Alleine reisen als Frau, aber was ist mit Sicherheit?

Alleine reisen als Frau, aber was ist mit Sicherheit?

Alleinreisende Frauen kommen auf langen Reisen manchmal in eine Situation, in der sie sich mulmig fühlen. Manchmal erleben wir Dinge, die wir Daheimgebliebenen vorerst verschweigen. Denn alle wissen es vorher besser: „Ist das nicht gefährlich, ganz alleine als Frau zu verreisen?“.

Julia Stürzl ist eine der vielen Frauen, die es bevorzugen, alleine durch die Welt zu geistern. Julia ist Gründerin des Online-Magazins „RucksackPack“, auf der sie über die Herausforderungen und Besonderheiten des Backpackings schreibt. Für Comfortzoneless hat Julia diesen Gastartikel geschrieben. Aus eigenen Erfahrungen weiß sie, welche Hürden und Ängste alleinreisende Frauen beschäftigen. Vielen Dank, liebe Julia. Ich hoffe, diese Tipps nehmen die ein oder andere Befürchtung für Frauen (und Männer) da draußen, denen das Abenteuer des Reisens in den Fersen kitzelt.

 

BIST DU ANNIKA ODER PIPPI LANGSTRUMPF? ALLEINE REISEN ALS FRAU

Um die Welt reisen ist immer ein Abenteuer – alleine und als Frau noch viel mehr. Natürlich hängt die Sicherheitslage für allein reisende Frauen stark von dem Ort ab, den sie besuchen wollen – nicht zuletzt von der dortigen Kultur, Politik und Stellung der Frauen. Und so gerne wir Frauen auch reisen, so unabhängig und mutig wir sind, so viel Erfahrungen wir bereits haben mögen – auch uns überkommt manchmal etwas Angst bei dem Gedanken, was alles passieren könnte. Manchmal fühlt man sich eben eher wie Annika und nicht so mutig wie Pippi. Deswegen hier ein paar Tipps, wie ihr euch unterwegs sicherer fühlen könnt.

Julia Stuerzl von rucksack-pack
©Julia Stürzl von RucksackPack

 

DER INNERE ALARMCODE

Aufmerksam sein und auf das Bauchgefühl hören, ist das A und O auf einer Reise. Statt mit Kopfhörern seiner Wege zu gehen, sollte man mitbekommen, was um sich herum geschieht – gerade abends. (Abgesehen davon will man auf einer Reise doch sowieso aufmerksam erleben oder?) Wenn du dich unwohl fühlst, schließ dich lieber einer Gruppe Menschen an, ruf ein Taxi oder geh in ein Restaurant oder eine Bar. Gerade wenn du neu in einer Stadt oder einem Land bist und noch kein Gefühl dafür hast, wie sicher es ist, solltest du dich erst einmal in Ruhe einleben und die eruieren, was sicher ist und was nicht.

 

SICHERHEITSZONE

Um Ärger möglichst von vornherein zu vermeiden, sollte man sich vorher informieren, welche Gegenden sicher, welche zu meiden sind und welche Verhaltensregeln in einem Land herrschen. Das sollte man aber aus Respekt vor der dortigen Kultur sowieso tun, nicht nur als Frau. Generell sollte man dunkle, einsame Ecken wie Parks und Unterführungen eher meiden.

 

DIE RICHTIGE AUSRÜSTUNG

Hier scheiden sich die Geister. Aber in Situation, in denen ich mich nicht wohlfühle, beruhigt es mich, einen Alarm (elektronisch oder Pfeife), ein Pfefferspray oder wenigstens ein Sprühdeo in der Tasche zu haben. Auch wenn du es nicht benötigst, wirkst du dadurch selbstsicherer – und es ist gleichzeitig ein gutes Abwehrmittel gegen wilde Hundemeuten, die beispielsweise in Asien oder Kuba in riesigen Rudeln herumlaufen (wobei sie auf Kuba erstaunlicherweise sehr zahm sind.)

 

KLEIDERSITTEN

Funktionale Kleidung, die nicht zu knapp ist – gerade in muslimischen Ländern. Das ist zum einen respektvoll gegenüber der lokalen Kultur und wer sich wohl fühlt, strahlt das auch aus. Wer kein Problem damit hat, eventuell begafft und angesprochen zu werden, kann natürlich tragen was er will. Man sollte allerdings auf protzigen Schmuck verzichten, oder ihn zumindest nicht sehr offen tragen, denn das weckt Begehrlichkeiten für Diebe.

 

DIEBSTAHL VERHINDERN

Auch wenn du natürlich beim Sightseeing abgelenkt bist – hab immer ein Auge auf deine Wertsachen, die sicher verstaut sein sollten. Von Brustbeutel bis Gürteltasche oder in die Schuhe stecken – hier gibt es viele Möglichkeiten und Tools. Diebe haben allerdings sehr freche Tricks parat, wie sie dich ablenken können und schwupps – schon ist die Kamera weg, die eben noch ums Handgelenk hing. Faustregel: Habe nie Wertsachen im Rucksack, mach immer deine Tasche zu und gerade im Gedränge – AUGEN auf!

 

DER RICHTIGE AUFTRITT

Wenn ich mich nicht sicher fühle, versuche ich erst recht, selbstbewusst aufzutreten und das auch nach außen zu zeigen. Natürlich sollte man keine Konfrontation suchen, aber klarmachen, dass man kein leichtes „Opfer“ ist. Als ich alleine in Namibia war, gab es auch einige Situationen, die etwas komisch waren. Ich habe dann einfach meine Sonnenbrille aufgesetzt und auf „tough“ gemacht. Mach klar, wo deine Grenzen sind. Sag Nein! Trag einen Fake-Ehering am Finger, das wirkt oft Wunder. Wenn dir etwas unangenehm und jemand zu aufdringlich wird, versuch nicht aus Höflichkeit darüber hinweg zu lächeln, sondern wehr dich!

 

VORSICHT BEIM FEIERN

Trink auf Partys nicht zu viel und hab dein Getränk immer in Sichtweite. Nur so kannst du sicherstellen, dass du keine K.O. Tropfen verabreicht bekommst. Auch beim Flirten solltest du aufpassen, denn in anderen Ländern weißt du nicht hundertprozentig, wie Männer darauf reagieren. Für manche ist das vielleicht schon eine Einladung zum Sex. Wenn du schon etwas beschwipst bist, nimmt lieber ein Taxi nach Hause oder bestell es dir direkt vor den Club.

 

REISEDOKUMENTE

Es ist sehr nützlich, eine zusätzliche Kopie deiner wichtigen Dokumente wie Reisepasses, Führerscheins etc. dabei zu haben. Schick dir außerdem noch eine eingescannte Version davon auf dein Mail-Programm. So bekommst du im Notfall schneller einen Ersatz ausgestellt.

 

WICHTIGE NOTFALLRUFNUMMERN WISSEN

Hab immer dein Handy dabei und speichere wichtige lokale Nummern wie Polizei, Krankenwagen ein, um sie schnell griffbereit zu haben.

 

EIN PAAR WICHTIGE WÖRTER LERNEN

Wie „Nein“ oder „Hau ab“ oder „Ich habe einen Freund“

 

NICHT ZU VIEL NACHDENKEN!

Zu guter Letzt gilt die Faustregel: Nicht zu viel über die „Wenns“, nachdenken, sondern einfach tun. Die vielen gut gemeinten, aber entmutigenden Warnungen in den Wind schlagen und losfahren. Das haben schon ganz andere Frauen vor euch geschafft.
Verhaltet auch einfach vernünftig – so wie eben auch zu Hause. Und vergesst bei aller Vorsicht den Spaß nicht! Ihr werdet während der Reise von euch selbst mehr als einmal positiv überrascht sein.

Natürlich gibt es auch viele Vorteile des Alleinereisens. Davon dann nächstes Mal mehr!

Julia Stürzl von RucksackPack

 

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6 Kommentare

  1. Pingback: BIST DU ANNIKA ODER PIPPI LANGSTRUMPF? ALLEINE REISEN ALS FRAU | RucksackPack

  2. Das ist witzig. Grade schrieb ich auf Bloggerherz über das gleiche Thema 🙂

    • Liebe Marion,
      deinen Beitrag habe ich mir gleich mal durchgelesen. Erfahrung kann man nicht genug teilen und Tipps nicht genug geben. Ich hoffe, dass sie viele Reisende erreichen.
      Ich finde es toll, dass du den Jakobsweg alleine gepilgert bist. Ich finde es wirklich klasse. Gegenstimmen wird es immer geben. Ich freu mich für dich, dass du gepilgert und damit neue Lebenseinsichten gewonnen hast.

      Viele schöne Grüße,
      Stefanie

  3. Hmmm, interessant! Ich reise schon sehr lange als Frau alleine, viel in China und auch schon mal ganz lange: 1991/92 18 Monate durch Asien. Die meisten deiner Tipps sollte man auch bedenken, wenn man zu zweit oder mehr reist. Ich habe niemals Pfefferspray oder sowas dabei gehabt und bin auch sehr dagegen. Es bringt einem eine falsche Sicherheit, auf die man sich nicht verlassen sollte. Ich habe eigentlich nie Angst um meine Sicherheit unterwegs gehabt. Der wichtigste Tipp ist, sich nicht so viele Gedanken drum zu machen. Das große Kopfkino kann einem die Reise ziemlich versauen.Wenn du magst, kannst Du ja mal gucken, welche Sicherheitsmaßnahmen mir sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen sind Und warum ich gegen Pfefferspray bin: http://bambooblog.de/2015/06/26/10mal-sicherheit-fur-unterwegs/
    Happy and Safe Travels!
    Ulrike

    • Liebe Ulrike,
      dass du die Reiseleidenschaft im Herzen trägst und lang und oft alleine in der Welt unterwegs bist, habe ich gewusst. Daher einen großen Dank, dass du deine Erfahrungen hier teilst.
      Mit dem Pfefferspray schneidest du einen wichtigen Punkt an. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man sich ganz gut damit beruhigen kann, es dabei zu haben. Aber wie du schon schreibst, wird man in der Sicherheit etwas nachlässig und geht vielleicht das ein oder andere Risiko ein – denn man hat das Spray ja dabei. Wirklich guter Punkt!

      Ich wünsche dir weiterhin schöne und sichere Reisen,
      viele Grüße,
      Stefanie

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