Roadtrip Réunion – eine passive Durchreise

Roadtrip Réunion – eine passive Durchreise

Ich fuhr einmal um die Insel im Uhrzeigersinn. Zehn Tage Roadtrip auf La Réunion sind vorüber. Und obwohl die Insel mit ihrer grünen Landschaft, den riesigen Bergketten, den tiefen Schluchten, dem aktiven Vulkan, den Sandstränden und enormen Wellen das tropische Paradies von Europa zu sein scheint, fehlte etwas.

Ich konnte mit Réunion leider nicht anknüpfen. Und so blieb es nur bei einer Durchreise ohne netten Plaudereien mit Einheimischen.

Wirklich begriffen habe ich La Réunion leider nicht.

Cirque de Mafate auf Reunion

Wanderung auf Reunion

Spinne

RÉUNION UND FRANZÖSISCH

Leider spreche ich kein Französisch. Und was mir auf Mauritius noch sehr gut gelang scheint auf Réunion ein Ding der Unmöglichkeit. Mit Englisch komme ich kein bisschen voran. Es entsteht eher noch mehr Verwirrung.

In der Hauptstadt Saint Denis sprach mich ein junger Herr von einer Organisation auf der Straße an. Er gab sich wirklich, wirklich sehr viel Mühe mir auf Englisch zu erklären, dass er für eine Spende gegen Hunger aufruft. Der französische Akzent ist herrlich. Ich finde den wunderbar.

Neben der Autoanmietung war er mein einziger Kontakt mit einer auf Réunion lebenden Person auf Englisch.

Wenn man Französisch nicht in der Schule hatte und keinen Brocken Französisch spricht oder versteht, hat man es auf Réunion sehr schwer. Beschilderungen, Speisekarten und Verträge der Autovermietung sind auf Französisch. Selbst auf ein „How are you?“ meinerseits antworten die Réunionaner auf Französisch. Komischerweise können sie aber alle sagen „You have beautiful eyes!“.

Ostkueste von La Reunion

im Osten von La Reunion

Kuesten von Reunion

Boote auf Reunion

SERPENTINEN – AUFREGEND ABER NERVTÖTEND

Ich muss sie noch einmal erwähnen: die Serpentinen. Weil sie einfach nicht aufhören wollen. Mein Navi hat mittlerweile auch den Drehwurm und sagt mir jede Kurve als Abbiegung an. Ach herrje.

Die Fahrt in das 1.200m hoch gelegene Cilaos war eine extreme Fahrt. Teilweise verengte sich ohne Hinweis die Fahrbahn auf eine Spur, sodass es nur zu hupen und hoffen gilt, es kommt nichts entgegen. Die Vorstellung, auf kurvenreicher, steiler, enger Fahrbahn rückwärts zu fahren, ist nicht gerade prickelnd. Diese Strecke wollte einfach kein Ende nehmen.

Und dann auf einmal ein Tunnel. Der Bus vor mir rollt langsam voran. Nichts für Menschen mit Klaustrophobie. Ich glaube, es war nur eine Millimetersache. Ich überlege mir, wie es wohl wäre im Bus zu sitzen und sich die Serpentinenfahrt zu geben indem man volle Kontrolle abgibt?

Auf der Schnellstraße, die Réunion einmal an der Küste umrundet, weiß ich nun auch dass – während ihre Stärken in S-Kurven liegen – die Réunionaner ihre Schwächen auf eben diesen Schnellstrecken haben. Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 110. Das schnellste Auto fährt 110 und das ist meins. Übervorsichtig und zögerlich mit dem Gaspedal bewegt sich der Rest voran. Ich beobachte ein Auto, dass links blinkend auf der linken Fahrbahn gemütlich fährt. Sollte der nicht eigentlich mit 180 angerauscht kommen um das Drängeln zu rechtfertigt? Komisch, immer mehr friedliche Linksblinker auf der linken Fahrbahn fallen auf. Ich weiß bis heut noch nicht, was es damit auf sich hat. Ich bin mir sicher, sie wollen nicht vorbei drängeln und haben auch nicht vergessen, den Blinker auszumachen.

Auf den Serpentinenfahrten überlege ich mir, wie es wohl wäre, in den Bergen zu wohnen? Abgeschottet vom Rest der Insel. Es gibt Gemeinden, die auf La Réunion so isoliert wohnen und ihr Dorf noch nie in ihrem Leben verlassen haben. Weiter oben ist es ein paar Grad kälter, öfter neblig und ab Mittag zumeist bewölkt.

Ist es nicht deprimierend? Und dabei schalte ich meine Vorliebe für Strände über Berge komplett aus.

Serpentinen auf La Reunion

Weide auf der Strecke zum Vulkan

AUSSICHT ÜBER DIE BERGKETTEN

Ich war auf vielen schönen Aussichtspunkten – Cilaos, Taramaka oder Cap Noir. Der Viewpoint Maido sollte das Highlight am Ende meines Trips durch Réunion werden. Alle schwärmten davon. In meinem Reiseführer heißt es, man solle vor um 7 morgens dort sein. Später würden Wolken aufziehen und den Blick versperren.

Wäre es nicht toll, die Sonne langsam über die Bergkette Cirque de Mafate aufsteigen zu sehen? Um 5 Uhr morgens stieg ich müde aber gespannt ins Auto und tuckerte in stocker Dunkelheit und nahezu autolosen Straßen die S-Kurven empor.

Oben angekommen wurde ich enttäuscht. Es nieselte. Die Sonne blieb hinter einer dichten Nebeldecke. Schade!

La Reunion

Cap Noir auf Reunion

La Reunion

WERDE ICH ZURÜCK KOMMEN?

Réunion wird mich so schnell nicht mehr wiedersehen. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte. Aber dennoch kann ich nicht sagen, dass ich die Insel kennen gelernt habe.

Etwas Entscheidendes fehlte: Der Kontakt zu den Einheimischen.

Deren Stolz, eine andere Sprache außer ihre zu sprechen und meine fehlenden Kenntnisse in Französisch führten dazu, dass ich kaum Kontakt mit den Menschen im Land machte. Niemand, der mir außergewöhnliche Früchte erklärt; niemand, der mir Anekdoten erzählt; niemand, der mir sein Leben offenbart; niemand, der mir Geheimtipps gibt. Nie-mand.

Ich habe die Insel passiv erkundet.

Ein Bindeglied zwischen mir und dem Land fehlte.

Niemand wird sich an ein Treffen mit mir zurück erinnern. Ich habe leider keine Spuren hinterlassen können. Niemand weiß, dass ich da war. Ich habe mein eigenes Ding gemacht. Ich konnte nicht anknüpfen. Das ist schade.

Als ich für zwei Nächte wieder zurück nach Mauritius kam und „alte“ Gesichter mit Handzeichen begrüßte und Schwätzchen hielt, fühlte ich mich willkommen und sofort wieder wohl. Und als ich am Flughafen begriff, dass der Pässekontrolleur mir keine Fragen zu meiner Ausreise stellte, sondern flirtete und mir den verdammten Ausreisestempel nicht geben und mich den Flug verpassen lassen wollte, dachte ich kurz darüber nach, nicht doch auf Mauritius zu bleiben.

Aber es ist Zeit, weiterzuziehen. Südafrika wartet.

La Réunion wird mich so schnell nicht wieder sehen, obwohl die Natur mich wirklich sehr beeindruckte.

Cilaos

Haengematte

Lava auf La Reunion

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