Gambling in den USA – der Spielwahnsinn

Gambling in den USA – der Spielwahnsinn

Einer meiner ersten Ausflüge nachdem ich mir mein Nest in New York im vergangenen Jahr eingerichtet hatte, führte nach New Jersey, wo ich auch in Atlantic City Halt machte. Kollegen fragten mich, ob ich denn gern in Casinos gehe? Naja, eigentlich lag Atlantic City nur sehr günstig für eine Übernachtung auf meiner Strecke.

Ob ich Spielen mag? Ich weiß es nicht.

Antworte ich „Nein“, bin ich dann langweilig? Unmodern? Übervorsichtig? Beklommen?

Antworte ich „Ja“, könnte man vielleicht schlussfolgern, ich sei spielsüchtig, naiv und wüsste weder mit meinem Geld noch mit meiner Zeit umzugehen.

Ich war zwiegespalten. Man hört ja diese Geschichten von einst angesehenen Leuten, die Haus und Hof verspielen und schließlich pleite und einsam den Abgrund hinunter rauschen. Ein anderer Teil von mir wollte wissen, was sich hinter den Drehtüren dieser schrillen Fassade befindet. Ich ging die Spielsäle entdecken und plauderte mit Spielern unterschiedlicher Lebensbahnen.

Was ich feststellte: Gambling, das Glücksspiel, gehört zur amerikanischen Entertainment-Kultur. Für ein Wochenende nach Las Vegas zu fliegen mit der alleinigen Absicht, zu zocken, ist nicht untypisch.

Und seit Vegas weiß ich, Gambling kann Spaß machen und Soloreisenden einen unterhaltsamen Abend bereiten. Aber Gambling lässt auch Zeit und Ort vergessen und kann leicht verführen.

Cashier zum Einlösen der Gewinne beim Spielen

 

AUS SALOONS ENTSTAND DIE CASINOKULTUR

Mit den Britischen Kolonien wurde das Gambling in die USA gebracht. Kleine Lotterien sollten dazu verhelfen, Geld zu sammeln um Schulen und Universitäten finanziell zu unterstützen. Spielautomaten fanden schnell große Beliebtheit. Die Entertainmentkultur wuchs. Spielermekkas entstanden in Mississippi, Atlantic City und Las Vegas.

Was einst die Saloons im Wilden Westen waren, in denen sich Reisende trafen, austauschten, zusammen Schnaps tranken und miteinander Wetten eingingen, sind heute die Casinos. Nicht mehr nur steht das Spielen als Alleinbeschäftigung im Vordergrund. Casinos bieten weit mehr Unterhaltungsprogramm. Sie sind meist Hotels angebunden, sodass man noch nicht einmal mehr einen Schritt nach draußen setzen muss, um die Spielkultur zu leben.

 

GLÜCKSSPIELE IN DEN USA (EINST) VERBOTEN

Glücksspiel ist in den USA verboten. Mit der Großen Depression wurden einige Arten des Spielens legalisiert, um weitere Einnahmequellen zu schaffen. 1931 wurde das Glücksspielverbot in Nevada aufgehoben. Las Vegas entwickelte sich zum Zentrum des Spielens. Der Staat profitiert übrigens durch Steuereinnahmen und Lizenzen, welche die Casinobetreiber bezahlen müssen.

Nevada und Louisiana sind heute die einzigen zwei US-Staaten, in denen Casinospiele erlaubt sind. In Mississippi und New Jersey sind legale Casinoglücksspiele auf Regionen beschränkt, wie Atlantic City oder Tunica. 1976 wurde das Spielverbot auch für Atlantic City aufgehoben. Von da an entwickelte sich die Stadt in ein Touristenzentrum. Einst eine glanzvolle Casinostadt, geriet Atlantic City seit den letzten Jahren in Schwierigkeiten und wurde zahlungsunfähig.

Casino von Innen in Las Vegas

 

CASINOKULTUR IN DEN USA HEUTE

Casino und Glücksspiel verbinden Amerikaner mit Spaß und Unterhaltung. Wo einige den Ausgleich zum Alltag in der Natur finden, buchen andere ein Ticket nach Vegas.

Den einarmigen Banditen oder einen Knopf zu betätigen vermitteln leicht den Anschein, wir hätten Kontrolle über das Ergebnis. Und schnell machen wir uns selbst etwas vor: „Noch fünf Spiele. Noch fünf Minuten. Noch fünf Dollar.“

Und spätestens wenn der Kartengeber beim Blackjack aktiv wird, spüre ich auch als Nichtbeteiligte die (An-)Spannung. Familien, Freunde oder Fremde spielen am Roulette oder Poker gemeinsam, erheitern sich, triumphieren oder trauern auch Mal gemeinsam.

In den Spielstätten kommen Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsstrukturen und Werdegänge zusammen. Das mich Casinos zu einem sehr magischen Ort.

Casinos sind heutzutage oft an Hotels oder Ressorts geknüpft, welcher gesellschaftlicher Mittelpunkt darstellt. Manchmal finden Komödien, sogenannte Stand-up-Comedy, in den Spielsälen statt, ein DJ legt auf oder Sportevents werden übertragen. Alkohol wird oft kostenfrei ausgeschenkt. Ladys kommen mit offenen Zigarettenkoffern vorbei und rufen „Cigarettes? Cigars?“. Man muss den Spieltisch nicht verlassen. Das kann auch fatal sein.

Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas

 

DER TYPISCHE CASINOGÄNGER

Gibt es den klassischen Casino-Typ? Mich überraschte, Menschen jeden Alters, jeder Nationalität und jeder Beschäftigung vertreten waren. In Las Vegas spielen Omis an den Spielkonsolen neben Flitterwochenpärchen, Geschäftsleuten und Obdachlosen.

Ich erinnere mich an einen mittdreißigjährigen Junggesellen aus Idaho, der mit Bruder und Eltern für ein paar Tage aus dem Landleben in die Spielwelt eintauchte. So interessant wie ich seine Beweggründe fand, fand er auch das Gespräch mit mir und schob mir einen 20er in meinen Automaten, nachdem ich betonte, dass mein Limit für diesen Abend aufgebraucht ist und ich gehen werde.

Nicht selten wandern Familien mit jungen Kindern durch die Casinos. Das Glücksspiel ist in den USA ab 21 Jahren erlaubt. Da in den Casinos Alkohol ausgeschenkt wird, ist der Aufenthalt in den Casinos auch erst ab dem gesetzlichen Mindestalter gestattet. Für das Betreten der Casinos herrrscht keine Altersbeschränkung, da Casinos oft der Durchgangsbereich zum Hotel sind. Setzt man sich an einen Spieltisch oder an ein elektronisches Spielgerät, so muss man aber mindestens 21 Jahre alt sein.

 

SPIELERMEKKAS IN DEN USA

Las Vegas ist das Spielerparadies der USA. Im Downtown entlang der Freemont Street befindet sich das alte Spielzentrum – das klassische Sin City. Der Bauboom der Hotels setzte sich um den Strip fort. Hotels bieten nicht nur Spielautomaten, sondern Restaurants, Kinosäle und Shoppingmeilen, sodass man nie ans Tageslicht muss. Auch in Nevada befindet sich ein weiterer bekannter Ort für Spieler: Reno.

Weitere Glücksspielhochburg war Atlantic City. Die Stadt hat seine besten Tage bereits hinter sich, ist aber nicht zu verachten. Die Zimmerpreise sind ein Schnäppchen, besonders unter der Woche. Am Boardwalk entlang zu schlendern, auf der einen Seite Strand und Wellenrauschen, auf der anderen Seite, Entertainment, Hotels und Casinos, ist eine besondere Erfahrung.

Spieleroasen im Bundesstaat Mississippi sind Biloxi und Tunica. Auch New Orleans in Louisiana oder Ledyard in Connecticut sind Gambling-Orte.

Las Vegas bei Nacht

 

GAMBLING IN ANDEREN LÄNDERN

Ein Casinobesuch in Deutschland im Vergleich zu den USA ist anders. Es gilt besondere Kleiderordnung. In den USA ist das nicht so. Da die Casinos oft mit Hotels verbunden sind, wird jedes Auftreten begrüßt.

In Neuseeland ist ebenso eine Spielerkultur vorhanden. Für mich zur Überraschung. Im Skycity-Tower in Auckland sitzt ein größtenteils asiatisches Publikum. Allgemein hält sich die Stimmung in Grenzen, die Spieler machen einen ermüdenden Eindruck und die Atmosphäre ist eher fad. Vielleicht liegt es auch daran, dass man hier für alkoholische Getränke bezahlen muss.

 

Was noch interessant sein könnte:

Schreib doch einen Kommentar