Würdest du auf einer einsamen Insel leben wollen?

Würdest du auf einer einsamen Insel leben wollen?

Im Zeitpunkt meiner momentanen kreativen Sammelphase, was die nächste Reisedestination betrifft, hatte ich unter anderem den Einfall, eine Insel zu kaufen. Ganz klein, möglichst abgeschieden und mit einem Bungalow am langen Sandstrand, vielleicht auch etwas höher gelegen, wegen dem ansteigendem Meeresspiegel. Palmen sollten auch wachsen und die Sonne das ganze Jahr über scheinen. Ich würde dann selbstversorgend, einfach aber glücklich leben.

Aus dem Einfall, eine Insel zu kaufen wurde ein großes Google-Recherche-Projekt. Schnell realisierte ich zwei Dinge. Erstens sind die meisten der bewohnbaren Inseln unseres Planeten keine Strandparadiese, sondern übersät mit Felsklippen, Wäldern oder Sumpfgebieten. Und zweitens realisierte ich schnell, dass ich mir eine ganze Insel nicht leisten könnte.  Dann vielleicht mieten? Vielleicht hab ich das isolierte Inselleben irgendwann satt. Dann ist mieten schon besser, oder?

Eine Insel kann meist nur mit einer Behausung angemietet werden. Klingt für ein Wochenende ganz schmackhaft, aber auf lange Sicht? Dann vielleicht doch zurück zu dem Gedanken, mich in einen Bungalow in Kho Lipe einzuquartieren, von dem aus ich das Wellenrauschen höre und mit den Füßen im Sand stecke, sobald ich mich von meiner Hängematte erhebe.

Ob abgeschieden und allein auf einer Inseln oder in einer Gemeinschaft –  das alles klingt wie ein Märchen. Hast du nicht auch schon mal daran gedacht, auf einer Insel zu leben? Fern ab von den Problemen der heutigen Zeit? Weg von materialistischer Einstellung und einem Alltag, das digitaler Bestimmung unterliegt? Weg von Unruhen, Stress und Großstädten?

Würdest du auf einer Insel leben wollen?

Maria Island Tasmanien

 

WER IST DIE ZIELGRUPPE, DIE AUF EINER INSEL LEBEN WÜRDE?

Wenn du bis hierhin gelesen hast, gehe ich davon aus, dass dir der Gedanke, auf einem einsamen Stück Sandstrand zu leben, gut tut. Ist ja auch toll!

Welche Art von Mensch denkt darüber nach, auf einer Insel zu wohnen?

Es sind möglicherweise die, die das „normale“ Leben satt haben. Die, die aussteigen, auswandern oder abschalten wollen. Es sind die Menschen, die keine Grenzen kennen. Es sind die, die das Leben als Möglichkeit sehen. Menschen, die nicht nur träumen, sondern fest daran glauben, dass Träume wahr werden können. Menschen, die auf einem guten Weg sind, zu sich zu finden. Die wissen, was sie glücklich macht und danach streben.

Es sind Gedankengänge, die von Abenteuerlust, Reisebereitschaft und Verrücktheit geprägt sind.

Gili Inseln in Indonesien

 

DIE VORSTELLUNG VOM PARADIES

Träume sind gut. Träume sind wichtig.

Stell dir vor, du kannst tun und lassen, was du willst. Stell dir vor, du hast das Meer immer um dich, egal in welche Richtung du blickst. Stell dir vor, du joggst am Morgen einmal um DEINE Insel. Stell dir vor, du kannst draußen frühstücken, dich sonnen und DEINEN Bungalow bauen ohne jegliche Störung von außen.

Auswandern ins Paradies

Die einzigen Geräusche machen kreischende Möwen, der Wind, der um die Bäume weht und die Wellen, die gegen das Riff schlagen.

Stell dir das Paradies vor, an dem jeden Abend die Sonne in einem leuchtendem Orange auf den Horizont trifft.

Aber ist es überhaupt realistisch, auf eine Insel auszuwandern? Kann man wirklich auf einer Insel (über-)leben?

Kho Lipe Thailand

 

EIN PAAR GEDANKENANSÄTZE FÜR DAS LEBEN AUF EINER INSEL

Erwerb als Kauf/Pachtung

Neben einem vollen Eigentumsrecht über die Insel gibt es auch ein Nutzungsrecht, nämlich dann, wenn das Grundstück der Insel gepachtet wird, weil es einer dritten Person gehört. Beim Nutzungsrecht besitzt man die Insel nicht, sondern hat nur Rechte an ihr. Am besten hilft ein Anwalt, der sich mit den örtlichen Gegebenheiten des Landes auskennt und über Baugenehmigung und Umweltgesetze berät. In manchen Ländern dürfen Ausländer keinen Grundbesitz erwerben. Ein Steuerberater erteilt Rat mit den steuerlichen Belastungen, die mit einem Inselkauf im jeweiligen Land einhergehen.

 

Unterkunft auf der Insel

Soll es eine besondere und schicke Villa oder ein Fertighaus sein, hilft ein Architekt und Bauingenieur.

Wer eine einfache und nachhaltige Behausung vorzieht, der kann ein Bungalow, eine Strandfale, ein stabiles Zelt oder ein Stein- oder Höhlenhaus auch selbst bauen.

 

Visum

Möchtest du nicht nur temporär auf (d)einer Inseln wohnen, benötigst du ein Visum für den permanenten Aufenthalt. Informationen gibt das Auswärtige Amt.

 

Medizinische Versorgung

Ein sehr wichtiger Punkt, an den man in erster Linie gar nicht denken mag. Passiert etwas, kann es lebensnotwenig sein, schnell in ein Krankenhaus oder einen Notdienst geliefert zu werden. Wo man die Zeitspanne der Entfernung anlegt – ob bei einer Stunde oder 90 Minuten – sollte vor dem Inselkauf überlegt werden. Inseln mit medizinischer Versorgung im nahen Umkreis sind teurer, da sie begehrter sind.

 

Mutter Natur

Das Leben auf einer Insel bedeutet, in und mit der Natur zu leben. Weder Mücken noch giftige Pflanzen kann man auf den Bildern sehen, aber das Leben auf der Insel aber einschränken. Je nach Lage und Klimazone kann es vor Schlangen, Spinnen oder Mosquitoes wimmeln.

Steilküsten, scharfe Felsen, Wälder oder Sumpfgebiete sind einige andere Herausforderungen auf der Insel.

Maria Island in Austalien

 

Zugang zu Essen

Wie ernähre ich mich auf der Insel? Kann ich mit dem Boot zum Festland fahren, wo es Einkaufsmöglichkeiten gibt? Bin ich auf ein Frachtschiff angewiesen, dass alle paar Tag oder Wochen Nahrungsmittel auf die Insel liefert? Kann ich Obst, Gemüse und Getreide selbst anbauen? Auf einer Insel sollte man die Selbstversorgung wohl anstreben und damit so unabhängig wie möglich vom Festland werden.

Bezüglich Wasserversorgung und -aufbereitung stellt sich die Frage, ob sich vom Festland ein Zugang beschaffen oder das Grundwasser über einen Brunnen nutzen lässt? Oder ist man auf die Lieferung von Trinkwasser angewiesen?

Das Auswandern auf eine Insel fällt umso leichter, wenn der Zugang zu Nahrung und, wie schon erwähnt, medizinischer Versorgung in unmittelbarer Nähe ist.

 

Fortbewegung

Dass eine Insel bewohnbar ist, bedeutet nicht zwingend, dass eine ausgebaute Infrastruktur vorherrscht. Wie kann ich mich auf unbefestigten Straßen oder durch Wälder fortbewegen? Mit Geländewagen, Fahrrad oder Quad?

Ist eine Landebahn für einen Helikopter realisierbar? Gibt es geschützte Buchten für Bootsanlegeplätze. Inseln in rauer See sind vielleicht nur an ruhigen Tagen zugänglich.

 

Klima und Naturgewalten

Herrschen in der Klimazone der Insel Tornados, Orkane oder Hurrikans vor? Auch sollte man sich über Stürme, Regenfälle, Unwetter, Windstärke, Sonnenstunden und Luftfeuchtigkeit informieren.

 

Technologie, Internet und Kommunikation

Wer mit dem Gedanken spielt, auf einer Insel zu leben, dem ist Technologie und Materialismus anscheinend nicht sehr wichtig. Auf schnelles Internet oder Hunderte von TV-Sendern könnte man vielleicht verzichten. Aber was ist im Notfall? Wie hält man Kontakt mit Freunden und Familie? Wie verdient man sein Geld ohne Internetverbindung und ohne örtlichem Arbeitsmarkt?

Wie komme ich an Strom? Mit erneuerbaren Energien durch Solar oder Wind?

Wie manage ich den Kontakt nach „außen“? Kann ich so abgeschieden und isoliert auf lange Zeit leben? Überwiegen die Vorzüge einer Südsee-Idylle die Nachteile einer abgeschotteten isolierten Lage?

Tasmanien Austalien

 

Wäre die Vorstellung, auf einer abgeschiedenen Insel zu leben, etwas für dich? Muss es unbedingt eine Insel sein oder reicht vielleicht doch ein weniger dicht besiedelter Landstreifen um von Alltag und Stress abzuschalten?

Dieser Artikel nimmt an der Blogparade über Trauminseln und Inselträume des Reiseblogs „Unterwegs mit Kind“ teil.

 

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14 Kommentare

  1. So ganz alleine auf einer Insel zu leben, das hat mich nie gereizt. Aber ich hatte früher hin und wieder die Fantasie, mit Freunden auf einer Insel so eine Art Kommune zu gründen. Das wäre dann auch leichter bezahlbar und würde eine rudimentäre Arbeitsteilung erlauben. Auch wenn ein echtes Krankenhaus fehlt, wäre es zum Beispiel nicht schlecht, einen Arzt auf der Insel zu haben, der im Notfall eine Erstversorgung machen kann.

    • Hi Oli,
      das ist natürlich auch ein spannendes Thema, eine Art Gemeinschaft auf einer Insel aufzubauen oder sich gar einer bestehenden Gemeinschaft anzuschließen – wie beispielsweise auf der Insel Pitcairn. Für die Insel werden immer wieder Bewohner gesucht. Und ein Arzt für die Erstversorgung existiere wohl auch. In einer Gemeinschaft wäre man mit den Herausforderungen, die ein abgeschottetes Inselleben mit sich bringt, nicht komplett auf sich allein gestellt.

      Viele Grüße,
      Stefanie

  2. Was für ein spannender Artikel und super gut recherchiert! Man muss sich wirklich vorher klar machen, was das Inselleben bedeutet. Für mich wäre es denke ich nichts. Gerne ein abgeschiedenes Stück Land, aber ich stelle mir das soziale Leben auf einer einsamen Insel doch etwas schwierig vor. Ich kann mir das ganze preislich überhaupt nicht vorstellen… Kannst du sagen wie viel man für eine im Vergleich kleine, einfache Insel bezahlt? Liebe Grüße 🙂

    • Hi Kuno,
      nach oben sind preislich keine Grenzen gesetzt. Es gibt kleine Inseln um die € 100.000, welche zwar als bewohnbar bezeichnet werden, aber entweder ein dichtes Waldgebiet oder komplettes Felsgebiet sind. Laut meiner Recherche beginnen die interessanten Inseln mit angenehmer Lage meines Erachtens erst bei ca. € 400.000. Das wäre auch nur der reine Kaufpreis exklusive Steuern und Gebühren für Rechte sowie evt. Anwalt und Berater. Stolzer Preis! Aber träumen kann man ja.

      Viele Grüße,
      Stefanie

  3. Hallo Stafanie,
    ich finde deinen Artikel sehr spannend, denn wir haben tatsächlich eine bezahlbare Insel gesucht und gefunden, für umgerechnet ca 8.000 €. Wenn auch nicht in der Südsee oder am Meer, so doch in den Tropen in einem See im Amazonasbecken. Allerdings ist die Entscheidung noch nicht gefallen, ob es tatsächlich eine Insel wird oder ein Haus am Fluss im dünnbesiedelten Hinterland.
    Lass dich nicht von deinen Überlegungen entmutigen, denn Träume sich da, um sie zu verwirklichen.
    Liebe Grüße
    Klaus

    • Hallo Klaus,
      ach was? Das ist ja spannend. Wie ich auf deinem Blog lesen kann, hast du dein Herz in Land und Kultur Brasiliens verloren. Mich würde es freuen, wenn ich mit eurem Vorhaben auf dem Laufenden bleiben könnte.
      Ich finde deinen Ansatz, dahin zu reisen, wo du bereits Menschen kennst, sehr interessant. So entstehen Freundschaften und ein tieferes Verständnis für die Kultur.

      Ich wünsche euch alles Gute mit eurem Haus am Wasser,
      viele Grüße,
      Stefanie

  4. Hach, so eine eigene einsame Insel hat schon seinen Reiz. 😀
    Vielleicht nicht zum dauerhaft wohnen, aber als Rückzugsort stell ich mir das schon sehr cool vor.
    Am besten natürlich mit eigenem Boot und nicht allzu weit vom Festland entfernt.
    Also falls du das irgendwann in die Tat umsetzt, würde ich auf alle Fälle mal gerne vorbeischauen.
    Liebe Grüße,
    Jessi

  5. Hallo Stefanie,
    was für ein interessanter und besonderer Bericht! Ich habe noch nie wirklich darüber nachgedacht, auf einer eigenen Insel zu leben. Ehrlich gesagt wäre mir das auf lange Sicht auch viel zu einsam. Aber für einen kurzen Zeitraum könnt ich mir das durchaus vorstellen 🙂
    LG Luisa

  6. Absolut eine Frage, die ich mir auch schonmal gestellt habe. Ich glaube meine Antwort ist: Jein! Einerseits mag ich die Stille und Unabhängigkeit aber manchmal doch ein wenig Trubel. Ein Mix wäre gut! Halbtags Einsame Insel. 😉
    Liebe Grüße
    Jessica

  7. Hey Stefanie, dank deines Textes hat sich mir eine zottelige Gestalt in Errinerung gerufen, die im selben Flieger wie ich von Bangkok nach Kalkutta geflogen ist. Ein britischer Ex-Militär und Weltenbummler. Barfuß. Der war mir sofort sympatisch! Jedenfalls hatte eben dieser vor, nach seinem Aufenthalt in Indien für 6 Monate auf eine einsame Insel zu ziehen. Allerdings dann weniger mit Insel kaufen, mehr so einnisten. Seine Motivation dazu ist die momentan angespannte geopolitische Situation auf der Welt, die ein wenig an den kalten Krieg erinnere. Manchmal denke auch ich aufgrund ungewisser Zukunft an ein Leben ganz weit weg von der verrückten Welt, aber irgendwie liebe ich das Verrückte dann doch zu sehr.

  8. Liebe Stefanie, ein wirklich toller und lesenswerter Artikel 🙂 Obwohl ich weiße Sandstrände und das Meer liebe, würde ich nie auf einer einsamen, kleinen Insel leben oder urlauben wollen. Ich mag nicht einmal auf die Malediven oder nach Bora Bora weil mir das einfach zu fad ist. Ich brauch die City/Road-Trip/Beach- Kombi 😉 Ich liebe Sightseeing, das Essen in landestypischen Lokalen, Musik, die irgendwo aus einer Bar auf die Straße dringt… Ein einsamer Strand: ja bitte, eine einsame Insel: nein danke
    LG, Anita

  9. Liebe Stefanie,

    ein sehr interessanter Artikel. Allerdings kam mir bisher noch nie ernsthaft der Gedanke, auf meiner eigenen Insel leben zu wollen. Dafür bin ich wohl zu sehr Stadtmensch. Und auch das Meer und der Strand reizen mich erstaunlicherweise nicht so sehr wie die Berge und die Wälder. Verrückt. Umso interessanter fand ich deine Gedankengänge und Überlegungen zum Leben auf einer Insel. Danke dafür. 🙂

    Viele liebe Grüße
    Kathi

  10. Ob ich auf einer einsamen Insel leben würde? Vielleicht 2 Wochen! Dann wäre es mir zu langweilig und würde das quirlige Leben um mich herum vermissen. Es fängt ja schon damit an, dass ich immer wenn es darum geht, ob wir ins Berliner Umland ziehen wollen, mein erster Gedanke die ewigen Fahrtstrecken sind.
    Ich glaube ich bin dazu einfach zu unentspannt.
    LG, Susanne

  11. Also ich spare mit und dann wechseln wir uns auf der Insel ab. Irgendwann bekommt wahrscheinlich jeder mal einen Lagerkoller und will wieder aufs Festland. Spaß beiseite. Wir waren mal lange auf einer kleinen philipinischen Insel, sind dort hängengeblieben. Es war eine schöne Zeit, aber wir waren total auf die dort lebenden Menschen angewiesen. Das war anfangs alles nett, nach einer Zeit nur noch nervig und schnell wir einem klar wie versaut man von der Zivilisation dann doch ist. Dennoch ein spannendes Gedankenspiel dass Du hier betreibst.

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