Gegrillte Grillen – Insekten in Asien richtig essen

Gegrillte Grillen – Insekten in Asien richtig essen

Für immerhin ein Drittel der Weltbevölkerung sind Insekten eine Delikatesse und für ein weiteres Drittel ist unvorstellbar, das zu essen, was auf dem Boden krabbelt. In Europa gibt es offenbar Vorurteile – oder nennen wir es Nachholbedarf.

Also ran an die Heuschrecke!

 

Meine erster Insekten-Snack

Es war einmal in einem kleinen Hostel in Koh Lanta. Der lässige brasilianische Backpacker klopfte mir auf die Schulter und meinte, wir essen an diesem Abend Insekten. Einfach so. Aus dem Nichts. Also entgegnete ich ihm: „OK“. Einfach so. Ganz ungeplant und ungeniert.

Wenig später stand ich auf dem Food Market vor knusprigen Tausendfüßlern und gegrillten Grillen. Ich durfte noch nicht einmal ein Foto von dem Stand machen. Fürs Fotografieren muss man bezahlen. Dann konnte ich auch welche kaufen: Von jeder Sorte so zwei oder drei. Ohne das brasilianische Gemüt, wäre ich selbst nie auf die Idee gekommen.

 

Warum Insekten essen?

Gesättigt haben sie nicht, die Maden und Mehlwürmer. Dafür hätte ich ein paar mehr essen müssen. Als Vorspeise oder Snack sind sie unheimlich knusprig und gewürzt. Unters Omelett gehoben oder übers Nudelgericht gestreut stellen sie eine Hauptmahlzeit dar.

Speiseinsekten sind eine hochwertige Proteinquelle. Sie enthalten Omega-3-Fettsäuren, Zink und Eisen. Reich an Ballaststoffen sind Käfer und Termiten.

 

Warum werden Insekten in Europa so selten gegessen?

Wir leben auf einem Breitengrad, wo Frost und Kälte diese Krabbeltiere abtötet. Vielleicht ein Grund, warum sie bisher nicht auf unserer Speisekarte stehen. In Südamerika und Südostasien gibt es Insekten aufgrund des Klimas das ganze Jahr über.

Und wenn sie dann in den Sommermonaten hervorkommen, sind sie nervig. Kaum vorstellbar, sie auf dem Teller zu haben. Sie sind eklig und schmutzig. Eben das, was Essen nicht ist. Und schon gar nicht eine Delikatesse.

Insekten sind ein Nahrungsmittel, was von der ärmeren Bevölkerungsschicht in der Zeit einer Hungerperiode konsumiert wurde und immer noch wird. Nichts für uns westliche Vielfraße. Wir gehen in den Supermarkt und packen ein, auf was wir Appetit haben.

Aus dem Warenüberangebot greifen wir lieber zu roten Gummibären, grüner Götterspeise und blauer Donutglasur. Künstliche Aroma- und Farbstoffe sind immer noch besser als die Grille aus der Natur.

Wie werden Insekten zubereitet und gegessen?

Touristen, die vor dem thailändischen Insektenverkäufer stehen, wollen wissen, wie die Krabbeltiere genießbar gemacht werden.

Die Insekten:

  • werden gewaschen und gekocht, bis ihr Inneres fest ist und sie deshalb in der Pfanne nicht platzen
  • werden nach dem Kochen in der Pfanne oder im Wok mit Öl ein paar Minuten angebraten
  • können auch mithilfe eines Siebes frittiert werden
  • können auf dem Grill am Spieß oder einzeln geröstet werden
  • werden mit Soja-Sauce, Chili oder Salz gewürzt
  • können mariniert, eingelegt, schokoliert und honigglasiert werden
  • gibt es entweder in einer Tüte To Go oder in einem Becher zum Sofortverzehr

Und so werden Speiseinsekten gegessen:

  • mit den Fingern oder einem Stäbchen zum Aufspießen
  • Maden gibt’s am Spieß
  • bei der Riesenwasserwanze zunächst die harten Flügel entfernen um an das Fleisch zu gelangen
  • Mehlwürmer und Maden kann man ohne zu kauen schlucken

Am besten vor dem Verzehr den Verkäufer oder andere Insider fragen, welche Teile des Insekts essbar sind, wie es schmeckt und wie man es isst.

 

Wo kann man Insekten essen?

Speiseinsekten werden in speziellen Farmen gezüchtet und an Zwischenhändler weiterverkauft. Von denen beziehen die Straßenverkäufer in Thailand, Kambodscha und China die Heuschrecken, Grillen und Käfer. An mobilen Verkaufsständ des Motorbikes wird eine kleine Auswahl angeboten, die schon ausreicht, um uns bei der Entscheidung nicht zu überfordern. Ein tieferes Sortiment gibt es auf Food Markets in Südamerika, Afrika und Südostasien.

mobiler Verkaufsstand auf zwei Rädern
mobiler Verkaufsstand auf zwei Rädern

Übertragen die Insekten Bakterien oder enthalten sie Gift?

Die Frage nach den Zuchtbedingungen an den thailändischen Verkäufer kann man sich sparen. Gerade an asiatischen Verkaufsständen weiß man nicht, wo die Insekten herkommen, wie lange sie schon lagern und welche Arten das genau sind.

Es gibt mehr als 1.400 essbare Insekten. Vertraue auf die Einheimischen, die täglich auf den Food Markets einkaufen. Du bist ja nicht in der Wildnis gestrandet und musst ums Überlegen ringen und stellst dir die Frage, welche dieser krabbelnden Tierchen essbar sind und du übers Feuer halten kannst.

Beschränke dich auf Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen. Die kannst du problemlos essen.

Zu beachten ist:

  • rohe Insekten können Fadenwürmer übertragen, die durchs Kochen oder Frittieren abgetötet werden
  • schwarze Skorpione enthalten Gift im Stachel, den man vor dem Verzehr entfernt
  • bei außergewöhnlichen Insekten im Restaurant nach der Zubereitungsart fragen (Es gibt einen Grashüpfer Zonocerus variegatus, der in Westafrika vorkommt. Dieser speichert das Gift, das er über Pflanzen aufnimmt. Beim Zubereiten wird der Grashüpfer daher in Wasser erhitzt und dann das Wasser ausgetauscht um ihn zu kochen.)
  • bei Allergie auf Schaltentiere sollte man auf Speiseinsekten verzichten

Dein Essen ist nicht mein Essen. Drunter fallen für mich die Grillen und ihre Freunde. Neben diesem Artikel gibt es noch mehr kulinarische Exoten in Florians Blogparade, an der dieser Artikel teilnimmt.

 

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7 Kommentare

  1. Sehr mutig von dir! Aber du hast recht, Insekten sind für uns oft noch eine große Hemmschwelle, obwohl sie in anderen Kulturen zur alltäglichen Nahrung zählen. Du scheinst dich sehr gut informiert zu haben und deine Tipps sind wirklich interessant. Ein toller Beitrag! 🙂

  2. Wahre Worte. Wenn wir mehr auf Insekten, statt auf Rind, Schwein, Soja etc. als Proteinquelle setzen würden, wäre der Umwelt sehr geholfen.

    Der anerzogene Ekel ließe sich vielleicht durch schlaue Produkte vermeiden, z.B. ist es ja beim Hackfleisch nicht wirklich wichtig, was das für ne Fleischsorte ist. Ebenso auf der Pizza z.B.

    Auf der Expo in Mailand waren einige coole Insektenprodukte ausgestellt (aus Thailand):
    http://www.flocutus.de/expo-2015-mailand/#Mein_Highlight_Insekten_als_Future_Food

    • Hi Florian,
      du meinst, ein paar Grillen auf die Pizza gestreut und mit Käse gekonnt überdeckt? Das wäre doch ein Ansatz!
      Das Auge isst immer mit. Und damit kommt der Ekel. Nach der ersten Überwindung ist der aber auch weg.

      Viele Grüße,
      Stefanie

  3. Pingback: Reise-Food: Dein Essen ist nicht mein Essen! - Blogparade

  4. Also ich hab als Kind auf der Terrasse mit meiner Schwester ja auch so die ein oder andere Ameise verzehrt..aber ich weiß ja nicht. Klar, andere Länder, andere Sitten und ich hab in Mexico auch schon Insekten in Chips-Form (ich weiß gar nicht mehr, was es war..) verdrückt, aber so? Hmm.. 🙂

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