bebildert, zeigt aber wohl das authentische Mauritius.

Markt Mauritius

verschlafenes mahebourg

MAURITIUS UND HIER BIN ICH EXOTIN

Dass ich mit blonden Haaren und heller Haut in den meisten Ländern als Touristin gelte, bleibt ohne Frage. Aber hier auf Mauritius steche ich wohl besonders heraus. Mir winken Kinder aus dem Schulfenster zu. Selbst im Gangplatz im Bus zeigen Kinder von der Straße aus auf mich. Ich kann an keiner Gruppe vorbei gehen, ohne dass ich angesprochen werde. Die meisten Gespräche zielen auf lokales Business ab: Massage, Touren- oder Kettenverkauf. Als Tourist muss man Geld haben.

Aus jedem der Gespräche habe ich bisher etwas mitgenommen, sei es ein lokaler Tipp oder ein Einblick in das Leben auf Mauritius.

Neulich saß ich mit einem Mauritianer meines Alters von Nachmittag bis in die frühen Morgenstunden am Strand. Er besitzt ein Foodtruck. So lief er am Strand mit der Speisekarte auf und ab um gebratene Nudeln und kalte Mojitos zu verkaufen. Wie sich später herausstellte war er sein eigener Chef und konnte sich mehrere Stunden zu mir gesellen ohne jegliches Bedürfnis, einen Zeitplan einhalten zu müssen.

Und so endete die Nacht in einer lokalen Disko. Ich war die einzige Helle, aber wie sagte es neulich ein Kettenverkäufer am Strand so schön? „Aber all unser Blut ist rot“.

Und langsam begriff auch ich, um unangenehme Bekanntschaften zu vermeiden, muss ich sagen, dass ich NICHT das erste mal hier bin, NICHT alleine reise und heute mein letzter Tag ist, ich genau weiß, wo ich hin ich möchte, die Schultern schön oben lasse und nett bleibe. Und so kann ich das Leben hier wirklich genießen.

Fahrt im Süden Mauritius

Bootsausflug auf Ile aux Cerfs

AUF EIGENE FAUST

Wie glücklich war ich, eine Reisebekanntschaft zu finden, die genau wie ich tickt: Wir nahmen den lokalen Bus und fuhren in ein verschlafenes Dörfchen. Dort fragten wir einen Fischermann, ob er uns nach Ile aux Cerfs bringen kann. Das ist eine populäre Insel mit weißem Sandstränden nahe der Ostküste Mauritius. Mit Reis und Hähnchen von der Mutter des Fischermanns zubereitet im Gepäck ging es los. Und so sparte ich im Vergleich zu den pauschalen Tourenanbietern zwei Drittel ein. Je weiter man sich auf der Insel von der Bootsanlegestelle und dem Treffpunkt für Wassersport entfernt, desto verlassener werden die Buchten. Unheimlich schöne Entdeckung! Und zurück geht es braun gebrannt.

Blue Bay Mauritius

Bungalows auf Ile aux Cerfs

ETWAS GEMÜTLICHKEIT

Erfolgreich den Hausmeister von der Arbeit abgehalten. Und ich stelle fest, dass ich immer diejenige war, die meinte, sie müsse dann mal wieder weiter. Nie hörte ich von meinem Gegenüber, er müsse jetzt aber mal wieder ran an die Arbeit, denn er hätte einen straffen Zeitplan. Ich habe das Gefühl, dass sich gern die Zeit für eine Plauderei genommen wird. Viele sind an Deutschland interessiert, wollen die eigene Kultur weitergeben und ihr Englisch üben.

Trotz aller Gemütlichkeit arbeiten die Mauritianer hart für ihr Geld.

Und wenn ich abends von meinem Balkon in einen Hinterhof schaue, wo fünf junge Männer auf einer alten Bank die Karten klatschen, dann fahre ich selbst auch gleich einen Gang runter. Die haben einen riesigen Spaß. Ich kann sie sogar noch in meinem Zimmer lachen hören.

Wasserfront von Mahebourg

Le Morne Restaurant

SONNTAG IST RUHETAG

Es ist Sonntag und die Geschäfte schließen hier in Mahebourg zum Mittag. Ich laufe durch die Straßen und kann meine eigenen Schritte hören. So ruhig ist es! Kaum eine Seele auf der Straße. Ich finde es toll, dass der Tourismus das Städtchen noch nicht unter Kontrolle hat. Der Sonntag ist hier der Familie gewidmet. Und ich weiß, jetzt ist es auch für mich Zeit, das zu tun, was scheinbar alle tun: Heim gehen und die Füße hochlegen.

Strassen von Mahebourg

Grand Baie Mauritius

WAS MACHT MAN DREI WOCHEN AUF MAURITIUS?

Nicht jeden Tag habe ich einen exorbitanten Ausflug gemacht. Ich habe lange Gespräche mit den Mauritianern geführt, die Sonne am Strand genossen, den Wellen zugeschaut, lange gefrühstückt, die Brise an der Wasserfront genossen, viel gelesen und geschrieben und in der Hängematte unter Palmen geschaukelt. Der Weg ist das Ziel, oder?

Beobachten. Nachfragen. Entdecken. Erinnerungen erzeugen. Genießen.

Wer mit geringen Budget reisen möchte, muss Zeit mitbringen.

Schnorcheln im Blue Bay

Sonnenuntergang in Grand Baie

ES SIND DIE ORTE, MIT DENEN WIR ETWAS BESONDERES VERBINDEN

Und wie sagte es mir ein reiseerfahrener älterer Neuseeländer: Es sind nicht die Orte, die du schlicht bereist, die dir in Erinnerung bleiben, sondern die Orte, mit denen du etwas Besonderes verbindest. Sei es das Gespräch mit einem Fischermann, ein exotischer Cocktail am Strand oder ein überraschender Regenschauer, in dem du dich plötzlich unter einer Plane hockend mit Einheimischen wiederfindest.

Und so waren es besonders die Menschen, die ich getroffen habe, die mir einen Einblick in ihr tägliches Leben auf Mauritius verschafft haben.

Zum Weiterschmökern:

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