Der Alltag bekommt Farbe ab

Der Alltag bekommt Farbe ab

Abenteuer-Helden? Alltags-Langweiler? Wir wären dann wieder bei den Klischees. Und der Pointe, dass ein bisschen von allem ganz gut tut. Sowohl die Bratwurst im Urlaub, als auch das local life.

Ein Auszug meiner Gedanken in Down Under 2015:

Die ersten Wochen in Australien genoss ich es ohne sie, später in Sydney schlich sie kurz vorbei, aber ich ließ sie nicht zu und seitdem konnte ich, gerade wegen ihrer Abwesenheit, so befreit und vergnügt leben. Nun hab ich das Gefühl, sie taucht demnächst wieder auf und bleibt für eine Weile. Ich freu mich auf sie.

Die ROUTINE. Mal da, mal weg, mal gut so, mal vermisst.

ROUTINE IM ALLTAG

Routine. Gewohnheit. Alltag. Alles Synonyme für einen Lifestyle ohne Schwung. Es wird abwertend über Routine gesprochen. Das ist nicht fair. Entknoten wir diese unfreundliche Unterstellung. Hier und Jetzt. Los geht’s.

DIE TÄGLICHE ROUTINE – IST ROUTINE SCHLECHT?

Die Routine hat einen negativen Touch, wenn man an den Ablauf des Alltags denkt. Alles geht seinen gewohnten Gang. Es ist immer der gleiche Trott. Konstant. Wir trennen uns weil der Alltag einkehrt. Das Besondere fehlt. Routine als Beziehungkiller? Die Routine killt uns also. Na toll! Auf Arbeit ermüden die Routinearbeiten. Und zu Hause sitzt man in seiner Komfortzone fest.

Der immer gleiche Ablauf.

Sind wir genervt von der Gewohnheit, gilt es etwas auf die andere Waagschale zu legen. Sei es Urlaub, Genussmittel, Konsum, Hobbies, Aktivitäten oder Herausforderungen.

Ist die Ermüdung durch die Alltagsroutine das Gegenstück zum Burnout? Oder kommt das eine mit dem anderen? Sind wir entkräftet, weil wir unterfordert sind und der Weg nach „draußen“ so schwer ist?

Routine bringen wir in Zusammenhang mit dem Alltag. Wer von Alltag spricht, ist genervt und erlebt nichts Neues. Uns fehlen die kreativen Gedanken. Ich habe einen Beitrag geschrieben, in dem es darum geht, neue Ideen durch Kreativität aufzugreifen und umzusetzen.

Neues ist Unbekanntes. Aber Neues ist auch Faszination. Neues ist spannend. Neues macht uns lebendig. Und das brauchen wir für unseren Alltag. Das muss kein Abenteuer sein. Und wir müssen auch nicht die optimale Gelegenheit abpassen.

„Manche leben mit einer so erstaunlichen Routine, dass es schwerfällt zu glauben, sie lebten zum ersten Mal.“ ―Stanislaw Jerzy Lec

Peace is here

ROUTINE ALS SICHERHEIT UND ZEITERSPARNIS – IST ROUTINE GUT?

Gibt es nur Schattenseiten der Routine? Im Hinblick auf eine gewisse Struktur und Ordnung ist sie vielleicht hilfreich.

Ist an der „Macht der Gewohnheit“ etwas dran?

Gibt die Routine uns nicht Sicherheit und Halt? Und wenn etwas anders als gewohnt abläuft, dann bringt das unseren ganzen Tagesablauf durcheinander. Warum? Wir sind aus dem Rhythmus und müssen uns plötzlich neu arrangieren und organisieren.

Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass das morgendliche Kaffeekochen, Marmeladenbrotschmieren und die Fahrt auf Arbeit im Autopilot ablaufen?

Wir können diese Routine im Halbschlaf und ohne Blick auf die Uhr perfekt meistern. Ist doch super!

Ich denke zurück an meinen alten Job: An den Jahresabschluss. Ein einzelnes Wort trifft auf vollkommene Unbeliebtheit. Man weiß, was einen erwartet. Man erinnert sich an die Wirrnisse des letzten Jahres und wünschte, er könnte dieses Jahr einfach ausfallen. Aber, man hat auch Erfahrung damit. Es ist eine wiederkehrende Aufgbabe. Diese Tatsache macht es schon wieder erträglich. Bei einigen meiner Kollegen/innen hätte ich gern 4 Uhr in der Früh ins Ohr geflüstert J-a-h-r-e-s-a-b-s-c-h-l-u-s-s und wüsste gern, was passiert wäre. Vermutlich hätte ich einen kräftigen Stoß abbekommen.

Nicht nur für die Arbeit, sondern beim Einkaufen, Kochen oder Putzen hat sie sich bewährt. Die optimale Reihenfolge. Und die wird durchgezogen ohne jedes Mal von Neuem nachdenken zu müssen. Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub ist ein Krampf aber irgendwann ist man Gott sei Dank wieder in der Routine drin.

Man fügt sich in den strukturierten Rahmen ein. Man fühlt sich wieder da, wo man hin gehört und eben einfach sicher.

Bei routinierten Abläufen ist der Körper im Energiesparmodus.

ROUTINE AUF REISEN

Eine Routine beim Kofferpacken bewährt sich. Ebenso die Rituale bei der Ankunft im Hotel. Dass der Pilot Erfahrung durch Gewohnheit hat, beruhigt auch. Klingt nicht schlecht. Gut, dass wir sie haben, die Routine auf Reisen.

Freiheit auf Reisen

„Lebe jeden Tag, als wärest du auf Reisen.“ So lautet der erste von 15 Grundsätzen für mehr Pepp im Alltag. Zusammengetragen von Minna auf Leben-ohne-Limit. Beim Reisen muss man all die kleinen Entscheidungen neu treffen. Man geht aus Unerfahrenheit Wege doppelt, sucht Dinge, vergleicht und muss abwägen. Das kostet Zeit und kann stressfördernd sein.

Heimatliche Rituale auch im Urlaub nachzugehen, kann den Stressfaktor senken. Ein Dank an die unzähligen deutsche Restaurants an Urlaubsorten. Ohne Bratwurst und Hefeweizen wäre der ganz Urlaub nichts. Vielleicht findet sich der ein oder andere in diesem Artikel der WZ wieder?

Schade, dass nicht alle Backpacker der Gewohnheit des Abwaschens auch auf Reisen folgen.

Ritual des Abwaschens

Was mir auf Reisen fehlt sind Fixpunkte und feste Abläufe, um die ich herum planen kann.

Es ist einfacher, ein vorgedrucktes Motiv auszumalen und zu ergänzen, als auf einer leeren Leinwand neu anzufangen. An vielen Tagen war ich frei und hatte Null Verpflichtungen. Ich war überfordert.

Wo sind meine gewohnten Abläufe?

Wie gehe ich mit einem solchen Tag um?

Wie geht Nichtstun?

In anderen Ländern ist es doch gerade der Alltag, der uns so interessiert. Wie leben die Einheimischen? Welche Rituale haben andere Kulturen?

Ich denke zum Beispiel an Indonesien. An die Tempelfeste. An die rhythmische Tänze, die ausdrucksvolle Geschichten erzählen. Zeremonien und Opfergaben. Die aus Bananenblättern geflochtenen Canang Sari sind kleine Kunstwerke. Zumindest kurzzeitig, bis sie lieblos und platt auf der Straße liegen. Indonesier drücken so ihre Dankbarkeit aus und bekennen sich offen zum Glauben.

Rituale in Indonesien

URLAUB ALS GEGENPOL ZUM ALLTAG

Je tiefer wir in der Arbeit stecken, desto mehr freuen wir uns auf den Kontrast: Urlaub. Alles ganz toll. Aber zu viel freie Zeit macht nur begrenzt glücklich. Einige Monate in Australien und ich wusste meine Frei- und Auszeit nicht mehr so sehr wie anfangs zu schätzen.

Brauchen wir ab und an etwas Alltag, etwas Trott, etwas Routine? Damit das Gehirn Zeit hat, neue Eindrücke zu verarbeiten. Damit der Körper in einem strukturierten Ablauf fungieren kann. Und damit der Kopf nicht so viel nachdenken muss.

Vielleicht geht deshalb auch der Trend zum Slow Travel über. Langsam reisen. Sich Zeit lassen und versuchen, sich in das Leben der Einheimischen einzufügen anstatt von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu hetzen.

Routine gegen Alltag

Auf Reisen oder im Urlaub erleben wir in kurzer Zeit viel Neues.

Die Speicherkapazität ist irgendwann erreicht.

Dann brauchen wir Ruhe und Zeit für die Datenverarbeitung. Einfach nichts Neues erleben, mal runterfahren und eben wieder in einen gewohnten Ablauf zu stecken.

Halbzeit in Australien: Nun bin ich mittlerweile schon zwei Monate an einem Ort, wo es nichts zu erleben gibt. Ich gehe meiner Arbeit nach und die Wochen ähneln einander: Der Wecker klingelt zur gleichen Zeit und Mittag gegessen wird Punkt um 12. Montag geht der Arbeitswahnsinn los, Freitag ist ein schöner Tag und am Wochenende wird gewaschen und ausgeschlafen und all die schönen Dinge getan, für die man wochentags keine Zeit findet. Kann ich nach zwei Monaten schon von einer Routine sprechen? Keine Ahnung, aber das, was gerade passiert, ödet mich an.

REISEN UM DEM ALLTAG ZU ENTFLIEHEN

„Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.“  – Konfuzius

Was heißt oft? Wann sind wir von Routine genervt? Es verhält sich doch, wie mit Durst. Man spürt es erst, wenn es zu spät ist.

Meine Ich-muss-hier-raus-sonst-dreh-ich-durch-Gedanken in Deutschland waren auch schon hart an der Grenze zum Ich-kann-nicht-mehr-warten-ist-mir-egal-ich-fahr-jetzt-zum-Flughafen.

Ich persönlich fühle mich für eine gewisse Zeit wohl in einer Routine. Dann kommt bei mir der Punkt, wo ich mich überhaupt nicht mehr wohl fühle. Da helfen keine Abwandlungen der Gewohnheiten. Hier hilft nur eine drastische Veränderung. Die muss aber Struktur haben. Ich wandel gerne meinen Alltag ab, aber im Frühjahr 2014 half das alles nichts mehr. Ein halbes Jahr später hatte ich keine Wohnung, keine Arbeit und keinen Alltag mehr. Dafür war ich frei und flexibel. Für mich kann ich sagen, dass weniger Alltag mir mehr Genuss, mehr Qualität des Lebens bringt.

Dabei konnte ich mir damals doch jeden Tag anders gestalten und so zurechtbiegen, dass kein Tag dem anderen glich. Es gab niemanden, auf den ich Rücksicht nehmen musste und doch schienen kleine Veränderungen nicht genug. Es musste etwas Großes sein, ein Abenteuer. Genau das habe ich in Australien gesucht und gefunden. Abenteuer weniger im Sinne von Skydiving, Krokodile füttern oder im Outback leben, sondern viel mehr, dass kein Tag dem anderen gleicht. Jeder Tag brachte kleine oder größere Überraschungen.

die Macht der Gewohnheit

Ich liebe mittlerweile permanente Veränderungen.

Auch hier gilt wie oft im Leben: Wer alles will, erreicht eigentlich nichts.

Und was machen wir jetzt? Einen großen Schritt aus der Komfortzone rein in das Abenteuer. Oder von der aufregenden Reise-Episode rein in die gewohnte Umgebung. Je nachdem, was gut tut.

Mach dir mal Gedanken! Wenn du schon welche hast, dann teile sie doch unten in den Kommentaren!

 

Zum Weiterlesen:

4 Kommentare

  1. hey Stefanie,
    ob du es glaubst oder nicht- dein Gegenstück zum Burn-Out gibt es wirklich. Es gibt eine Depression, die aus permanenter Unterforderung und Langeweile entsteht, wie sie sich nennt, weiß ich allerdings gerade nicht. By the way: Dein Blog gefällt mir echt gut! Ich teile vieler deiner Denkweisen und finde deine Reisestorys sehr schön.

    liebe Grüße aus Seis

    • Hallo Lena,
      was? Eine Depression? Das klingt so neurotisch. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass zuviel Langeweile zur Lustlosigkeit und schließlich zu einer inneren Verzweiflung führen kann. Weder das eine noch das andere Extrem ist gut. Nur leider merkt man es für sich selbst meist erst recht spät.
      Danke für die netten Worte. Es freut mich sehr, dass du dich in meiner Auffassung wieder findest.
      Viele Grüße,
      Stefanie

  2. Hi Stefanie,

    Das Gegenteil von Burnout ist Boreout. Echt jetzt! 🙂

    Toller Artikel, lieben Dank dafür!

    Und ich bin so froh, dass ich heute erst deine Mail von Mitte März (lieben Dank noch mal dafür) so richtig wahrgenommen habe, denn deine Gedanken in diesem Beitrag sind gerade so treffend. Bei jedem zweiten Satz habe ich genickt und JAWOLL geschrien. Vielleicht wird dir gleich bewusst, warum ich heute erst deine Mail „bekommen“ habe.

    „Brauchen wir ab und an etwas Alltag, etwas Trott, etwas Routine?“

    Vor 2 Jahren hätte ich diese Frage mit einem klaren NEIN beantwortet. Heute sage ich JA, UNBEDINGT! Warum habe ich meine Meinung geändert? Weiß ich es jetzt besser, bin klüger, weiser, älter? Älter vielleicht. Ich denke, meine Erfahrungen lassen mich diese Antwort geben. Wie bei dir, gab es auch in meinem Leben einen Tag, an dem ich einfach nicht mehr an meinem Schreibtisch sitzen, nicht mehr in denselben Supermarkt, dasselbe Essen essen, dieselben Leute treffen, in derselben Stadt leben wollte. Ich gab alles auf und ging, suchte das Abenteuer, war frei, wild, habe jeden Tag etwas anderes gegessen, woanders geschlafen, andere Menschen getroffen. Und diese Veränderung war gut, sie war perfekt, unumgänglich.
    Für den Moment.
    Jetzt, nach einiger Zeit bin ich aber übervoll mit Eindrücken und Neuem, ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, mein Kopf ist überfordert, ich bin wie eine Regentonne, die nicht überlaufen kann. Das Wasser läuft einfach weiter rein… Ich muss das Wasser abstellen, irgendwie, sonst platze ich. Ich muss meinem Kopf Zeit geben die Eindrücke zu verarbeiten, muss meine Rastlosigkeit nun der Routine hinten anstellen, so wie ich damals die Rastlosigkeit der Sicherheit vorgezogen habe, damit mein Kopf wieder klar kommt. Und wie du richtig geschrieben hast, ist Trott, ein Alltag weniger kräftezehrend. Ich weiß nach zwei Tagen an einem Ort, wo ich Obst und Gemüse oder Klopapier bekomme und wo es einen guten Kaffee gibt. Ich muss nicht mehr nachdenken und mein Kopf hat nun Zeit das Erlebte zu sortieren und sich auszuruhen. Nach zwei Tagen ist mir schon etwas langweilig, aber das ist nur Gewohnheit, ich muss mich nur neu daran gewöhnen eine Routine zu haben, meinem Kopf seinen Freiraum zu lassen, um ein Platzen zu verhindern. Nach 5 Monaten Abenteuer brauche ich eine Pause, ob ich will oder nicht (eher nicht 😉 ), aber ich habe sie mir verschrieben, indem ich mein Apartment schon im Voraus für die nächsten 10 Tage bezahlt habe. Routine ist gut, manchmal, in gewissen Lebensabschnitten notwendig. Wir müssen uns davon lösen Routine als etwas Schlechtes zu sehen. Die Mischung macht´s. Ich denke, wenn man erst einmal seine ganz individuelle Balance zwischen Routine und Abendeuer gefunden hat, lebt es sich bestimmt ganz toll. Ich bin noch auf der Suche…

    Noch einmal: toller Artikel!

    Liebe Grüße
    Candy

    • Hallo Candy,
      erst einmal vielen Dank für das Lob. Ich freue mich, dass ich dich mit dem Artikel so tief erreichen konnte. Danke auch an dich, dass du hier über deine letzten Monate reflektierst und damit zeigst, dass es völlig ok, mal wieder in den Trott zu kommen.
      Wir durchlaufen auf einer langen Reise verschiedene Etappen. Und irgendwann kommen wir an den Punkt, wo wir müde sind, wo wir uns satt gesehen und erlebt haben. Das ist völlig normal.
      Man muss nicht dauernd unter Strom stehen und sich von einem ins nächste Abenteuer stürzen. Wichtig ist es doch, das zu tun, wonach der Körper sich in dem Moment fühlt – ob der Alltag überhandnimmt oder wir uns danach sehnen.
      Ich wünsche dir alles Gute und viele Grüße,
      Stefanie

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