Garage Sale – Wie funktioniert das in Amerika und warum gibt’s das in Deutschland nicht?

Garage Sale – Wie funktioniert das in Amerika und warum gibt’s das in Deutschland nicht?

Oft schlendere ich in Amerika über einen Garage Sale. Eine der tollen Sachen, die ich in Amerika mag aber die in Deutschland nicht genauso funktionieren. Warum ist der Garage Sale in den USA so beliebt?

Def. „Garage Sale“:   öffentliche Veranstaltung zum Verkauf von gebrauchter Ware durch Privatpersonen

Der Garage Sale, wie man ihn heute von Amerika kennt, hatte seinen Ursprung in Schiffswerftanlagen. Dort wurde um 1800 unzustellbare Fracht günstiger vertrieben. Anfang 1900 begann man in Gemeindehäusern und Kirchen zu verkaufen. Oft für einen wohltätigen Zweck. Man nannte es damals „rummage sale“, also Ramschverkauf. Seit den 1950ern zogen viele Menschen in Vorstadthäuser. Ein eigenes Grundstück mit Garage und Vorgarten bietet einen Garage oder Yard Sale regelrecht an.

 

Warum ist ein Garage Sale in den USA so üblich?

Beim Frühjahrsputz wird geordnet, gesäubert und ausgemistet. Kleidung, Postkarten, Geräte und anderer Krimskrams, der zu schade zum Wegschmeißen ist, bietet man anderen an. Amerikaner ziehen oft und gerne um. Mit einen „moving sale“ wird der Krempel verkauft, der nicht mit ins neue Heim gebracht werden soll. Andere nehmen sich einen minimalistisch Lebensstil vor und wollen loswerden, was loszuwerden ist.

Fundraising wird in den USA großgeschrieben. In Deutschland ist es zu vergleichen mit dem Kuchenverkauf beim Kinderreiten, dessen eingesammeltes Geld dem Reitverein zu Gute kommt. So werden Yard Sales veranstaltet um die eingenommenen Kröten zu spenden.

 

Mehr als nur ein Flohmarkt?

Der Garage Sale ist mehr als nur Verkauf von Ware. Es ist eine Veranstaltung. Oft schließen sich ganze Straßen oder mehrere Straßenblöcke zusammen. Manche Verkäufer bieten Kaffe und Muffins an. Eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und nicht mehr benötigte Sachen in andere glückliche Hände zu geben ist vordergründig. Man unterhält sich. Man hat Freude. Und man ist den Krempel los.

 

Wie organisiert man einen Garage Sale?

Wie auf einem klassischen Flohmarkt auch, wird alles sortiert, geordnet und aufgestellt. Ob man die Sachen auspreist oder spontan nach Käufer und Tageszeit die Preise variiert, bleibt bei jedem selbst.

Aufgebaut werden die Sachen in und um die Garage, auf dem Hof, unter dem Carport, in der Einfahrt – wo Platz ist. Es ist Geschmackssache, ob man auch ins Haus selbst einlädt. Für mich hat es den Anschein eines Verkaufsladens. Das soll der Garage Sale ja gerade nicht sein.

Ob eine Genehmigung benötigt wird, kommt auf Wohnort und Häufigkeit des Garage Sales an. Es macht Sinn, sich mit Nachbarn zusammen zu schließen um das Angebot zu vergrößern und Synergien zu nutzen.

Den Garagenverkauf bekannt zu machen, funktioniert immer noch old school am besten: auf ein Stück Pappe „Garage Sale am …. von … bis…“ schreiben und im Umkreis aufhängen. Zeitungsannoncen oder lokale Fernsehsender eignen sich sehr gut, um den Verkauf anzukündigen.

 

Warum verkauft man nicht online?

Der Garage Sale hat Tradition. Sowohl Verkäufer als auch Flohmarktgänger wollen handeln, das „bargaining“. Käufer, die nach Seltenem und Außergewöhnlichem suchen, werden hier fündig. Für die early birds ist es die Gelegenheit, bereits vor dem eigentlichen Beginn des Verkaufes Raritäten abzustauben. Im Onlineshop fehlt eben die haptische Wahrnehmung.

 

Würde ein Garage Sale in Deutschland funktionieren?

Hierzu muss man die Straßen- und Baustruktur analysieren. Die amerikanischen Vororte sind aus der Vogelperspektive wie ein Gitternetz angeordnet. Die Straßen verlaufen parallel. Der Garage Sale auf dem Grundstück lässt sich leicht finden. Und auch auf verkaufende Nachbarn hat man gute Einsicht. Die typisch amerikanischen Häuser haben eine überdachte Veranda. Sie ist meist zur Straßenseite gerichtet und eignet sich neben dem Garten an sich gut für den Verkauf.

Auf deutschen Grundstücken befindet sich die Terrasse, der Garten oder der Carport oft versteckt hinter dem Haus. Wir wollen ja unsere Ruhe haben. Ist ja privat. Zudem verlaufen die Straßen krumm. Sie verknoten sich und Sackgassen stoppen uns. Das ist schon wieder viel zu kompliziert, den Yard Sale zu finden. Dann lassen wir es lieber gleich.

Rein bürokratisch gesehen, ist in Deutschland ein solcher privater Flohmarkt auf dem Grundstück erlaubt. Solange der Garagenverkauf nicht regelmäßig stattfindet und eine Gewinnerzielungsabsicht nicht im Vordergrund steht, wird keine Gewerbeanmeldung benötigt.

 

Ein Flohmarkt auf 690 Meilen

Der längste Yard Sale der Welt ist der 127 Corridor Sale in den USA. Von Michigan nach Alabama gibt es auf mehr als 1.100 km Stände zum Stöbern. Der Yard Sale schließt insgesamt sechs Staaten ein. Vom 3. bis 6. August 2017 ist es wieder soweit.

 

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